Schlapp und abgeschlagen

Den ganzen Tag müde? Woran das liegen könnte

Simone Madre
Simone Madre

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30.1.2023, 10:46 Uhr
Fehlender Schlaf, Bewegungsmangel und Stress am Arbeitsplatz können Gründe sein, warum man ständig müde ist.

© IMAGO/Joseffson Fehlender Schlaf, Bewegungsmangel und Stress am Arbeitsplatz können Gründe sein, warum man ständig müde ist.

Müdigkeit hat viele Ursachen und mögliche Auslöser. Oftmals ist es zu wenig Schlaf, wobei ein ungesunder Lebensstil auch eine anhaltende Müdigkeit begünstigt. In einigen Fällen deutet Müdigkeit allerdings auf bestimmte Krankheiten oder ein chronisches Erschöpfungssyndrom hin. Was hilft gegen die ständige Müdigkeit und wann sollte man lieber einen Arzt aufsuchen?

Was ist Müdigkeit?

Müdigkeit bezeichnet grundsätzlich einen normalen Zustand des menschlichen Organismus, der dem Menschen Ruhebedarf signalisiert. Daher ist Müdigkeit keine Krankheit, sondern lediglich ein Signal des Körpers, dass dieser eine Pause beziehungsweise Schlaf braucht oder bestimmte Nährstoffe fehlen.

Anhaltende Symptome von Müdigkeit können aber auch Anzeichen für eine Erkrankung oder Störung sein, die medizinisch behandelt werden sollte. Begleitet wird die Müdigkeit oftmals von Unlust, Antriebslosigkeit und sinkender körperlicher oder geistiger Leistungsfähigkeit.

Warum bin ich ständig müde?

Mangelnder Schlaf ist in den meisten Fällen Grund für die anhaltende Müdigkeit. Aber wie viel Schlaf braucht ein Mensch überhaupt? Das ist sehr individuell und hängt von mehreren Faktoren ab. So spielt das Alter eine entscheidende Rolle: Babys schlafen in den ersten drei Lebensmonaten 17 bis 24 Stunden. Zweijährige brauchen durchschnittlich 13 Stunden und Sechsjährige ungefähr 11 Stunden Schlaf. Die meisten Erwachsene brauchen zwischen sieben und acht Stunden Schlaf. Dies sind allerdings nur Richtwerte und jeder Mensch hat ein individuelles, persönliches Schlafbedürfnis. Als Faustregel gilt laut Techniker-Krankenkasse: Wer tagsüber auch bei längerer Tätigkeit im Sitzen konzentriert arbeiten könne, ohne schläfrig zu werden, habe sein persönliches Schlafpensum gefunden. Mit zunehmendem Alter sinkt das Schlafbedürfnis, sodass 80-Jährige in der Regel nur sechs Stunden Schlaf benötigen.

Ständig müde: Das sind die Ursachen

Wer ständig müde und schlapp ist, fragt oftmals nach den Gründen. Vor allem Menschen, die ständig müde trotz genug Schlaf sind, machen sich Gedanken um ihre Gesundheit. Müdigkeit kann vielfältige Ursachen haben und muss nicht immer Anzeichen für eine ernste Krankheit sein.

Allgemeine Ursachen für Müdigkeit:

Oftmals liegt Müdigkeit an den Lebensumständen - und damit an einem der folgenden Gründe.

  • Chronischer Schlafmangel: Zu spätes Zubettgehen und zu frühes Aufstehen oder ein Lebensstil, der nicht mit dem natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus korrespondiert, können zu chronischem Schlafmangel führen.
  • Fettes und kalorienreiches Essen: Nach solchen Mahlzeiten fließt mehr Blut in die Verdauungsorgane, sodass das Gehirn mit weniger Sauerstoff und Blut versorgt wird. Dadurch werden Betroffene für kurze Zeit müde.
  • Auf Diät sein oder Untergewicht: Zu wenig Nähr- und Mineralstoffe oder Vitamine führen zu Mangelerscheinungen, die eine länger andauernde Müdigkeit auslösen können.
  • Übergewicht: Übergewicht und Müdigkeit gehen oft Hand in Hand. Eine Studie zeigen, dass zu kurzer Schlaf mit einem Risiko für Übergewicht einhergeht. Gleichzeitig leiden Übergewichtige häufiger an einer Schlafapnoe (siehe unten), die die Schlafqualität deutlich verschlechtert.
  • Bewegungsmangel: Wenn der Kreislauf, der Stoffwechsel und die Durchblutung nicht angeregt oder weder Gelenke noch Muskeln gefördert werden, erlahmen viele Körperfunktionen. Dadurch entsteht ein Gefühl von Müdigkeit oder Antriebslosigkeit.
  • Flüssigkeitsmangel: Wer zu wenig trinkt, sorgt dafür, dass das Blut dickflüssiger wird und nur langsam zirkulieren kann. Somit wird das Gehirn etwas weniger mit Sauerstoff versorgt und der Körper signalisiert Müdigkeit. Wie viel Wasser am Tag gesund ist, erfahren Sie in unserem Beitrag.
  • Stress am Arbeitstag oder privat: Andauernder Stress kann zu einer Erschöpfung der Nebennieren beitragen, die den Körper bei der Bewältigung von stressigen Situationen unterstützen. Durch die Verarbeitung von Stress hat der Körper weniger Energie und wird schneller müde. Deshalb sollte man Routinen finden, um Stress abzubauen.
  • Burnout oder Boreout: Über- oder Unterforderung wirken sich auf das körperliche Empfinden aus und begünstigen Müdigkeit, Erschöpfung sowie Demotivation.
  • Trockene und schlecht gelüftete Räume: Wenn die Luft zu warm oder zu trocken ist, verliert der Körper Flüssigkeit und das Gehirn wird schlechter durchblutet. Somit kommt weniger Sauerstoff an und Müdigkeit tritt ein.

Erkrankungen als Ursache von anhaltender Müdigkeit

Neben den allgemeinen Ursachen von anhaltender Müdigkeit können aber auch ernsthafte Erkrankungen hinter der Befindlichkeit "ständig müde und antriebslos" stecken. Dazu gehören:

  • Schlafapnoe: Nächtliche Atemstillstände unterbrechen den Schlafrhythmus immer wieder, sodass Betroffene keinen erholsamen Nachtschlaf haben und tagsüber müde sind.
  • Blutarmut: Müdigkeit mit einhergehenden Symptomen von verminderter Leistungsfähigkeit, Schwindel und Kopfschmerzen kann ein Anzeichen von Anämie sein. Das bedeutet, dass die Zahl der roten Blutkörperchen niedrig ist. Ursachen dafür sind beispielsweise ein Mangel an Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure. Aber auch Blutverluste, Infekte und genetische Erkrankungen können die Ursache sein.
  • Infektionen: Das Immunsystem wird besonders beansprucht, wenn dieser gegen Erreger wie Viren oder Bakterien ankämpfen muss (zum Beispiel bei einer Erkältung, Grippe oder Entzündung). Man fühlt sich schlapp oder leidet sogar an einer bleiernen Müdigkeit, bei der man kaum aus dem Bett kommt.
  • Herzrhythmusstörung: Betroffene verspüren Herzpochen, Herzrasen, Unruhe, Nervosität oder Angst. Diese werden oftmals begleitet von Schwindel, Brustschmerz oder Kurzatmigkeit. Die Symptome belasten den Körper und führen zu Müdigkeits- sowie Erschöpfungssymptomen.
  • Niedriger Blutdruck: Ein niedriger Blutdruck kann zu Kreislaufproblemen und einer schlechten Durchblutung führen, sodass das Gehirn weniger Sauerstoff erhält. Infolgedessen signalisiert der Körper Müdigkeit und Erschöpfung.
  • Migräne: Eine Migräneattacke belastet den Körper. Deshalb kommt es im Anschluss oftmals zu einer Erholungsphase mit einhergehender Müdigkeit und Abgeschlagenheit, bis der Körper sich wieder gefangen hat.
  • Krebs: Müdigkeit kann ein frühes Symptom von Blut- oder Lymphdrüsenkrebs sein. Auch Krebstherapien können Müdigkeit als Nebenwirkung verursachen.
  • Chronische körperliche Erkrankungen: Multiple Sklerose, Rheumatoide Arthritis, chronische Nierenkrankheiten und Herzschwäche können zu anhaltender Müdigkeit führen.
  • Psychische Erkrankungen: Depressionen oder Angststörungen können ebenfalls ständige Müdigkeit und Erschöpfung auslösen.

Chronisches Erschöpfungssyndrom

Das chronische Erschöpfungssyndrom ist ein schwer fassbares Krankheitsbild, welches sich durch ständige Erschöpfung ohne erkennbaren Grund bemerkbar macht. Begleitet wird das Syndrom oftmals von Beschwerden wie Schlafstörungen, Hals- oder Muskelschmerzen.

Bei der Behandlung des chronischen Erschöpfungssyndroms geht es darum, Symptome zu lindern, in der kognitiven Verhaltenstherapie die Psyche zu stärken und allmählich die körperliche Ausdauer des Betroffenen zu steigern.

Müdigkeit durch Medikamente oder Suchtmittel

Auch bestimmte Medikamente können Müdigkeit verursachen. Dazu gehören vor allem Antidepressiva, Blutdrucksenker, Mittel gegen Allergien und Neuroleptika. Auch suchterzeugende Substanzen können Müdigkeit begünstigen. Dazu gehören alkoholische Getränke, Tabak und Drogen. Sie verschlechtern die Schlafqualität.

Ständige Müdigkeit: Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn der Körper über eine längere Zeit ohne erkennbaren Grund Erschöpfung und Müdigkeit signalisiert, sollte ein Arzt konsultiert werden. Denn ständige Müdigkeit kann auch auf eine ernsthafte Erkrankung hinweisen. Wenn zusätzliche Symptome wie Fieber, Nachtschweiß, Blut im Stuhl, trockene Schleimhäute oder starker Durst auftreten, ist ein Arztbesuch unabdingbar.

Weitere Gründe für einen Arztbesuch:

Wenn die Müdigkeit nicht mit Erholung, Bewegung und Schlaf abklingt, sollte man einen Arzt konsultieren. Auch wenn die Erschöpfung die körperliche oder geistige Leistungsfähigkeit beeinflussen oder die Müdigkeit rund um die Uhr auftritt, ist ärztliche Hilfe erforderlich.

Ständig müde: Was hilft wirklich?

Menschen, die ständig müde sind, sollten zunächst die Ursachen herausfinden. Hierzu sollte man einen Arzt aufsuchen. Abhängig von der Ursache kann dann eine passende Behandlung oder Therapie begonnen werden.

  • Infektion: zum Beispiel Ruhe, fiebersenkende Mittel, Schleimlöser, Inhalationen
  • Blutarmut: eisenhaltige Nahrungsmittel
  • Psychische Erkrankungen: Psychotherapie, Medikamenten und begleitend viel Bewegung
  • Schlafapnoe: CPAP-Therapie (Atemmaske), Abnehmen, Lagetherapie
  • Bewegungsmangel: Sport und Bewegung an der frischen Luft
  • Unter- und Übergewicht: Gründe herausfinden und behandeln, Ernährungsumstellung und Ernährungsberatung
  • Chronische Erkrankungen: Arztbesuch, eventuell spezielle Medikamente
  • Flüssigkeitsmangel: Ausreichend trinken (mindestens 2 Liter am Tag)
  • Stress: Sport, Entspannungsübungen, Meditation erlernenAnzeige oder Yoga

    Was kann man selbst gegen ständige Müdigkeit tun?

    Auch vor einem Arztbesuch kann man einige Maßnahmen ergreifen, um seinen Körper zu stärken und sich hoffentlich wieder fitter zu fühlen.

    • Sport und Bewegung an der frischen Luft
    • Verzicht auf Alkohol und Drogen
    • Ausgewogene und vitaminreiche Ernährung - Verzicht auf Lebensmittel, die schwer im Magen liegen
    • Kalte Duschen und Wechselduschen, um den Kreislauf anzuregen
    • Entspannungstechniken wie autogenes TrainingAnzeige oder progressive Muskelentspannung
    • Bei Bedarf kurze Schlafphasen (Powernapping) am Mittag oder Nachmittag

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