Fliegen wird zur Nervenprobe

Wegen Personalmangel: Airline streicht alle Verbindungen von und nach Nürnberg

MOTIV: Melanie Kunze, Portrait; Mitarbeiterportrait, Kommentarportrait, - Auswahl..FOTO: Günter Distler, gesp. 2014.
Melanie Kunze

Politik und Wirtschaft

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10.6.2022, 18:26 Uhr
Storniert: Mehrere Airlines können aufgrund des Personalmangels nicht jeden geplanten Flug durchführen. 

© Paul Zinken, dpa Storniert: Mehrere Airlines können aufgrund des Personalmangels nicht jeden geplanten Flug durchführen. 

Kaum sind die Probleme mit der Gepäcksortieranlage behoben, gibt es erneut schlechte Nachrichten für den Nürnberger Flughafen: Die Schweizer Fluggesellschaft Swiss wird die Verbindung zwischen Nürnberg und Zürich von Juli bis Ende Oktober einstellen. Laut Sommerflugplan bedient Swiss fünfmal wöchentlich die Strecke Nürnberg-Zürich. Die abschließenden Planungen der Airline liegen dem Albrecht-Dürer-Airport aber noch nicht final vor, heißt es aus der Pressestelle des Flughafens.

Grund für den Schritt ist Personalmangel. Laut Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) fehlt der Branche rund 20 Prozent Bodenpersonal im Vergleich zu Vor-Pandemie-Zeiten. Das derzeitige Personal kann die hohe Nachfrage nur schwer bewältigen.

Das betrifft nicht nur Deutschland, sondern auch viele Teile Europas. So verpassten in der vergangenen Woche am Flughafen Gatwick in London hunderte Menschen ihren Flug, weil sie stundenlang am Sicherheitscheck anstehen mussten. Dort waren zu wenig Mitarbeiter eingesetzt. In der Folge schafften es viele Reisende nicht mehr rechtzeitig zum Abflug-Gate.

Europaweit werden händeringend Frauen und Männer für den Check-in, für das Be- und Entladen der Flugzeuge und für die Sicherheitskontrolle gesucht. Zu Beginn der Pandemie wurde vielen Mitarbeitern gekündigt, weil der Luftverkehr nahezu zum Erliegen kam. Offenbar kamen diese mit dem Aufschwung der Reisebranche nicht wieder zurück. Seit Januar schaltet der Airport Nürnberg unter anderem in den Sozialen Medien Stellenanzeigen. Aktuell werden Mitarbeitende für die Abfertigung in Voll- und Teilzeit oder auf 450-Euro-Basis gesucht.

Bereits vor einigen Tagen meldete Swiss, dass nicht ausreichend Kabinenpersonal vorhanden sei - und Kolleginnen und Kollegen von der Lufthansa aushelfen müssen. Doch auch die größte deutsche Airline – Swiss ist Teil der Lufthansa-Gruppe - gab vor Kurzem bekannt, wegen Personalknappheit 900 Flüge innerhalb Deutschlands und Europas im Juli zu streichen.

Ab Nürnberg starten mehrmals täglich Zubringer-Maschinen von Lufthansa Cityline nach Frankfurt. Laut Homepage der Airline können aktuell die Nonstop-Flüge am Vor- und Nachmittag und am Abend im Juli weiterhin angeboten werden.

Betroffen von den Streichungen sind allen voran die Drehkreuze München und Frankfurt. Passagiere würden informiert und auf andere Maschinen oder auf Zugverbindungen umgebucht, heißt es bei Lufthansa. Gleiches gilt für die Passagiere, die mit Swiss von Nürnberg nach Zürich fliegen wollten. Die Betroffenen werden informiert und ihnen werden Alternativen angeboten, so Swiss.

Swiss streicht nicht nur die Verbindung von und nach Nürnberg. Auch andere Kurzstrecken sind betroffen, wie etwa Flüge nach Dresden oder Warschau. Auch eine Langstreckenverbindung von Zürich nach San Francisco wurde vom Flugplan genommen.

Auch die Fluggesellschaft Easyjet kann ihren Flugplan nicht wie geplant durchführen. Allein am Hauptstadtflughafen Berlin könnten täglich bis zu zwölf Flüge wegfallen, weil Mitarbeiter fehlen – ausgerechnet während der Hauptreisezeit bis Ende August.

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