Kanzler-Frage der Union: Söder will - und hat klare Vorteile

11.4.2021, 15:45 Uhr
CSU-Chef steht für die Kanzlerkandidatur zur Verfügung, wenn die CDU ihn unterstützt. Das sagte er am Sonntag. 

CSU-Chef steht für die Kanzlerkandidatur zur Verfügung, wenn die CDU ihn unterstützt. Das sagte er am Sonntag.  © TOBIAS SCHWARZ, AFP

Sein Platz ist - in Berlin. Markus Söder steht als Kanzlerkandidat der Union zur Verfügung. Damit endet ein monatelanges Katz- und Mausspiel. Der Nürnberger hat zwar gebetsmühlenartig wiederholt, dass er Ministerpräsident bleiben wolle: "Mein Platz ist in Bayern", sagte er ein ums andere Mal.

Söder beherrscht wie kein zweiter bundesdeutscher Politiker das Taktieren

Entweder hat er gut taktiert oder sich kurzfristig umentschieden: Nun peilt er den Chefsessel im Kanzleramt an. Allerdings ist Söder noch nicht am Ziel - denn auch der CDU-Chef Armin Laschet will Kanzler werden. Das unter der Hand bereits geführte Duell der beiden Unions-Alphatiere ist somit zu einem offiziellen Machtkampf mutiert. Ausgang: offen, wenngleich mit leichten Vorteilen für Söder.

Denn der weiß nur allzu gut, wie ein politischer Zweikampf erfolgreich zu führen ist. Mit bemerkenswerter Ausdauer ist es Söder gelungen, 2018 das CSU-interne Duell gegen seinen Vorgänger Horst Seehofer für sich zu entscheiden. Es war damals ein harter, mit allen Bandagen geführter Machtkampf.


Liveticker zum Nachlesen: Söder erklärt sich zur Kanzlerkandidatur bereit


Insofern gilt es die Aussage Laschets, in der Phase bis zur unionsinternen Entscheidung der K-Frage auf ein gutes Miteinander zu setzen, mit größter Vorsicht zu genießen. Söder beherrscht wie kein zweiter bundesdeutscher Politiker das Taktieren, niemand kann ihm das Wasser reichen, wenn es um das Spinnen von Netzwerken geht.

Noch hat sich kein namhafter Christdemokrat hinter Laschet gestellt

Söder dürfte seine Truppen längst vorbereitet haben und nun vorschicken, die CSU steht ohnehin geschlossen hinter ihm. Laschet hingegen muss erstmal die eigenen Reihen schließen, noch hat kein namhafter Christdemokrat sich hinter den Aachener gestellt. Und Söder hat - ein weiteres Zeichen seines geschickten Vorgehens - höflich bekundet, bereit zu sein. Und für den Fall, dass die CDU ihn nicht wolle, bleibe kein fader Nachgeschmack.

Geschickter geht es nicht: Denn Söder kann weiter warten, der Ball liegt auf dem Spielfeld von Laschet. Und der hat schon mehrfach bewiesen, dass er Fettnäpfchen eher sucht anstatt sie zu meiden. Mit seinem "Ich will" steht Söder in aller Gelassenheit bereit für das wichtigste politische Amt, das die Bundesrepublik zu bieten hat.

Ein zweiter Platz kommt in Söders Denke nicht vor

Offenbar konnten sich die beiden Parteichefs in einem "freundschaftlichen" (Söder) Vier-Augen-Gespräch nicht einigen. Es bleiben jetzt nur wenige Wochen, um den Machtkampf zu entscheiden. Wer Söder kennt, weiß, dass der 54-jährige Umfragekönig voll auf Sieg setzt. Ein zweiter Platz kommt in seiner Denke nicht vor.

Er wird deshalb nichts unversucht lassen, um Laschet aus dem Feld zu schlagen. Söders Satz, dass ihn viele Menschen auch aus der CDU animiert haben, anzutreten, kann durchaus als erste Spitze verstanden werden. Es wird nicht die letzte sein.

In der Vergangenheit war es stets so, dass Söder immer seinen Willen durchsetzen konnte wenn es um seine Zukunft ging. Es deutet deshalb alles auf den Nürnberger als Kanzlerkandidaten der Union hin.

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