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Was sind Misanthropen und wie erkennt man sie?

Simone Madre
Simone Madre

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1.2.2023, 12:36 Uhr
Der Detektiv Sherlock Holmes, hier dargestellt von Richard Bargel, ist ein bekannter fiktiver Misanthrop.

© IMAGO / Future Image Der Detektiv Sherlock Holmes, hier dargestellt von Richard Bargel, ist ein bekannter fiktiver Misanthrop.

Die Abneigung der Misanthropen richtet sich nicht gegen einzelne Individuen, sondern gegen alle Menschen. Zum Thema "Misanthropie" gibt es unzählige spannende Fragen: Wie erkennt man einen Misanthropen? Was sind die Ursachen für die Menschenfeindlichkeit? Sind Misanthropen wirklich intelligenter und welche berühmten Misanthropen gibt es? Hier gibt es alle Antworten plus einen Selbsttest, um herauszufinden, wie viel Misanthrop in Ihnen steckt.

Misanthrop und seine Bedeutung: Was ist ein Misanthrop?

Misanthropie (vom Altgriechischen Wort μισεῖν für "hassen, ablehnen" und dem Wort ἄνθρωπος für "Mensch") bezeichnet die Sichtweise einer Person, die Menschen ablehnt. Ein Misanthrop ("Menschenfeind", "Menschenhasser") ist demnach eine Person, die andere Menschen nicht wirklich leiden kann oder sogar hasst. Misanthropie ist eine Geisteshaltung und keine Handlungsweise, sodass ein Misanthrop weder aggressiv noch gewalttätig oder arrogant sein muss. Die Ablehnung zeigt sich auch nicht in jeder Handlung oder Entscheidung. Somit können Misanthropen durchaus hilfsbereit sein, haben oftmals aber schlechte Erfahrungen damit gemacht.

Ist Misanthropie eine Krankheit?

Nein, Misanthropie ist keine Krankheit wie beispielsweise eine soziale Phobie. Vielmehr handelt es sich um eine innere Überzeugung oder Geisteshaltung. Bei extremen Fällen der Abneigung gegen andere Menschen führt diese zum Einsiedlerdasein und löst sich damit von der Misanthropie ab. Diese soziale Isolation wird als "pathologische (krankhafte) Menschenscheu" bezeichnet, bei der trotz dem Wunsch nach Nähe diese nicht erreicht werden kann.

Was ist das Gegenteil eines Misanthropen?

Das Gegenteil eines Misanthropen ist der sogenannte "Philanthrop" (Menschenfreund). Das Misanthrop-Gegenteil äußert sich durch menschenfreundliches Denken und Verhalten. Philanthropen lieben die gesamte Menschheit, weshalb auch von einer "allgemeinen Menschenliebe" gesprochen wird. Im Gegensatz zur Misanthropie zeigt sich die Philanthropie auch stark in Handlungsweisen. Der Begriff stammt aus der Antike und bezeichnete schon damals eine großzügige wohlwollende Einstellung von mächtigen oder reichen Menschen gegenüber wirtschaftlich schwachen Mitbürgern – beispielsweise durch soziales Engagement.

Misanthropie: Das sind die Ursachen

Eine Misanthropie entsteht nicht schon bei der Geburt und auch nicht einfach so über Nacht. Eine Abneigung gegenüber Menschen im Allgemeinen ist oftmals auf verschiedene Ursachen zurückzuführen, die über die Zeit diesen Hass geschürt haben.

  • Schlechte Erfahrungen: Ein häufiger Grund sind tatsächliche, schlechte Erfahrungen mit anderen Menschen. Diese Erfahrungen können in der Kindheit, Jugend oder im Erwachsenenleben und im privaten oder beruflichen Umfeld entstanden sein. Nach einer Pauschalisierung bezieht man die schlechten Erfahrungen auf Menschen im Allgemeinen. Wächst man in einem schlechten Umfeld auf, kennt man möglicherweise aber tatsächlich keine Menschen, mit denen man viel Gutes verbindet.
  • Pessimismus: Ein pessimistisches Weltbild und der Eindruck, zu den Verlierern der Gesellschaft zu gehören, begünstigen die Entwicklung einer misanthropischen Einstellung.
  • Traumatische Erlebnisse: Auch Traumatisierungen, die durch andere Menschen ausgelöst wurden, können eine Misanthropie bedingen.
  • Überhöhte Erwartungen an die Menschheit: Genauso können überhöhte, idealisierte Erwartungen an alle Menschen, die sich nicht oder nur schwer erfüllen lassen, Misanthropie auslösen oder verstärken.

Woran erkennt man einen Misanthropen?

Einen Misanthropen zu erkennen, ist gar nicht so einfach. Je länger der Kontakt zu den Menschen besteht, desto besser kann man beurteilen, was dieser über andere Menschen denkt.

Aber wie sieht es mit Ihnen aus? Hier gibt es einen Selbsttest, um herauszufinden, wie viel Misanthrop in jedem von uns steckt. Dazu müssen Sie lediglich die Punkte der Aussagen zusammenzählen, denen Sie zustimmen würden. Am Ende des Tests gibt es eine Auflösung und Einschätzung zu der jeweiligen Gesamtpunktzahl.

1.

  • Ich liebe alle Menschen. Ich glaube, dass in jedem Menschen etwas Gutes steckt. (0 Punkte)
  • Ich kenne gute und schlechte Menschen, man muss nur genau hinsehen. (1 Punkt)
  • Alle Menschen sind schlecht und es gibt keine guten Menschen. Jeder, der etwas anderes behauptet, läuft naiv durch die Welt. (2 Punkte)

2.

  • Ich liebe Menschen und Tiere. (0 Punkte)
  • Tiere können dem Menschen viel Liebe geben, Menschen können diese Liebe aber nur begrenzt zurückgeben. (1 Punkt)
  • Tiere sind mir grundsätzlich lieber als Menschen. (2 Punkte)

3.

  • Es gibt sehr viele gute Menschen auf der Welt, die anderen helfen und beispielsweise Geld spenden oder sich ehrenamtlich für andere Menschen einsetzen (0 Punkte)
  • Die Welt ist verbesserungswürdig, aber ich finde, dass jeder etwas dazu beitragen kann. Erst dann wird die Welt zu einem besseren Ort. (1 Punkt)
  • Je eher die Menschheit zugrunde geht, desto besser ist es für die Erde. Danach kann sie sich wieder erholen. (2 Punkte)

4.

  • Wenn ich an Menschen denke, habe ich prinzipiell ein gutes Gefühl. (0 Punkte)
  • Ich habe kein bestimmtes Gefühl, wenn ich an Menschen denke. (1 Punkt)
  • Ich habe ein schlechtes Gefühl, wenn ich an Menschen denke. (2 Punkte)

5.

  • Ich liebe es mit Menschen zu arbeiten und setze mich auch in meiner Freizeit ehrenamtlich für Bedürftige ein. (0 Punkte)
  • Ich arbeite zwar gerne allein, aber ich kann auch gut im Team arbeiten. (1 Punkt)
  • Ich möchte beruflich auf keinen Fall etwas mit Menschen machen. Am liebsten habe ich einen Beruf, bei dem ich ganz für mich allein sein kann. (2 Punkte)

6.

  • Ich liebe es, Menschen kennenzulernen und finde jedes Mal neue Freunde. (0 Punkte)
  • Ich habe lieber fünf gute Freunde als 50 Bekannte. (1 Punkt)
  • Ich habe nur wenig Kontakte und die einzigen guten Menschen sind meine Freunde. Wir teilen alle die gleiche Ansicht über die Menschheit. (2 Punkte)

    Hier gibt es die Auflösung:

    • 0 bis 5 Punkte: Sie sind kein Misanthrop, sondern vielmehr ein Philanthrop. Manchmal sind Sie vielleicht sogar ein bisschen zu optimistisch oder idealistisch und sehen die Welt mit Scheuklappen. Dafür sehen Sie aber immer das Gute in allen Menschen und haben eine positive Ausstrahlung.
    • 6 bis 10 Punkte: Sie sind ein klassischer Realist. Es gibt einige Dinge, die Sie kritisieren, aber Sie tun selbst etwas dagegen im Rahmen Ihrer Möglichkeiten. Gleichzeitig sehen Sie auch viele Verbesserungsmöglichkeiten im menschlichen Handeln.
    • Mehr als 10 Punkte: Bei einer Punktzahl von mehr als zehn Punkten müssen Sie sich wohl eingestehen, dass Sie ein Misanthrop sind oder dem zumindest nahekommen. Sie umgeben sich nur mit wenigen Menschen, die ihre Meinung zur Menschheit teilen und sehen hauptsächlich das Schlechte in der Menschheit. Die Einstellung macht das Leben leider wesentlich deprimierender und auch schwieriger, als es sein müsste. Stattdessen könnten Sie versuchen, Dinge positiv zu sehen.

    Was kann man gegen Misanthropie tun?

    Um eine misanthropische Einstellung zu verändern, braucht man dazu grundsätzlich den Willen, Ausdauer und Zeit. Dabei muss man allerdings nicht gleich zum Philanthropen werden. Ein wenig mehr Sympathie und Offenheit anderen Menschen gegenüber kann ein erster Schritt in die richtige Richtung sein. Mit diesen Tipps kann man an seiner Einstellung arbeiten:

    • Geduld haben: Neue Denkweisen und Gewohnheiten brauchen Zeit
    • Verantwortung für sein eigenes Leben übernehmen: Nicht anderen Menschen die Schuld geben
    • Sich mit positiven Menschen umgeben: Diese spenden Inspiration und Kraft
    • Selbstwertgefühl stärken: Erfolgserlebnisse schaffen
    • Positive Erfahrungen mit anderen Menschen sammeln und schöne Momente gemeinsam erleben

    Berühmte Misanthropen

    Vielen Menschen sind die folgenden Kunstfiguren bekannt, die man als Misanthropen bezeichnen kann:

    Auch den deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer und den englischen Schriftsteller Mark Twain kann man als Misanthropen bezeichnen. Beide standen der Menschheit negativ gegenüber. Twain schrieb beispielsweise: "All das Gerede über Toleranz, wo und wann auch immer, ist schlichtweg eine sanfte Lüge. Es gibt sie nicht." Schopenhauer schätzte seine Pudel mehr als seine Mitmenschen und schrieb: "Woran sollte man sich von der endlosen Verstellung, Falschheit und Heimtücke der Menschen erholen, wenn die Hunde nicht wären, in deren ehrliches Gesicht man ohne Misstrauen schauen kann?"

    Sind Misanthropen intelligenter?

    Mürrische, zynische Menschen werden in Büchern und Filmen oft als besonders intelligent dargestellt, beispielsweise der Ermittler Sherlock Holmes oder der Arzt Dr. House. Somit wird angedeutet, dass besonders kluge Menschen, die alles analysiert und durchschaut haben, die Welt nur hassen können.

    Zu dem Thema gibt es wenige wissenschaftliche Daten. Eine Studie aus dem Jahr 2016 besagt, dass durchschnittlich und unterdurchschnittlich intelligente Menschen glücklicher sind, wenn sie viel Zeit mit Familie und Freunden verbringen. Bei überdurchschnittlich schlauen Menschen sei jedoch das Gegenteil der Fall. Die Forscher vermuten, dass sich Hochintelligente bei solchen Treffen schnell langweilen und sich unterfordert fühlen. Das ist aber wie gesagt nur eine Vermutung.

    Sicherlich gibt es unter den Misanthropen beides: Menschen mit einem hohen IQ und Menschen mit einem niedrigen - die in ihrem Leben schlechte Erfahrungen gemacht haben und nun ein negatives Weltbild aufweisen.

    Welche Sprüche und Zitate gibt es zur Misanthropie?

    Diese Sprüche und Zitate passen zu der misanthropischen Einstellung:

    1. "Nichts bist Du, nichts ohne die andern. Der verbissene Misanthrop braucht die Menschen, doch auch nur, um sie zu verachten." – Marie von Ebner-Eschenbach
    2. "Der Misanthrop hasst alle – bis auf einen, den er nicht kennt – der Philanthrop schließt von seiner Liebe nur jene aus, die er kennt." – Emanuel Wertheimer
    3. "Die angenehmsten Menschen sind jene, die nie gelebt haben." – Edgar Allan Poe
    4. "Ich hasse Menschen nicht. Ich fühle mich einfach besser, wenn sie nicht in der Nähe sind." – Edgar Allan Poe

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