Psychologie

Narzissmus: Definition und Verhaltensmuster einer Persönlichkeitsstörung

12.7.2022, 11:44 Uhr
Ohne eine Therapie ist es für Narzissten kaum möglich, ein normales Leben zu führen. (Symbolbild)

© MabelAmber, Pixabay, LizenzCC Ohne eine Therapie ist es für Narzissten kaum möglich, ein normales Leben zu führen. (Symbolbild)

Narzissmus ist eine Persönlichkeitsstörung, mit der man meist besonders selbstverliebte Egomanen in Verbindung bringt. Aber wie tickt ein Narzisst wirklich, was sind die typischen Verhaltensmuster und woran erkennt man, dass man eben kein Narzisst ist?

Narzissmus: Definition

Der Narzissmus bezeichnet eine Persönlichkeitsstörung in der Psychologie, die eine übersteigerte Selbstverliebtheit beschreibt. Die Störung geht auf einen Mythos des römischen Dichters Ovid zurück. Dieser beschrieb einen Mann namens Narziss, der viele Verehrerinnen hatte, die ihn jedoch nicht interessierten, da er nur von sich selbst fasziniert war. Als er sein Spiegelbild im Wasser erblickte, verliebte er sich direkt und konnte sich fortan nicht mehr von dem Bild abwenden. Er starb an seiner unerfüllten Liebe, anstelle seines Leichnams fand man nur eine gelbe Blume - die Narzisse.

In der Psychologie assoziiert man die folgenden Eigenschaften mit dem Narzissmus:

1. Großartigkeit (Verhalten und Fantasie)

2. Mangel an Empathie

3. Bedürfnis nach Bewunderung

Dazu kommen Dominanzverhalten, Selbstüberschätzung und enorme Empfindlichkeit gegenüber Kritik.

Narzisstische Persönlichkeitsstörung

Einige narzisstische Anteile tragen alle Menschen in sich. Dazu gehören wichtige und auch vorteilhafte Eigenschaften wie Selbstbewusstsein sowie eine gewisse Selbstbezogenheit. Diese ermöglichen es den Menschen, die eigenen Wünsche und Ziele wahrzunehmen, sich durchzusetzen und Erfolge zu erzielen. Wenn aber bestimmte Persönlichkeitseigenschaften in Kombination auftreten, führen diese zum typischen Verhalten eines Narzissten. Man spricht dann von einem Persönlichkeitsstil. Dieser wird vor allem in zwischenmenschlichen Beziehungen deutlich.

Narzissten sind in der Gesellschaft häufig anerkannt und erfolgreich. Wenn ihr Narzissmus jedoch das Ausmaß einer Persönlichkeitsstörung annimmt, haben es die Betroffenen schwierig. Denn ihr eigenes Verhalten weicht stark von den Erwartungen ihres Umfelds ab. Diese Persönlichkeitsmerkmale führen zu starken Beeinträchtigungen sowohl im sozialen Umfeld als auch im Beruf.

Somit ist die Abgrenzung zwischen Narzissmus und einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung wichtig - der Übergang hingegen ist fließend.

Was ist ein Narzisst?

Wenn die Ausprägung des Persönlichkeitsstils eines Individuums derart extrem ist, dass dabei die Lebensqualität beeinträchtigt wird, es zu (subjektivem) Leid oder häufigen Konflikten mit der Umwelt führt, spricht man von einer Persönlichkeitsstörung.

Um die klinische Diagnose zu stellen, müssen folgende Kriterien erfüllt sein:

1. Die Person leidet unter sich selbst

2. Ethisch bedenkliche Handlungen des Betroffenen lassen sich mit der Persönlichkeit der Narzissten begründen

3. Es besteht ein begründetes Risiko für die Entwicklung einer substanziellen psychischen Störung

Obwohl häufig von "dem" Narzissten die Rede ist, tritt Narzissmus nicht nur beim männlichen, sondern auch beim weiblichen Geschlecht auf. Schätzungen zufolge sind 70 Prozent der Narzissten Männer.

Ursachen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung

Die Ursachen für Narzissmus liegen meist in den Kindheitserfahrungen. Verhaltenstherapeuten identifizieren als mögliche Ursachen Vernachlässigungen, fehlende emotionaler Wärme in der Familie, ein zu starker Fokus auf die Leistungen und fehlende Anerkennung in der Erziehung. Aber auch eine materielle Verwöhnung oder unzureichende Grenzen können eine narzisstische Persönlichkeitsstörung begünstigen.

Bei Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung wurde in der Kindheit häufig das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Zuwendung nicht oder nur unzureichend erfüllt. Teilweise erfolgte die Belohnung nur bei bestimmten Leistungen. Betroffene wurden nicht wertgeschätzt, sondern standen in ihrer Kindheit bereits häufig unter einem enormen Druck. Bei Schwäche oder Misserfolg wurden die späteren Narzissten abgelehnt, ignoriert oder sogar bestraft. Häufig wurde in den Familien auch nicht über Gefühle und Bedürfnisse gesprochen, den Kindern mangelte es an Zuwendung, Nähe und emotionaler Wärme. Häufig haben narzisstische Menschen zumindest ein Elternteil, welches selbst übermäßig selbstverliebt war.

Narzisst-Definition: Was bedeutet Narzisst?

Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung geht mit einem extremen Bedürfnis nach Anerkennung und Aufmerksamkeit einher. Meist stehen hinter dem selbstverliebten Auftreten Leid, Schmerz und ein eigentlich schwaches Selbstwertgefühl des Betroffenen. Die eigene Selbstverliebtheit ist für Betroffene Ausdruck des Gefühls der inneren Leere. Narzisstische Menschen sind auf die Anerkennung anderer Menschen angewiesen. Durch die Aufwertung der eigenen Person versuchen Narzissten, ihre negativen Gefühle zu verdrängen.

Anzeichen eines Narzissten:

- Bedürfnis nach Bewunderung
- Übermäßige Selbstbezogenheit
- Selbstidealisierung und Arroganz
- Streben nach Dominanz
- Mangel an Einfühlungsvermögen
- Rastlosigkeit und Ungeduld
- Überempfindlichkeit bei Kritik

Betroffene nehmen sich somit übermäßig wichtig wahr. Dazu glauben Narzissten, besonders einzigartig zu sein und nur von bestimmten Personen verstanden zu werden. Somit erwarten sie von anderen Menschen eine übermäßige Bewunderung und wollen automatisch bevorzugt behandelt werden. Narzisstische Menschen nutzen oftmals andere Menschen aus, um ihre eigenen Ziele zu erreichen.

Leider sind die Narzissmus-Symptome nicht immer eindeutig, häufig zeigen Betroffene ihre Persönlichkeitsmerkmale nicht offen.

Narzisst in der Beziehung

Insbesondere bei engen Bindungen werden die Auswirkungen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung besonders deutlich. In Partnerschaften wird häufig von "narzisstischen Missbrauch" gesprochen. Der Narzisst zerstört häufig das Selbstwertgefühl der Beziehungspartner, sodass diese anderen Menschen nur noch schwer vertrauen können. Dennoch verlieben sich Menschen schnell in Narzissten, da diese nicht selten faszinierend auftreten.

Nicht grundlos wird Narzissmus von einigen Therapeuten auch als Beziehungsstörung interpretiert. Die dauerhafte Suche nach Bestätigung und die Dominanz erschweren es den Narzissten, aufrichtige und langfristige Beziehungen einzugehen. Aus einer solchen Beziehung zu entkommen ist nicht leicht. Unterstützung dabei können Bücher anbieten, wie zum Beispiel "Narzissmus in Beziehungen" von Sophie SchillingAnzeige.

Die folgenden Schwierigkeiten können im Miteinander auftreten:

- Der Narzisst muss immer im Mittelpunkt stehen
- Es muss immer nach den Wünschen des Narzissten gehen
- Der Narzisst muss immer der Bessere sein
- Kritik wird nicht angenommen
- Narzissten meiden Nähe und sprechen nicht gerne über Gefühle
- Unehrlichkeit
- Beziehungspartner fühlen sich häufig ausgenutzt

Woran erkennt man, dass man kein Narzisst ist?

Ein Mensch mit lediglich narzisstischer Persönlichkeitsausprägung ist charmant, ehrgeizig, selbstsicher, überzeugend und engagiert. Dagegen ist ein krankhafter Narzissmus durch Eigenschaften wie Arroganz, Rücksichtslosigkeit, Intoleranz, Ausbeutung, Verletzung und Manipulation geprägt.

An diesen Eigenschaften erkennt man, dass man kein Narzisst ist. Man kann:

- sich für andere Menschen freuen
- Hilfe annehmen
- gut zuhören
- eigene Fehler eingestehen
- Verantwortung abgeben

Wann ist der Narzisst am Ende? Gebrochener Narzisst

Der Zusammenbruch eines Narzissten folgt, wenn der Narzisst seine Krankheit nicht einsieht und eine Therapie verweigert.

Ein Narzisst ist am Ende, wenn er allein dasteht. Mit seinem egoistischen Verhalten, seiner fehlenden Empathie und der mangelnden Wertschätzung vergraulen Menschen mit Narzissmus häufig andere in ihrer Umgebung. Das Verhalten kann toxisch und respektlos sein. Ein Narzisst bricht dann zusammen, wenn beruflich und sozial alles schief läuft und sich die Menschen mit der Zeit von ihm distanzieren. Wenn der Narzisst keine Therapie macht und sich vollständig isoliert, verbaut er sich die Chance auf ein glückliches Leben und gesunde Beziehungen.

Ohne eine Therapie ist es für Narzissten kaum möglich, ein normales Leben zu führen. In der Therapie lernt der Betroffene, wie er sich selbst akzeptieren und wertschätzen kann, ohne anderen Menschen zu schaden oder Bestätigung zu suchen. Der Therapeut zeigt dem Betroffenen, wie er sein Selbstwertgefühl steigern und sich wahrhaftig akzeptieren kann.

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