Kommentar: Heißt der nächste Kanzler Armin Laschet?

Alexander Jungkunz
Alexander Jungkunz

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16.1.2021, 16:02 Uhr
Führt die CDU ins Super-Wahljahr 2021: Armin Laschet.

Führt die CDU ins Super-Wahljahr 2021: Armin Laschet. © Odd Andersen, afp

Die erste Etappe im Rennen um die Neuverteilung der Macht nach dem absehbaren Ende der Ära Merkel ist gelaufen: Armin Laschet hat als neuer CDU-Chef nun keine schlechten Chancen, auch das Kanzleramt zu erreichen. Zu unterschätzen ist der NRW-Ministerpräsident jedenfalls nicht; das zeigte der Parteitag.

Laschet hielt - anders als seine Mitbewerber - eine packende, bewegende Rede. Er setzte auf den Zusammenhalt der Union. Sein Schlüsselwort: Vertrauen. Mit ein paar Sätzen distanzierte er sich geschickt ab von Konkurrenten: Er sei "nicht der Mann der perfekten Inszenierung", aber eben Armin Laschet - das ging gegen Markus Söder. Und: Deutschland brauche keinen CEO, keinen Vorstandsvorsitzenden also, sondern einen "Mannschaftskapitän, der führt und zusammenführt": Das ging gegen Friedrich Merz, ebenso wie Laschets Absage ans Polarisieren.

Da präsentierte sich einer sehr geschickt als Integrator, als Stabilisator, als Moderator - weniger als Macher, eher als Kümmerer. Nicht die schlechteste Rolle angesichts der tiefen Krise, in der das Land steckt: Den meisten Deutschen sind Stabilität und Sicherheit im Zweifel stets wichtiger als neue Reform-Ansagen.

Das Kapitel Friedrich Merz scheint beendet

Das Kapitel Friedrich Merz ist nun wohl endgültig beendet. Nach seiner zweiten Niederlage hat der 65-Jährige, der sich erstaunlich blass präsentierte, keine Comeback-Chance mehr. Warum sich viele an der Basis Merz wünschten, ist allenfalls mit der Sehnsucht nach einer heileren, übersichtlicheren, konservativeren Welt zu verstehen, aus der Merz kommt und in der er seine letzten politischen Erfahrungen sammelte - aber das ist eben fast 20 Jahre her, in denen sich nicht nur Deutschland gewaltig verändert hat.


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Bizarr, dass sich Merz in einem Anflug von Größenwahn unmittelbar nach seiner Niederlage als Wirtschaftsminister aufdrängt und am liebsten heute noch ins Kabinett wechseln möchte: Es ist immer noch die Kanzlerin, die ihre Ressortchefs auswählt - und bei Merkel hat Merz nach wie vor schlechte Karten. Ein Revirement ist da nicht in Sicht, zumal der aktuelle Ressortchef Peter Altmaier zu Merkels engsten Vertrauten zählt.

Röttgen benannte als einziger die Defizite der CDU

Norbert Röttgen schlug sich wacker. Er war der einzige, der die inhaltlichen Defizite der CDU ansprach: Weiblicher, jünger, digitaler müsse die Partei werden, neue Themen und neue Milieus gelte es zu erschließen. Das ist alles richtig, wie nicht nur der Blick auf die drei Kandidaten zeigt - aber gerade in einem Jahr voller Wahlen setzt da nicht nur die CDU andere Prioritäten.

Eben das Erobern von Mehrheiten. Das dürfte mit Laschet weit besser gelingen als mit Merz, der vielleicht manche enttäuschten Konservativen von der (ohnehin schrumpfenden) AfD zurückgeholt, aber wohl ungleich mehr Mitte-Wähler verloren hätte. Eine spannende Frage ist ja: Was wählen diejenigen, die momentan wegen Angela Merkel die Union unterstützen, wenn die ewige Kanzlerin nun bald wirklich weg ist?

Laschet regiert in NRW aktuell mit der FDP, er hat aber auch - anders als Merz - keinerlei Berührungsängste gegenüber den Grünen. Schwarz-Grün lautet aktuell auch die gängigste Koalitions-Prognose für den Herbst.

Laschets Popularität dürfte steigen

Mit welchem Kanzlerkandidaten? Spannende, nach wie vor offene Frage. Laschet hat nicht zuletzt mit seiner Rede gezeigt, was ihm zuvor wenige zugetraut hatten: dass er Menschen berühren und zusammenbringen kann. In der Regel steigt die Popularität neuer Parteivorsitzender. Mit Laschet ist also zu rechnen - auch in der K-Frage.

Jens Spahn, der im Tandem mit Laschet antrat, leistete sich mit seinem seltsamen Statement nach den Kandidaten-Reden einen Schnitzer: Sein Werbeblock für Laschet war ein Fauxpas. Das zeigte seine Schlappe bei den Vorstandswahlen.

Söder kokettiert mit der Kandidatur - im Scherz

Und Markus Söder? Er kokettierte am Vorabend der Vorsitzenden-Wahl mit der Kandidatur - mit einem seiner üblichen Scherze: Als er gefragt wurde, ob er da bei seiner Video-Botschaft an die Delegierten eine CDU-Tasse neben sich stehen habe, sagte er, so weit sei man noch nicht. "Aber wenn ein Angebot der CDU an mich kommt, dann werden wir das natürlich entsprechend gewichten."

Ob so ein Angebot aber tatsächlich kommt, das hängt stark von den Umfragen ab - und also vor allem davon, wie sich die Akteure in der Corona-Krise schlagen. Wenn Laschet keine großen Fehler macht, hat er den ersten Zugriff. Söders Stunde schlägt nur dann, wenn ihm als einzigem aller Kandidaten zugetraut wird, mit der Union die Wahl zu gewinnen.

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