Psychoanalyse

Was bedeutet "Daddy Issues"? Und wieso ist der Begriff problematisch?

Simone Madre

SEO-Redakteurin

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1.2.2023, 08:29 Uhr
"Daddy Issues" ist der englische Begriff für das psychoanalytische Konzept "Vaterkomplex" oder auch "Elektrakomplex".

© imago images/imagebroker, NN "Daddy Issues" ist der englische Begriff für das psychoanalytische Konzept "Vaterkomplex" oder auch "Elektrakomplex".

Der englische Ausdruck "Daddy Issues" (übersetzt "Vaterprobleme") kursiert bereits seit geraumer Zeit im Internet. Ob als Lied wie "Daddy Issues" von der amerikanischen Rockband The Neighbourhood oder als gern verwendete Diagnose auf den sozialen Medien - ist man unterwegs im Netz, wird man immer wieder mit dem Begriff konfrontiert.

Die Bedeutung von "Daddy Issues"

"Daddy Issues" ist der englische Begriff für das psychoanalytische Konzept "Vaterkomplex" oder auch der "Elektrakomplex". Umgangssprachlich wird er für alle Arten einer komplizierten Vaterbeziehung und deren Auswirkungen verwendet. Wenn man also sagt, jemand habe Daddy Issues, meint man damit, die Beziehung zum Vater sei nicht gesund und habe die Person negativ beeinflusst.

Meist geht es um distanzierte Väter oder zerrüttete Beziehungen, aber auch auch bei einer ungesund innigen oder toxischen Beziehung zum Vater spricht man von Daddy Issues. Eigentlich geht es beim dahinterstehenden Elektrakomplex um die Vater-Tochter-Beziehung, umgangssprachlich wird der Begriff aber für jegliches Geschlecht des Kindes verwendet.

Oft und gern wird der Komplex verwendet, wenn zum Beispiel eine Frau einen deutlichen älteren Partner hat. Den Personen wird dann unterstellt, dass sie mit ihren Beziehungen das problematische Verhältnis zu ihren Vätern kompensieren möchten. Flapsig diagnostizieren Personen vor allem weiblich gelesene Menschen mit einem Mangel an Liebe und Aufmerksamkeit in der Kindheit. Dieser Trend verinnerlicht sich auch oft. Es finden sich zahlreiche Beiträge im Netz, in welchen Menschen ihre "Daddy Issues" festhalten.

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inner daddy issues screaming

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Was ist der Elektrakomplex?

Die Theorie des Schweizer Psychiaters Carl Gustav Jung beschreibt eine sehr starke Bindung einer Tochter an ihren Vater und die gleichzeitige Ablehnung der Mutter. Der Begriff existiert als Gegenstück zu Sigmund Freuds Ödipuskomplex. Der Name kommt von der griechischen Sagenfigur Elektra, die ihrem Bruder dabei hilft, ihre Mutter und ihren Stiefvater zu ermorden. Damit will sie sich daran rächen, dass die beiden ihren Vater umgebracht hatten.

Warum ist der Begriff "Vaterkomplex" umstritten?

Jedoch ist der Elektra- und auch der Ödipuskomplex bereits lange und auch viel umstritten, denn das Narrativ strotzt vor Sexismus und Mythen, berichtet das familie.de. "Darin steckt einfach sehr viel Sexismus", erklärt Sexualtherapeutin Julia Henchen im Gespräch mit dem Magazin. Das Wort "Vaterkomplex" weise nämlich Frauen die Schuld zu, dabei ist die fehlende Bindung eines Vaters an seine Kinder ein Problem des Elternteils und nicht des Kindes. Frauen werden dadurch einer "Schuld" oder einer "Opferrolle" zugewiesen, so das Magazin.

Korrekterweise müsste der Begriff also Bindungstrauma sein. Denn: "Das kann auch eine Abwesenheit oder fehlende Bindung von beiden Eltern oder Bindungspersonen sein, die nicht Mutter oder Vater sind. Auch wer bei der Oma oder dem Opa aufwächst, kann ein Bindungstrauma erleben bzw. eine Bindungsproblematik haben. Das betrifft definitiv nicht nur Frauen", so Henchen gegenüber familie.de.