Kommunikation

15 beliebte Redewendungen, die jeder kennen sollte

Simone Madre
Simone Madre

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14.3.2022, 08:41 Uhr
Eine bekannte Redewendung lautet "ich verstehe nur Bahnhof", was so viel bedeutet wie "ich verstehe gar nichts". 

© Markus Mainka via www.imago-images.de, imago images/Aviation-Stock Eine bekannte Redewendung lautet "ich verstehe nur Bahnhof", was so viel bedeutet wie "ich verstehe gar nichts". 

Was sind Redewendungen?

Redewendungen sind eine feste Verbindung mehrerer Wörter zu einer Einheit. Aus dem Zusammenhang erschließt sich dann eine Gesamtbedeutung, die über die Jahre zu einer gängigen Redewendung wurde. Ein Muttersprachler versteht die Redewendung, sie ergibt sich aber nicht direkt aus der Bedeutung der einzelnen Begriffe. Redewendungen sind außerdem ein rhetorisches Stilmittel.

Worin liegt der Unterschied zwischen Redewendungen und Sprichwörtern?

Ein Sprichwort ist immer ein vollständiger und abgeschlossener Satz, der eine Lebensweisheit enthält. Einer Redewendung hingegen besteht aus einzelne Wörter in Verbindung miteinander. Für einen vollständigen Satz müssen aber noch weitere Elemente hinzukommen. Redewendungen sind oft sehr bildhaft, enthalten aber keine Lebensweisheiten.

Beispiel für ein Sprichwort: "Wer ernten will, muss säen."

Beispiel für eine Redewendung: "sich etwas abschminken".

Die 15 häufigsten deutschen Redewendungen

Im Folgenden werden 15 beliebte deutsche Redewendungen und ihre Bedeutung aufgelistet. Dabei werden sie zum einen wortwörtlich ins Englische übersetzt und am Ende jeder Erklärung wird noch einmal die korrekte Redewendung aus dem englischen Sprachgebrauch genannt. Denn eine wörtliche Übersetzung ist fast immer falsch. Schließlich haben sich die Redewendungen in vielen Jahrzehnten in einem bestimmten Sprachraum entwickelt.

1. Jemandem die Daumen drücken

Wörtliche englische Übersetzung: "To press your thumbs for someone”

Wenn man jemandem Glück wünschen möchte, benutzt man diese Redewendung. Teilweise demonstriert dies der Gesprächspartner sogar mit seiner eigenen Hand, indem er seinen Daumen tatsächlich drückt. Die alten Germanen waren früher schon der Auffassung, dass es das Schicksal eines Betroffenen positiv beeinflusst, wenn man ihm die Daumen drückt. Der Daumen gilt als der wichtigste Finger und das "Daumen drücken" stellte symbolisch die Vertreibung der Geister dar.

Englisch besser: "I'll keep my fingers crossed for you"

2. Die Nase voll haben

Wörtliche englische Übersetzung: "To have the nose full"

Wer eine bestimmte Situation nicht mehr aushält oder nicht über etwas reden möchte, kann dies so zum Ausdruck bringen. "Ihm reicht es", könnte man auch sagen. Woher die Redewendung genau kommt, ist unklar. Eventuell stammt sie aus der Gaunersprache, denn Gefängnisinsassen bekamen früher zusätzlich zur Strafverfolgung "noch die Nase voll" gehauen.

Englisch besser: "To be fed up"

3. Tomaten auf den Augen haben

Wörtliche englische Übersetzung: "Tomatoes on the eyes"

Wer Tomaten auf den Augen hat, der sieht und merkt nicht, was um ihn herum passiert. Diese Redensart stammt eventuell aus dem mittelalterlichen Spanien, in der die Tomate eine lange Zeit als Frucht der Sünde galt. Diebe und Verbrecher mussten wochen- oder sogar monatelang mit Tomaten vor den Augen durch die Stadt laufen, damit jeder von ihrer Straftat erfuhr.

Eine zweite These ist, dass sich die Redewendung auf müde und rotgeränderte Augen bezieht, die auf Schlafmangel - und somit Konzentrationsschwierigkeiten - schließen lassen.

Englisch besser: "As blind as a bat”

4. Bock haben

Wörtliche englische Übersetzung:"To have a goat”

Das Wort "Bock” stammt aus einem früheren Dialekt und hieß früher "bokh". Damit war ursprünglich der Hunger gemeint. Nach einiger Zeit änderte sich die Bedeutung. "Bock" haben, meinte daraufhin die Lust nach Essen, Musik hören, Fahrrad fahren oder Ähnlichem. Heute hat die Redewendung immer noch einen festen Platz in unserem Sprachgebrauch, vor allem in der Jugendsprache.

Englisch besser: "I'm totally up for something" oder "I'm in"

5. Ich glaube, ich spinne

Wörtliche englische Übersetzung: "I believe I spider"

Wer spinnt, der ist im übertragenen Sinne nicht ganz bei Verstand. Das Verb "spinnen" geht auf das handwerkliche Spinnen von Fäden zurück. Wenn jemand nachdenkt, heißt es im übertragenen Sinne: "Die Fäden eines Gedankens spinnen". Wenn demgegenüber jemand etwas vergisst, heißt es "den Faden verlieren".

Englisch besser: "I think I'm going crazy” oder "I think I'm going nuts”

6. Ich glaub, mein Schwein pfeift

Wörtliche englische Übersetzung: "I think my pig whistles"

Schweine können nicht pfeifen. Daher möchte man mit der Redewendung ausdrücken, dass etwas Unglaubliches passiert und man somit seine Empörung zum Ausdruck bringen möchte. Eine andere Erklärung besagt, dass die Redewendung auf den Berliner Slang der 20er-Jahre zurückgeht. Das Pfeifen bezieht sich nicht auf echte Schweine, sondern auf einen runden Wasserkocher-Kessel, der zu pfeifen anfängt, sobald das Wasser kocht. Um einen unangenehmen Gespräch auszuweichen oder seine Verwunderung auszudrücken, sagte man "Ich glaub, mein Schwein pfeift" und verschwand dann in der Küche. Bis heute wird die Redewendung zum Ausdruck enormer Verwunderung verwendet.

Englisch besser: "I think a horse is kicking me"

7. Nur Bahnhof verstehen

Wörtliche englische Übersetzung: "To only understand the train station”

Diese Redewendung stammt aus dem ersten Weltkrieg. Die Eisenbahn war damals das Transportmittel der Wahl. Für die Soldaten war der Bahnhof der Inbegriff von Heimat. Wenn sie nach Hause wollten, war der Wunsch so präsent, dass sie nur den Bahnhof in ihrem Kopf hatten, also "nur" noch Bahnhof verstanden.

Englisch besser: "It's all Greek to me."

8. Die Katze im Sack kaufen

Wörtliche englische Übersetzung: "To buy the cat in a bag"

Wenn sich jemand auf etwas Unbekanntes einlässt und dann negativ überrascht wird, kauft er "die Katze im Sack". Die Redewendung geht auf das Mittelalter zurück. Damals haben betrügerische Händler ihren Kunden ihre wertlosen Katzen anstatt Hühner, Kaninchen oder Ferkel beim Verkauf untergejubelt.

Englisch besser: "To buy a pig in a poke"

9. Nicht das Gelbe vom Ei

Wörtliche englische Übersetzung: "Not the yellow of the egg"

"Nicht das Gelbe vom Ei" bedeutet, dass etwas noch besser sein könnte, also die Leistung ausbaufähig ist. Das Eigelb steht dementsprechend für eine perfekte Leistung. Woher die Redewendung kommt, ist leider unbekannt, aber die Botschaft ist dennoch eindeutig.

Englisch besser: "This is not exactly brilliant"

10. Übers Ohr hauen

Wörtliche englische Übersetzung: "To hit above the ear"

Diese Redewendung kommt aus dem Fechtsport und besagt, dass man jemanden am Kopf (also über den Ohren) getroffen hat. Der Schlag ist nicht nur technisch sehr herausfordernd und schmerzhaft, sondern gilt auch als sehr hinterlistig. Daher hat sich die Redewendung in unserem heutigen Sprachgebrauch etabliert und symbolisiert einen Betrüger oder jemanden, der andere gern über den Tisch zieht.

Englisch besser: "To pull a fast one" oder "To take somebody for a ride"

11. Den Braten riechen

Wörtliche englische Übersetzung: "To smell roast meat"

Wenn jemand "einen Braten riecht", dann ist er einer Lüge auf der Spur. Die Redewendung stammt aus einer Fabel, in der ein Bauer ein Tier zu sich einlud. Das Tier roch bereits an der Tür, dass ein Artgenosse in der Pfanne schmorte und drehte daher schnell wieder um. Das Tier hatte also vorher schon den "Braten gerochen".

Englisch besser: "To smell a rat"

12. Um den heißen Brei reden.

Wörtliche englische Übersetzung: "To speak around the hot mush”

Ursprünglich hieß diese Redewendung "Wie die Katze um den heißen Brei herumschleichen". Die Katze soll dabei, metaphorisch gemeint, die kühlste Stelle zum Ablecken des Breis gesucht haben. Im übertragenen Sinne bedeutet dies, dass ein Gesprächspartner ein Thema herauszögert beziehungsweise um das Thema herumredet und nicht auf den Punkt kommt. Der Gesprächspartner macht keine klaren Aussagen, sondern redet nur schwammig drum herum.

Englisch besser: "To beat about the bush"

13. Ein Brett vor dem Kopf haben

Wörtliche englische Übersetzung: "Have a board in front of your head"

Diese Redewendung verdeutlicht, dass jemand etwas Offensichtliches nicht versteht. Dies geht darauf zurück, dass Bauern störrische Ochsen früher ein Holzbrett vor den Kopf hängten, um die Arbeit mit ihnen zu erleichtern, da der Ochse dann weniger schreckhaft war. Wer ein Brett vor dem Kopf hat, war also so schwer von Begriff wie ein Ochse.

Englisch besser: "To have a mental blackout"

14. In den sauren Apfel beißen

Wörtliche englische Übersetzung: "Bite in the apple"

Wer "in den sauren Apfel beißt", muss etwas Unangenehmes tun, was aber dennoch notwendig ist. Die Redensart hat ihren Ursprung im Mittelalter. Damals mussten Operationen in Kriegszeiten direkt auf dem Feld durchgeführt werden. Anstelle einer Narkose bekam der Kriegsverletzte etwas in den Mund, auf das er beißen konnte, um von seinem Schmerz abzulenken.

Englisch besser: "Swallow the bitter pill"

15. Noch grün hinter den Ohren sein

Wörtliche englische Übersetzung: "Still be green behind the ears"

Die Farbe "grün" bezieht sich dabei auf den Reifeprozess einer Frucht. Wenn beispielsweise eine Banane, Orange oder Erdbeere noch grün ist, mangelt es an Reife. Zudem könnte die Redewendung auch darauf zurückzuführen sein, dass Säuglinge nach der Geburt noch feucht hinter den Ohren sind. Schließlich vergisst man diese Stelle beim Abtrocknen schnell, sodass Fruchtwasser zurückbleibt. Die Redewendung wird auch heute noch verwendet, wenn jemand unreif beziehungsweise noch nicht erwachsen ist.

Englisch besser: "To be half-baked"

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