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Kommentar zu neuen Corona-Beschlüssen: Gewagt und unlogisch

Politik folgt dem Lockdown-Frust, nicht der Vernunft - 04.03.2021 14:20 Uhr

Stimmten Lockerungen zu: Kanzlerin Angela Merkel und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.

02.03.2021 © imago images/Metodi Popow


Stellen Sie sich einen Patienten vor, der eigentlich krankgeschrieben ist, sich aber fit fühlt - und deshalb den Rat des Arztes nicht beachtet, sich doch, bitte, noch zu schonen. Lieber raus ins Freie!

So in etwa wirkt das, was die Politik nun in Sachen Corona beschlossen hat. Es ist eine Kehrtwende der Regierenden. Sie folgen nicht mehr dem Rat der Mediziner, sondern der wachsenden Ungeduld der Bürger.

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Unmut und Frust wachsen

Dort wachsen, sehr verständlich, Unmut und Frust - auch über den Zickzackkurs der Politik. Logisch und vernünftig ist das, was da in der Nacht beschlossen wurde, nur begrenzt. Galt lange eine Inzidenz von 50 als Marke für Öffnungen, wurde sie kürzlich durch die 35 ersetzt. Und nun sind Lockerungen schon unter 100 drin?


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Es ist ein riskanter Kurswechsel. Behalten die Virologen Recht (und das taten sie bisher fast immer), dann wird aus den momentan stagnierenden bis leicht steigenden Infektionszahlen eine dritte Welle, auch wegen der Mutationen.

Was, wenn die Zahlen stark steigen?

Was dann? Wieder zurück in den Lockdown? Da rächt sich, dass die Politik im Spätherbst nicht den Mut für einen wirklich harten Lockdown aufgebracht hat, wie er in anderen Staaten durchaus zu einem deutlichen Sinken der Zahlen führte. Wenn die in den kommenden Wochen aber tatsächlich steigen, dann wäre dies nicht nur, aber auch eine Bankrotterklärung der Corona-Kehrtwende.

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Zu viele Versäumnisse und Pannen erschweren den Weg zu Öffnungen, die ja alle wollen - wenn sie denn vertretbar sind. Schnelltests sollen Voraussetzung für Lockerungen sein - aber es gibt bisher viel zu wenige. Wenn das ähnlich langsam läuft wie bei den Impfungen, drohen Rückschläge und weiterer Frust, weil Erwartungen enttäuscht werden.

Merkel und Söder stehen düpiert da

Düpiert stehen nach der Runde der Ministerpräsidenten und der Kanzlerin die Mahnenden da - allen voran Angela Merkel selbst, gefolgt von Markus Söder. Es kommt zwar nicht der von ihm befürchtete "Öffnungsrausch". Doch die Kanzlerin und der CSU-Chef weichen ab von ihrem bisherigen Kurs, wider besseres Wissen.

Bezeichnend, dass Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer die Öffnungen für "nicht vertretbar" hält. Sachsen hatte im Sommer zu leichtfertig gelockert und musste dann Rekordzahlen im Winter erleben. Kretschmer warnte daher vor „vermeintlich populären Entscheidungen".

Gefährliches Signal: Nun mal locker(n)

Genau die wurden nun getroffen. Mediziner warnen nicht nur vor steigenden Zahlen, sondern auch von dem gefährlichen Signal, das von den Beschlüssen ausgeht: Nun mal locker(n), Corona ist vorbei. Das ist es eben leider nicht. Vorsicht bleibt wichtig, die Eigenverantwortung von uns allen wächst. Gerade wer Lockerungen wünscht, muss Regeln einhalten - sonst ist es im schlimmsten Fall rasch wieder vorbei mit den Lockerungen.

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