Ernährung

Vitamin-B12-Mangel: Die Ursachen, Symptome und Behandlung

Simone Madre
Simone Madre

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4.5.2022, 10:37 Uhr
Vitamin B12 kommt fast ausschließlich in tierischen Produkten, wie Fleisch oder Milchprodukten, vor. 

© ulleo, Pixabay, LizenzCC Vitamin B12 kommt fast ausschließlich in tierischen Produkten, wie Fleisch oder Milchprodukten, vor. 

Der Körper benötigt Vitamin B12 für den Energiestoffwechsel, zum Aufbau der Nervenzellen und zur Bildung von Blutzellen. Außerdem kann der menschliche Körper Vitamin B12 nicht selbst bilden. Ein Vitamin-B12-Mangel kann zu Müdigkeit, Schwäche, Blutarmut oder sogar Nervenstörungen beziehungsweise -schäden führen. Alles über die Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten gibt es im folgenden Beitrag.

Vitamin-B12-Mangel: Symptome

Ein B12-Mangel fällt häufig erst nach jahrelanger Unterversorgung auf. Die Symptome sind vielfältig und häufig nicht leicht zu diagnostizieren. Typische Folgen einer Unterversorgung mit B12 können jedoch sein:

- Störungen der Tiefensensibilität bis hin zur Lähmung
- Brennende Zunge
- Kribbeln in den Armen und Beinen
- Empfindungsstörungen in Händen und Füßen
- Störungen der Zellteilung in Haut und Schleimhäuten
- Haarausfall
- Muskelschwäche
- Kopfschmerzen, Migräne
- Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Gedächtnisschwäche
- Degeneration des Sehnervs
- Depressionen
- Verwirrtheit
- Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien
- Bei Säuglingen: (schwere) Entwicklungsstörungen

Die Symptome eines Vitamin-B12-Mangels können insbesondere die Augen, Nerven, Haare und Muskulatur betreffen. Klassische Symptome eines Vitamin-B12-Mangels sind zum Beispiel Hautveränderungen wie Einrisse in den Mundwinkeln. Eines der ersten Symptome ist die Anämie (Blutarmut). Dabei mangelt es den Betroffenen nicht insgesamt an Blut, aber an bestimmten Blutbestandteilen. Dadurch klappt der Sauerstofftransport im Körper schlechter. Anämische Menschen sind deshalb schnell erschöpft und leiden an Schwindel.

Eine Anämie kann aus vielen verschiedenen Gründen entstehen, nur einer davon ist ein Vitamin-B12-Mangel. Bei Untersuchungen ist auch nicht immer direkt erkennbar, dass ein B12-Mangel der Grund ist, da bei vielen Patienten gleichzeitig ein Eisenmangel festgestellt wird, der dies verdecken kann.

Nehmen Menschen zu wenig Vitamin B12 auf, steigt die Konzentration der Aminosäure Homocystein im Blut an. Dies gilt als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Thrombose oder Schlaganfälle. Neben Vitamin B12 ist jedoch auch ein Mangel an Folsäure Ursache eines ansteigenden Homocystein-Werts. Ein schwerwiegender Vitamin-B12-Mangel kann zu psychischen Auffälligkeiten führen, beispielsweise zu depressiven Verstimmungen, Ermüdungserscheinungen, Aufmerksamkeitsdefiziten oder neurologischen Symptomen (Gedächtnisschwäche, Wahrnehmungsstörung).

Vitamin-B12-Mangel: Die Ursachen

Ein Vitamin-B12-Mangel entsteht, wenn über einen längeren Zeitraum weniger Vitamin B12 aufgenommen wurde, als der Körper eigentlich benötigt. Genauso kann ein erhöhter Verbrauch oder Verlust von Vitamin B12 dazu führen, dass der Vitamin-B12-Wert im Blut sinkt. Zudem können auch Medikamente einen Vitamin-B12-Mangel begünstigen oder hervorrufen.

Die häufigsten Ursachen für einen Vitamin-B12-Mangel sind:

- eine mangelnde Vitamin-B12-Zufuhr bei veganer oder vegetarischer Ernährung
- eine Mangelernährung bei Magersucht
- ein erhöhter Bedarf, zum Beispiel bei Schwangeren
- eine Mangel des Proteins "Intrinsic Factor" (beispielsweise durch eine Teilentfernung des Magens)
- ein starker Alkoholkonsum
- eine chronische Magen- oder Darmentzündung
- eine Langzeittherapie mit bestimmten Medikamente: Omeprazol gegen Magengeschwüre und Sodbrennen sowie Metformin bei Diabetes

Der Körper kann eine Unterversorgung mit B12 zunächst kompensieren, indem er auf das im Körper gespeicherte Vitamin B12 zurückgreift. Daher äußert sich ein Vitamin-B12-Mangel meist erst nach einigen Jahren. Menschen, bei denen schnell Mangelsymptome auftreten, haben bereits vorher kein ausreichendes Vitamin-B12-Depot. Zur Risikogruppe eines Vitamin-B12-Mangels zählen gestillte Säuglinge, deren Mütter sich vegan ernähren, und Menschen, die allgemein nur selten tierische Produkte konsumieren. Zugleich sind auch Alkoholiker und Schwangere besonders gefährdet.

Mit zunehmendem Alter sinkt die Leistungsfähigkeit des Magen-Darm-Trakts. Folglich können die Vitamine nicht mehr so gut aufgenommen werden. Mit 65 Jahren ist jeder Vierte von einem Vitamin-B12-Mangel betroffen. Dieser Mangel verdoppelt dann das Risiko, in den folgenden Jahren an einer Alzheimer-Demenz zu erkranken.

Bei der sogenannten "perniziösen Anämie" entsteht der Vitamin-B12-Mangel durch Probleme bei der Bildung des Proteins "Intrinsic Factor", das man für die Aufnahme und den Transport von Vitamin B12 benötigt. Meist haben die Betroffenen eine Autoimmunerkrankung oder eine chronische Entzündung der Magenschleimhaut.

Wie funktioniert die Vitamin-B12-Verarbeitung im Körper?

Das Vitamin B12 wird durch den Verzehr von tierischen Produkten oder mit Hilfe von Nahrungsergänzungsmitteln aufgenommen. Anschließend wird das Vitamin im Körper durch die Magensäure und den Verdauungstrakt freigesetzt. Das Protein "Intrinsic Factor" transportiert das Vitamin B12 zu den Dünndarmzellen. Von dort gelangt es in die Blut- und Nervenbahn.

Vitamin-B12-Mangel: Diagnostik

Die Symptome eines Vitamin-B-12-Mangels sind umfangreich und häufig diffus. Häufig werden Betroffenen schon vor der Feststellung des Mangels beeinträchtigt. Eine stark ausgeprägte Anämie kann sogar zu Sensibilitätsstörungen und Problemen mit dem Herzen führen, weshalb es umso wichtiger ist, eine Unterversorgung rechtzeitig zu identifizieren.

Lange Zeit erfolgte die Diagnostik bei einem Vitamin-B12-Mangels über die Messung des B12-Gehalts im Blutserum (also einem Blutbestandteil). Aussagekräftiger ist jedoch die Holo-TC-Messung, die an ein Transportprotein gebundenes und somit verwendbares Vitamin B12 misst. In der Regel ist ein solcher Test aber doppelt so teuer wie die Standardvariante.

Welche B12-Vitamin-Werte sind gesund?

Der geschätzte Normalwert für Vitamin-B12-Aufnahme steigt mit zunehmendem Alter: Bei Säuglingen sind nur 0,5 Mikrogramm (μg) pro Tag empfehlenswert, etwa zu 4,0 μg soll der Wert im Jugendlichen- und Erwachsenenalter betragen. Bei Schwangeren und Stillenden erhöht sich der Tagesbedarf an Vitamin B12. Während einer Schwangerschaft sollten Frauen täglich 4,5 μg Vitamin B12 aufnehmen, während des Stillens sogar rund 5,5 μg. Die empfohlenen Zielwerte werden allerdings nicht immer erreicht. Laut Nationaler Verzehrstudie des Max-Rubner-Instituts nehmen Frauen durchschnittlich 3,8 μg und Männer 5,3 μg Vitamin B12 am Tag zu sich.

Bei Verdacht auf einen Vitamin-B12-Mangel wird ein Blutbild gemacht und der Vitamin-B12-Serumspiegel überprüft. Wenn dieser unterhalb von 200 Pikogramm pro Milliliter (pg/ml) liegt, sollte der Vitamin-B12-Mangel schnellstmöglich behandelt werden.

Liegt der Vitamin-B12-Serumspiegel etwas höher, bei 200 bis 350 pg/ml, werden weitere Blutwerte diagnostisch überprüft. Weitere Marker sind beispielsweise Holotranscobalamin (die aktive Form von Vitamin B12 im Körper), die Methylmalonsäure oder die Aminosäure Homocystein. Liegt der Vitamin-B12-Serumspiegel über 350 pg/ml, liegt kein Mangel vor.

Vitamin-B12-Mangel: Therapie und Behandlungsmöglichkeiten

Vitamin B12 ist ein lebenswichtiges Vitamin für den Menschen. Der Körper benötigt es zur Bildung der roten Blutkörperchen und zur Produktion wichtiger Nervenbotenstoffe und neuen Erbguts (DNA). Da der menschliche Organismus das Vitamin nicht selbst herstellen kann und es vorwiegend über tierische Produkte erhält, haben Veganer und Vegetarier ein erhöhtes Risiko für einen Vitamin-B12-Mangel. Wenn ein Vitamin-B12-Mangel frühzeitig erkannt wurde, kann er durch Vitamin-B12-Präparate ausgeglichen werden. Die Präparate können entweder in Tablettenform, als Spray unter die Zunge oder als Sirup verabreicht werden.

Die Behandlung eines Vitamin-B12-Mangels hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Wenn der Körper einfach nicht genügend Vitamin B12 aufnehmen kann, müssen Betroffene ihr ganzes Leben lang Medikamente nehmen. Wenn der Mangel infolge der Ernährungsweise entsteht, sollte man entweder die Ernährung umstellen oder Vitamin-B12-Präparate konsumieren.

Für vegan oder vegetarisch lebende Menschen ist ein Blick auf die Versorgung mit Vitamin B12 besonders wichtig. Weil das Vitamin in wenigen pflanzlichen Produkten vorkommt, ist es oft erforderlich, entsprechende Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Da B12 wasserlöslich ist und der Körper nicht benötigte Mengen wieder ausscheidet, ist eine Überdosierung quasi nicht möglich. Allerdings gibt es einige Studien, die einen möglichen Zusammenhang zwischen Krebs und einem hohen Vitamin-B12-Wert im But aufzeigen. Wie der hohe Blutwert entsteht, wurde allerdings nicht untersucht. Andere Studien sprechen wiederum eher gegen einen Zusammenhang. Sinnvoll ist es in jedem Fall zuerst ärztlich abklären zu lassen, ob ein Mangel besteht, und dann die empfohlene Menge an Vitamin B12 einzunehmen.

Wann die Vitamin-B12-Präparate am Tag eingenommen werden, spielt keine Rolle. Die Tageszeit hat einen Einfluss auf die Wirksamkeit der Präparate. Zugleich ist die Einnahme auf nüchternen Magen ebenfalls unbedenklich.

Welche Lebensmittel enthalten Vitamin B12?

Typische Vitamin B12-Quellen sind vor allem tierische Produkte.

- Fleisch
- Fisch
- Meeresfrüchte
- Eier
- Milchprodukte

Viele pflanzliche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte oder Gemüse enthalten kein Vitamin B12. Allerdings gibt es mit den Meeresalgen (Nori) oder Shiitake-Pilzen auch pflanzliche Vitamin-B12-Lieferanten. Die Menge an Vitamin B12 ist hier allerdings schwankend und es liegt teilweise nicht in einer Form vor, die der menschliche Körper verarbeiten kann. Relativ kleine Mengen des Vitamins können auch in fermentierten Speisen wie Sauerkraut enthalten sein. Viele Veganer greifen auch zu Nahrungsergänzungsmitteln oder eigens mit Vitamin B12 angereicherten Lebensmitteln, um ihren Bedarf zu decken.

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