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Kann man trotz Pille schwanger werden?

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27.5.2024, 15:07 Uhr
Trotz Pille schwanger sein? Ist das möglich und wie kann man es erkennen?

© IMAGO / Design Pics Trotz Pille schwanger sein? Ist das möglich und wie kann man es erkennen?

In diesem Artikel:

Seit den 1960er-Jahren verhüten Millionen Frauen mit der kleinen Tablette, um sich vor einer ungewollten Schwangerschaft zu schützen. Sogar die sinkende Geburtenrate ab etwa 1965 ist gemeinhin als Pillenknick bekannt, obwohl es dafür auch andere Faktoren gab. Immer wieder hört man von Fällen, in denen Frauen schwanger geworden sind – und das, obwohl sie mit der Pille verhüten. Aber stimmt das? Kann man auch trotz Pille schwanger werden?

Die Antibabypille erfreut sich großer Beliebtheit, da sie als Verhütungsmittel sehr verträglich ist und eine sehr hohe Sicherheit verspricht. Tatsächlich bietet die Pille aber auch keine 100-prozentige Garantie auf Verhütung. Wie bei allen anderen Verhütungsmitteln gibt es auch bei der Pille eine Fehlerquote. Allerdings ist diese Quote bei der Pille sehr gering.

Mit dem sogenannten Pearl-Index wird beschrieben, wie sicher ein Verhütungsmittel ist. Je geringer die Zahl, desto höher wird der Verhütungsschutz eingestuft. Bei der Pille liegt der Pearl-Index zwischen 0,1 (eine Frau von 1000 wird pro Jahr schwanger) und 0,9. Ein Pearl-Index von 1 würde bedeuten, dass von 100 Frauen, die mit der Pille ein Jahr lang verhüten, eine ungewollt schwanger wird.

Wenn die Antibabypille korrekt eingenommen wird, hat sie somit eine Erfolgsquote von 99 Prozent oder höher. Damit eignet sie sich für eine kontinuierliche Schwangerschaftsverhütung ohne zusätzliche Maßnahmen. Einen hundertprozentigen Verhütungsschutz gibt es übrigens bei keinem Verhütungsverfahren, nicht einmal bei einer Sterilisation.

Auch die Mikropille und Minipille gelten mit einem Pearl-Index von 0,5 bis 3 als weitgehend sicher. Hier muss man in der Regel aber genauer auf den Einnahmezeitpunkt achten, damit das Präparat wirkt. Zudem gibt es in der Regel keine Einnahmepause. Es kommt auf die genauen Inhaltststoffe an, deshalb sollte man den Beipackzettel genau lesen. Eine zu späte Einnahme führt eher als bei der Standardpille dazu, dass der Verhütungsschutz nicht mehr greift und man vorerst anders verhüten muss.

Bei allen Formen der Pille ist die richtige Anwendung wichtig. Es gibt verschiedene Einnahmefehler, die die Wirksamkeit beeinträchtigen. Mehr dazu lesen Sie im nächsten Absatz.

Es gibt einige Faktoren, die die Wirksamkeit der Pille beeinträchtigen können und das Risiko einer Schwangerschaft erhöhen. Dazu gehören Einnahmefehler, aber auch Krankheiten:

  1. Pille vergessen: Es kann schon passieren, dass man die Pille vergisst oder nicht rechtzeitig einnimmt. Diese Einnahmefehler erhöhen das Risiko, dass man trotz Pille schwanger wird. Das Präparat hat nämlich nur eine begrenzte Wirkungsdauer und muss daher täglich eingenommen werden - und zwar am besten zur gleichen Tageszeit. Ein Handyalarm kann helfen, an die Pilleneinnahme zu denken. Die Einnahme empfiehlt sich zudem eher morgens oder mittags, damit die Pille noch rechtzeitig nachgenommen werden kann, wenn man den Alarm überhört oder die Einnahme trotz Erinnerung vergisst. Wichtig ist auch, bei der Methode "21 + 7" die Einnahmepause nicht ungewollt zu verlängern. Nach 21 Tagen Pille und maximal sieben Tagen Pause muss man wieder einsteigen.
  2. Magen- und Darmprobleme: Wenn Frauen krank sind und an Durchfall oder Erbrechen kurz nach der Pilleneinnahme leiden, werden die Hormone oftmals direkt aus dem Körper gespült. Für die gewünschte Wirkung der Pille verblieb keine Zeit. Wie man in diesem Fall reagieren sollte, steht in der Packungsbeilage oder kann beim Frauenarzt erfragt werden.
  3. Einnahme anderer Medikamente: Wenn man zusätzlich zur Pille noch weitere Medikamente einnimmt, sind Wechselwirkungen möglich. Bestimmte Medikamente wirken sich auf die Pille aus, indem sie beeinflussen, wie gut der Körper Hormone aufnehmen kann. Dies ist insbesondere bei Antibiotika der Fall, da diese bestimmte Funktionen des Körpers unterbinden, damit die Entzündung (zum Beispiel eine Blasenentzündung) im Körper abklingen kann. Allerdings wird dadurch auch die Aufnahme der Hormone gedämpft, sodass man trotz Pille schwanger werden kann. Ähnliches gilt sogar für einige pflanzliche Wirkstoffe wie Johanniskraut. Auch Beruhigungs- und Schmerzmittel sowie Cholesterin- und Blutdrucksenker können problematisch sein. Am besten informieren Sie sich genau bei Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt über mögliche Wechselwirkungen.
  4. Chronische Erkrankungen/Untergewicht: Auch bei chronischen Erkrankungen wie beispielsweise Morbus Crohn oder Mukoviszidose wird der Stoffwechsel beeinträchtigt, was sich wiederum auf die Wirkweise der Antibabypille auswirken kann. Bei Frauen, die stark untergewichtig sind, kann der Körper die Wirkstoffe aus der Pille oftmals ebenfalls nicht richtig aufnehmen und verarbeiten. In beiden Fällen sollte man eine Ärztin oder einen Arzt konsultieren und besprechen, wie man sich am besten gegen eine ungewollte Schwangerschaft schützt.
  5. Falsche Lagerung: Auch kann eine falsche Lagerung der Pille die Wirksamkeit verringern. Wird die Pille zu warm gelagert (hierfür reichen schon 26 Grad), kann dies Auswirkungen auf den Wirkstoff haben. Daher sollte die Pille immer kühl, trocken und dunkel aufbewahrt werden. Tipp: Im Hochsommer kann man die Pille im Kühlschrank lagern.

    Wenn man trotz Pille schwanger wird, verändert sich der Körper. Diese Schwangerschaftsanzeichen können unauffällig sein oder deutlicher auftreten. Das Ausbleiben der Blutung ist nicht immer ein klares Indiz für eine Schwangerschaft. Denn auch die regelmäßige Einnahme der Antibabypille kann den Zeitraum verschieben oder sogar für ein Ausbleiben der Blutung sorgen.

    Übrigens: Die Blutung während der Pillenpause ist keine normale Menstruationsblutung, sondern eine Abbruchblutung. Sie ist in der Regel kürzer und schwächer und auch mit weniger Schmerzen verbunden. Durch die Pille wird weniger Gebärmutterschleimhaut aufgebaut und teilweise auch der Eisprung verhindert. In der Pillen- und Hormonpause wird die vergleichsweise dünne Gebärmutterschleimhaut dann abtransportiert. Es kommt aber nicht unbedingt zu einer Blutung: Gerade bei der ersten Pillenpause bleibt sie manchmal aus.

    Schwanger trotz Pilleneinnahme - diese Schwangerschaftsanzeichen können auftreten:

    • Ausbleiben der Abbruchblutung
    • Müdigkeit
    • Übelkeit
    • Spannungsgefühle in der Brust
    • Außergewöhnlich starker Ausfluss
    • Schmierblutungen
    • Kopfschmerzen und Schwindel
    • Ziehende Unterleibsschmerzen (Einnistungsschmerz)

    Ja, es ist auch möglich, während der Pillenpause schwanger zu werden, wenn die Pille nicht korrekt eingenommen wurde. Die Pillenpause beschreibt die Zeit zwischen der Einnahme von zwei Packungen der Pille – also der letzten Pille einer Packung und der ersten Pille der neuen. Diese ist normalerweise sieben Tage lang. Wird die Pille jedoch korrekt eingenommen, besteht der normale Empfängnisschutz natürlich auch während der Pillenpause – insoweit gibt es keinen Unterschied zum Zeitraum vor und nach der Pillenpause.

    Wenn ein Schwangerschaftsverdacht besteht, kann man zunächst selbst einen Schwangerschaftstest durchführen. Den Test kann man in Drogeriemärkten, Apotheken oder auch online erwerben. Die Einnahme der Pille verfälscht den gemessenen Wert nicht. Denn der Schwangerschaftstest misst den Gehalt des Hormons HCG, das in der Pille nicht vorhanden ist. Wichtig zu wissen ist: Der Schwangerschaftstest liefert etwa sechs bis acht Tage nach der Befruchtung ein Ergebnis, das mit circa 95 Prozent Wahrscheinlichkeit korrekt ist. Man muss also einige Tage abwarten, bevor man den Test macht. Und in seltenen Fällen kann das Ergebnis falsch sein.

    Wenn der Schwangerschaftstest positiv ist oder andere Anzeichen einer Schwangerschaft bestehen, sollte man umgehend einen Termin bei einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt vereinbaren. Die Ärztin wird eine körperliche Untersuchung durchführen und gegebenenfalls weitere Tests empfehlen, um die Schwangerschaft zu bestätigen und den Schwangerschaftsverlauf zu überwachen.

    Die "Pille danach" ist ein Verhütungsmittel für den Notfall und kann das Risiko einer Schwangerschaft signifikant reduzieren. Dabei kommt es aber auf bestimmte Faktoren an:

    • Beim Wirkstoff Levonorgestrel muss die Einnahme innerhalb von 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr erfolgen. Beim vergleichsweise neuen Wirkstoff Ulipristalacetat innerhalb von 120 Stunden. Somit ist es nach fünf Tagen definitiv zu spät für die "Pille danach".
    • Zudem müssen die Präparate rechtzeitig vor dem Eisprung eingenommen werden. Hat der Eisprung schon stattgefunden oder steht er kurz bevor, wirken die beiden Stoffe nicht mehr.

    Eine Schwangerschaft trotz "Pille danach" kann somit eintreten, wenn das Medikament innerhalb des Zyklusverlaufs zu spät eingenommen wird, da dann der Eisprung bereits stattgefunden hat. Die "Pille danach" ist somit keine Methode für einen Schwangerschaftsabbruch, sondern kann nur den Eintritt der Schwangerschaft verhindern.

    Außerdem sollte man beachten, dass die "Pille danach" keinen Ersatz für regelmäßige Verhütungsmethoden darstellt. Denn die Hormone belasten den Körper. Es kann zu Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Schmierblutungen, Schwindel und Müdigkeit kommen. Die "Pille danach" sollte deshalb eine Ausnahme bleiben. Wenn Frauen sexuell aktiv sind und keine Schwangerschaft planen, sollten sie eine regelmäßige Verhütungsmethode, wie die Pille, eine Spirale oder Kondome wählen.

    Nicht jedes typische Schwangerschaftsanzeichen bedeutet automatisch, dass man schwanger ist. Symptome wie das Ausbleiben der Blutung, ein Spannen in der Brust und Übelkeit können auch durch die Pille selbst verursacht werden. Am besten macht man im Zweifelsfall einen Schwangerschaftstest, um Gewissheit zu erlangen.

    Ist der Test positiv, sollte man umgehend einen Frauenarzttermin ausmachen und die Pille nicht weiter einnehmen. Angst vor Fehlbildungen des Fötus muss man laut einer großen Studie aus Dänemark aber nicht haben, berichtet die "Deutsche Hebammen-Zeitschrift". Auch bei den Frauen, die zu Schwangerschaftsbeginn noch die Pille eingenommen hatten, konnten damit keine Fehlbildungen in Verbindung gebracht werden.

    Zudem sollte man versuchen, Ruhe zu bewahren. Für die Entscheidung, ob man die Schwangerschaft durchziehen oder abbrechen möchte, ist noch ausreichend Zeit. Die Frauenärztin oder der Frauenarzt kann Sie beraten. Eine erste Anlaufstelle für ungewollte Schwangerschaften kann das kostenlose zentrale Hilfetelefon "Schwangere in Not" mit der Nummer 0800 40 40 020 sein.

    Für Schwangere in Bayern bietet das Bayerische Familienministerium hier eine Übersicht der Anlaufstellen. Sie können einen Ort eintippen und erhalten eine Liste mit Beratungsstellen und Kontaktdaten.

    Eine doppelte Verhütung beschreibt die gleichzeitige Verwendung von zwei verschiedenen Verhütungsmethoden zur Reduzierung des Schwangerschaftsrisikos. Die Kombination verschiedener Methoden kann die Wirksamkeit erhöhen, ist aber nicht zwingend notwendig. Allerdings können weitere Verhütungsmethoden wie Kondome vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen, während hormonelle Verhütungsmethoden dies eben nicht können.

    Zudem hilft eine weitere Methode wie Kondome, wenn man eine Antibabypille vergessen hat oder sich einfach unsicher ist, ob gerade der volle Empfängnisschutz besteht.

    Das ist äußerst unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich, da keine Verhütungsmethode ganz sicher ist. Liegen trotz der Pilleneinnahme und der anderen Verhütungsmethode Schwangerschaftsanzeichen vor, empfiehlt sich ein Schwangerschaftstest.

    Es kann aber auch aus anderen Gründen zu schwangerschaftsähnlichen Symptomen kommen.

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