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Ab Montag: Das sind die neuen Corona-Regeln für Bayern

Freistaat geht einen Schritt voran - Zwei Schwellen sind ausschlaggebend - 05.03.2021 10:48 Uhr

Die neuen Coronaregeln für Bayern finden Sie hier aufgegliedert.

Die Inzidenzwerte

Die 35 ist wieder vom Tisch, von der zehn redet niemand mehr. Zwei Schwellen sind ausschlaggebend: Liegt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen über hundert, greift der volle Lockdown. Darunter wird es lockerer, viele Geschäfte dürfen öffnen, allerdings mit strengeren Auflagen. Sinkt der Wert unter 50, wächst die Freiheit. Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) nennt dafür eine Zeitspanne von mindestens drei Tagen, in denen der Wert unter der magischen Schwelle liegen muss. Für Schulen allerdings gilt eine Ausnahme, für private Treffen eine weitere. Doch dazu später.

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Der Handel

Entscheidend ist der Inzidenzwert für den Landkreis oder die Stadt. Dass das einen gewissen Einkaufstourismus provoziert, etwa, wenn Fürth wegen guter Inzidenzen öffnen, Nürnberg aber wegen schlechter schließen muss, nimmt die Regierung hin. Ministerpräsident Söder verweist darauf, dass dies bei den Ausgangssperren ähnlich gelaufen war. Das Risiko bleibe übersichtlich, weil die Auflagen die Zahl der Kunden ohnehin beschränken.

Wo die Inzidenz über hundert liegt. ändert sich nichts. Die Geschäfte bleiben geschlossen, lediglich Klick and Collect ist erlaubt: Kunden dürfen telefonisch vorbestellte Ware an der Tür abholen. Unter hundert und über 50 ist das so genannte Klick and Meet gestattet: Die Kunden melden sich vorher an; sie bekommen eine feste Uhrzeit zugewiesen, die Händler müssen den Besuch dokumentieren. Pro 40 Quadratmeter Verkaufsfläche darf nur ein Kunde im Geschäft sein.

Bei einer Inzidenz unter 50 dürfen die Geschäfte wieder öffnen, mit den Regeln, die aus dem vergangenen Jahr bekannt sind: FFP2-Maskenpflicht für die Kundschaft, in Läden mit weniger als 800 Quadratmetern Verkaufsfläche maximal eine Person pro zehn Quadratmeter, in den größeren eine pro 20 Quadratmeter.

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Gastronomie und Hotellerie

Einzig die Wirte dürfen etwas hoffen. Wenn am 22. März in ihrem Landkreis oder ihrer Stadt der Inzidenzwert seit mindestens 14 Tagen stabil unter hundert geblieben ist, dürfen sie Gäste im Außenbereich empfangen. Die müssen die Termine vorbuchen. Sitzt mehr als ein Hausstand an einem Tisch, müssen alle einen negativen Schnelltest vorweisen. Lag der Wert 14 Tage unter 50, entfallen Termin- und Testpflicht. Den Innenbereich dürfen sie allerdings weiterhin nicht öffnen. Auch die Hotels bleiben für touristische Gäste geschlossen.

Private Treffen

Liegt die Inzidenz unter hundert, dürfen sich wieder zwei Haushalte mit insgesamt maximal fünf Personen treffen. Jenseits der Schwelle bleibt es bei der bisherigen Regel: Treffen mit nur einer haushaltsfremden Person. Kinder unter 14 Jahren zählen in beiden Fällen nicht. Neu ist, dass bei einer Inzidenz unter 35 sich drei Haushalte mit insgesamt maximal zehn Leuten treffen dürfen. Aktuell schaffen das allerdings nur elf der 96 bayerischen Landkreise und kreisfreien Städte.


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Schulen und Kitas

Für sie gilt ebenfalls eine Ausnahme, eine gewichtige. Auch bei ihnen orientiert sich die Regierung zwar an den Schwellen 100 und 50. Liegt der Wert über 100, gehen alle Klassen in den Distanzunterricht, bis auf die Abschlussklassen. Zwischen 100 und 50 gilt Wechselunterricht für alle. Unter der 50er-Marke kommen zu den Abschluss- alle Grund- und Förderschulklassen in den Präsenzunterricht. Damit sich nicht wiederholt, was in Nürnberg passiert ist, gelten die Regeln jeweils für eine Woche. Springt in der Schulwoche der Inzidenzwert über oder unter eine der magischen Schwellen, ändert sich nichts. Nürnberg hatte deswegen nach nur einem Tag alle wieder nach Hause geschickt.Für die Kitas gelten die bekannten Grenzen: Unter Inzidenz 50 findet Regelbetrieb statt, über 50 wird er eingeschränkt, jenseits der hundert auf Notbetreuung umgeschaltet.

Buchläden, Büchereien

Sie dürfen ab dem 8. März öffnen, ohne Blick auf die Inzidenz. Das gilt ebenso für Archive. Anders als bisher sortiert sie Bayern dem Einzelhandel des täglichen Bedarfs zu. Auch sie müssen die üblichen Hygienevorschriften einhalten: Desinfektion, Maskenpflicht, je ein Kunde auf zehn Quadratmeter Verkaufsfläche bei Geschäften unter 800 Quadratmetern und einer auf 20 Quadratmetern bei größeren Läden.

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Kultur, Museen, Zoos und Tiergärten

Liegt die Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter hundert – nach gängiger Interpretation also mindestens an drei Tagen –, dürfen Museen, Galerien, zoologische und botanische Gärten sowie Gedenkstätten wieder öffnen. Allerdings müssen sie ihren Besuchern feste Termine reservieren, sie für die Kontaktverfolgung registrieren und natürlich die üblichen Hygienemaßnahmen einhalten. Terminvergabe und Kontaktverfolgung entfallen, wenn die Inzidenz stabil unter 50 bleibt.

Theater, Kinos, Konzert- und Opernhäuser bleiben weiter geschlossen. Frühestens ab dem 22. März dürfen sie mit einem Neustart rechnen, und auch das dann nur in Städten und Kreisen, deren Sieben-Tage-Inzidenz mindestens zwei Wochen unter 50 gelegen hat.
Sport im Freien: Bayern lässt in einem ersten Schritt wieder mehr Sport zu, wenn auch nur im Freien. Für Hallen und geschlossene Räume gibt es vorerst keine Freigabe; sie soll frühestens nach dem 22. März erfolgen. Ansonsten orientiert sich der Sport draußen an den bekannten Grenzen: Unter 100 so genannter kontaktfreier Sport mit maximal fünf Leuten aus zwei Haushalten draußen, unter 50 mit bis zu zehn Leuten. Eine Ausnahme gilt auch hier: Sport mit Kindern ist in beiden Fällen möglich mit maximal 20 Teilnehmern, die bis zu 14 Jahre alt sein dürfen.

Testen und impfen

Beides ist für Ministerpräsident Markus Söder der entscheidende Schlüssel in der Pandemie. 100 Millionen Tests hat Bayern bestellt, mehrere Millionen an Schulen verteilt. Geht es nach den regierenden, testen sich die Lehrkräfte zweimal die Woche auf Corona, Schüler über 15 einmal die Woche. Allerdings ist die Lust aufs Testen bei den Lehrkräften bislang wohl eher mäßig. Beim Impfen laufen die Lieferungen mit den Vakzinen allmählich an. Dass sie wie der Impfstoff von Astrazeneca zum Teil liegen bleiben, empört Söder. "Es kann nicht sein, dass die, die wollen, nicht können, und die, die könnten, nicht wollen", sagt er.

Söder will deshalb die Strategie grundlegend ändern. Er will bestimmte Gruppen nicht mehr starr priorisieren und die Dokumentationspflichen verschlanken, damit das Impfen schneller geht. Auch Haus- Betriebs- und Schulärzte sollen zudem spritzen dürfen. Nur so werde "am Ende des Tages auch alles verimpft." Das helfe allen. "Am Ende werden wir im Sommer eine ganz andere Situation haben als noch im Winter", sagt Söder.

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