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Nutri-Score: Gesünder essen mit der Lebensmittelampel – geht das?

Simone Madre
Simone Madre

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4.8.2022, 10:06 Uhr
Der sogenannte Nutri-Score soll beim Vergleich von Lebensmitteln helfen.

© Patrick Pleul, dpa Der sogenannte Nutri-Score soll beim Vergleich von Lebensmitteln helfen.

  • Der Nutri-Score vergleich Produkte aus einer Kategorie. Somit sollen Verbraucher auf einen Blick sehen, welches Müsli im Regal das gesündeste ist.
  • Man kann den Score aber nicht dazu nutzen, um ein Schokomüsli mit einem Schokoladenriegel zu vergleichen.
  • Die Kennzeichnung ist freiwillig, deshalb findet man den Nutri-Score nicht auf allen Produkten.

Der Nutri-Score besteht aus einer fünfstufigen, farbigen Buchstabenskala. Somit können Konsumenten auf den ersten Blick das Nährwertprofil der jeweiligen Produkte erkennen. Die Idee: die Verbraucher sollen bei einer ausgewogenen und gesunden Ernährung unterstützt werden. Aber was steckt hinter dem Ampelsystem und der Bewertung?

Was ist der Nutri-Score?

Seit dem Jahr 2020 gibt es in deutschen Supermärkten eine bunte Farbskala namens "Nutri-Score". Die Wertung soll Verbrauchern als schnelle Einkaufshilfe helfen und wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft eingeführt. Mit dem Ampelsystem soll man auf den ersten Blick erkennen, welche Lebensmittel aus einer Produktkategorie am gesündesten sind.

Was sagt der Nutri-Score aus?

Der Nutri-Score zeigt nicht nur den Nährstoff- und Energiegehalt eines Lebensmittels, sondern berücksichtigt auch die Nährstoffzusammensetzung. Somit wird die bekannte Nährwerttabelle ergänzt. Ein Blick auf der Vorderseite genügt, um zu sehen, welches Lebensmittel in der jeweiligen Kategorie am besten abschneidet und somit am ehesten zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung passt. Damit sehen Verbraucher sofort, wo sich Fettbomben oder Zuckerfallen verstecken und können sich für andere Lebensmittel mit besseren Nährwerten entscheiden. Dabei soll insbesondere die Unterscheidung von ähnlichen Lebensmitteln in einer Produktgruppe erleichtert werden.

Nährwerttabelle bleibt trotzdem erhalten

Der Nutri-Score ersetzt nicht die Nährwerttabelle für Lebensmittel, diese bleibt weiterhin bestehen. Allerdings sind die Tabellen mit Angaben zu Fett, Kalorien, Kohlenhydraten, Salz und Eiweiß oftmals sehr klein auf der Rückseite der Verpackung abgebildet und nicht wirklich praxistauglich, wenn man viele Produkte vergleichen möchte. Obwohl Nährwerttabellen deutlich mehr Informationen bieten, sind sie für viele Verbraucher unübersichtlich. Der Nutri-Score kann die Nährwerttabelle zwar nicht ersetzen, bietet jedoch eine zusätzliche Orientierung.

Was bedeutet der Nutri-Score?

Die Bezeichnung "Nutri-Score" setzt sich aus den englischen Wörtern "nutrition" für "Ernährung" und "score" für "Punktzahl" oder "Auswertung" zusammen.

Was sagt mir also der Nutri-Score?

Der Nutri-Score stellt ein System zur Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln dar und gibt einen Überblick über die Nährwertbewertung eines Produktes. Der Nutri-Score ist eine fünfstufige Skala mit einer Kombination aus den Farben dunkelgrün, hellgrün, gelb, orange und rot sowie den Buchstaben A bis E. Die Kennzeichnung soll eine Gesamtbewertung auf Grundlage eines Berechnungsalgorithmus darstellen.

Wie wird der Nutri-Score berechnet?

Die Berechnung des Nutri-Scores erfolgt auf 100-Gramm-Basis (beziehungsweise 100-Milliliter-Basis) des Lebensmittels. Dabei erhalten die Lebensmittel folgende Bewertung:

- positiv bewertete Inhaltsstoffe wie Obst, Gemüse, Ballaststoffe, Proteine, Nüsse und ausgewählte Öle verbessern den Score

- negativ bewertete Inhaltsstoffe wie Zucker, Salz, gesättigte Fettsäuren und der Energiegehalt insgesamt verschlechtern den Score

- beide Seiten werden miteinander verrechnet - der Proteinanteil fließt allerdings nicht immer ein, bei Produkten mit vielen negativ bewerteten Inhaltsstoffen und wenig Anteil an Ballaststoffen, Obst, Gemüse und gesunden Ölen wird er weggelassen

Je besser die Gesamtbewertung ist, desto besser ist auch die Bewertung mit den farblichen Buchstaben, die auf dem Produkt hervorgehoben werden. Demnach ist ein Lebensmittel mit einem grünen A aus ernährungsphysiologischer Sicht besser als ein orangefarbenes D.

Die Skala kennzeichnet das Nährwertprofil einzelner Lebensmittel. Genaue Angaben zu den einzelnen Nährstoffen wie Fett, Zucker oder den Ballaststoffgehalt liefert der Nutri-Score jedoch nicht. Dies war jedoch auch nicht die Intention des Gesetzgebers bei der Einführung.

Getränke: Gibt es auch hier den Nutri-Score?

Getränke werden anders berechnet als feste Nahrungsmittel, sodass sich auch die Punkteverteilung unterscheidet. Wasser ist das einzige Getränk, das mit einem "A" gekennzeichnet werden darf.

Abweichende Berechnungen

Neben Getränken werden auch Käse und Fette anders bewertet. Beim Käse wird zum Beispiel der Eiweißgehalt immer eingerechnet, sodass dieser keine E-Bewertung erhalten kann. Käse ist sehr fettreich und würde demnach immer einen schlechten Nutri-Score aufweisen. Da er aber auch große Mengen Calcium enthält, die zum Erhalt der Knochen und Zähne beitragen, wird er positiver bewertet. Bei Fetten wird lediglich der Anteil der gesättigten Fettsäuren im Vergleich zum Gesamtfett bewertet. Pflanzliche Öle mit gesunden (ungesättigten) Fettsäuren wie Walnussöl oder Rapsöl haben somit einen besseren Nutri-Score als Butter oder Schmalz.

Jeder Hersteller berechnet den Nutri-Score der Lebensmittel selbst. Hersteller müssen sich jedoch vorher bei der Gesundheitsbehörde melden, wenn sie den Nutri-Score verwenden wollen.

Wie funktioniert der Nutri-Score?

Der Nutri-Score wird hauptsächlich bei verarbeiteten Lebensmitteln wie Keksen, Pizza, Fertiggerichten, Fruchtjoghurt und Käse eingesetzt. Grundsätzlich ausgenommen sind Obst- und Gemüsesorten sowie Gewürze. Immer dann, wenn keine Nährwerttabelle vorhanden ist, existiert auch kein Nutri-Score.

Der Nutri-Score gibt lediglich einen ersten Anhaltspunkt für bestimmte Lebensmittel. Grundsätzlich fällt dieser noch keine abschließende Bewertung, ob ein Lebensmittel gesund ist oder nicht. Der Nutri-Score gibt jedoch Auskunft über die Nährwertqualität. Entscheidend für eine Einstufung als "gesund oder ungesund" sind zudem die Portionsgröße, die persönlichen Lebensumstände, der Aktivitätsgrad, die Konstitution und die individuellen Ernährungsgewohnheiten.

Wer hat den Nutri-Score erfunden?

Der Nutri-Score wurde bereits 2017 von den französischen Gesundheitsbehörden entwickelt. Die wissenschaftliche Grundlage liegt in Forschungen von Ernährungswissenschaftlern aus Frankreich und Großbritannien. Deutschlandweit wird der Nutri-Score immer beliebter.

Warum findet man den Nutri-Score nicht auf allen Produkten?

Für die Lebensmittelhersteller ist der Nutri-Score freiwillig. Wenn Unternehmen an dem Nutri-Score interessiert sind, müssen sie sich auf einer französischen Internetseite registrieren und sind danach verpflichtet, das Nutri-Score-Logo bei mindestens 80 Prozent der Produkte anzuwenden. Laut einer französischen Studie begünstigt der Nutri-Score die Kaufentscheidung, sodass Unternehmen zur Teilnahme motiviert werden.

Das sollte man zum Nutri-Score wissen

Wenn sich ein Hersteller einmal für den Nutri-Score entschieden hat, muss er diesen auf die überwiegende Mehrheit der Produkte anwenden. Somit ist es nicht erlaubt, nur die "gesunden" Produkte einer Marke auszuwählen.

Die Kennzeichnung des Ampelsystems ist noch nicht perfekt, gilt jedoch als Schritt in die richtige Richtung. Da die Verwendung des Nutri-Scores freiwillig ist, wehren sich einige Hersteller dagegen, insbesondere unausgewogene Produkte zu kennzeichnen. Mit einer Verpflichtung könnte man dem entgegenwirken. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte spricht sich für einen flächendeckenden Nutri-Score aus und fordert zusätzlich ein Werbeverbot für ungesunde Lebensmittel, die explizit an Kinder verkauft werden sollen.

Der Nutri-Score weist allerdings auch Schwachpunkte auf. Nur, weil ein Fertigprodukt mit einem grünen "B" gekennzeichnet ist, bedeutet dies nicht, dass dies gesund ist. Vorteilhaft ist der Nutri-Score vornehmlich dann, wenn Produkte einer Kategorie wie beispielsweise Müsli-Sorten miteinander verglichen werden. So soll man auf einen Blick sehen, ob das Früchte- oder das Schokomüsli gesünder ist.

Auch bei der Berechnung des Nutri-Scores können Fehler auftreten. Während viel Zucker und Salz zu einem schlechten Wert führen, können Eiweiße und Ballaststoffe die schlechte Bewertung wieder aufheben und den Wert somit verfälschen. Denn der Zucker- und Salzgehalt bleibt trotzdem enthalten. Ernährungswissenschaftler warnen davor, die Bewertung mit einem Gesundheitsversprechen zu verwechseln. Daher sollte die Nährwerttabelle für gesundheitsbewusste Konsumenten das Mittel der Wahl bleiben.

Wer sich wirklich gesund und ausgewogen ernähren möchte, sollte prinzipiell viel selber kochen und auf unverarbeitete Lebensmittel setzen. Dazu gehören zum Beispiel frisches Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte. Eine überwiegend pflanzliche Ernährung gilt als Mittel der Wahl, wenn man sich vor Krankheiten schützen und fit bleiben möchte.

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