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Boreout: Symptome erkennen und eine Bewältigungsstrategie finden

Simone Madre
Simone Madre

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2.3.2022, 08:45 Uhr
Wer unter einem Boreout leidet, traut sich oft nicht, das anzusprechen.

© Christin Klose, dpa-tmn Wer unter einem Boreout leidet, traut sich oft nicht, das anzusprechen.

Arbeitnehmer mit einem Burnout, die sich "ausgebrannt" fühlen, sind im Berufsleben schon lange keine Seltenheit mehr. Seit ein paar Jahren hat sich aber auch die Kehrseite gezeigt. Die permanente Unterforderung kann ebenfalls zu Symptomen führen, die von Depressionen bis hin zu extremem Stress reichen. Diese Unterforderung ist auch als "Boreout-Syndrom" bekannt. Alles über die Symptome, Entstehung und Behandlung gibt es hier.

Was ist ein Boreout?

Die Definition des Boreout-Syndroms ermöglicht eine klare Abgrenzung vom bekannteren Burnout-Syndrom. Das Syndrom wurde erstmalig von den Schweizer Autoren Rothlin und Werden erwähnt, die 2007 ein Buch zur "Diagnose Boreout" verfassten. Im Vergleich zum Burnout-Syndrom beschreiben sie, dass eine Vielzahl von Arbeitnehmern an ihrem Arbeitsplatz unter chronischer Langeweile und Unterforderung leiden.

Boreout kann sowohl im Arbeitsleben als auch im Privatleben von den Betroffenen als gravierende Beeinträchtigung wahrgenommen werden. Dabei wird das Syndrom häufig erst sehr spät erkannt, da Betroffene nicht davon ausgehen, dass der Arbeitsplatz Auslöser für den persönlichen Leidensdruck ist. Vielmehr werden zahlreiche Ursachen in Betracht bezogen, ohne die tägliche Langeweile auf der Arbeit zu berücksichtigen.

Während Menschen mit einem Burnout mittlerweile ernst genommen werden, haben es Menschen, die unter einer chronischen Unterforderung leiden, wesentlich schwerer. "Wer zu wenig arbeitet, ist selbst dran schuld", heißt es. Das führt dazu, dass Betroffene nicht über ihre Symptomatik sprechen, weil sie sich selbst "faul" vorkommen. Dabei sind sie meist besonders ehrgeizig, sodass Frustration aufkommt, wen sie mit ihren täglichen Aufgaben nicht dem eigenen Anspruch gerecht werden.

Boreout: Wie erkennt man die ersten Anzeichen?

Obwohl die Arbeitssituation keineswegs Überforderung führt, ähneln sich Symptome der Burnout-Erkrankung. Zu den häufigsten Symptomen von Boreout zählen:

- Antriebslosigkeit und Lustlosigkeit
- Depressionen
- Müdigkeit und Schlafstörungen
- Stress und Gereiztheit im Arbeitsalltag
- Schwindelgefühle
- Kopfschmerzen
- Tinnitus
- Magenbeschwerden
- Infektionsanfälligkeit
- Konzentrationsschwierigkeiten

Mangelnde Wertschätzung und fehlende Sinnhaftigkeit am Arbeitsplatz können Menschen auf Dauer unzufrieden sowie chronisch krank machen. Da die meisten Symptome gleichzeitig auftreten, ist von einem sogenannten Boreout-Syndrom die Rede.

Ist Boreout eine Krankheit?

Boreout ist genauso wie Burnout eine ernstzunehmende Krankheit. Die Symptome machen sich sowohl körperlich als auch psychisch bemerkbar und dürfen daher nicht unterschätzt werden. Wer unter starken Symptomen leidet, sollte umgehend einen Arzt aufsuchen. Wie auch das Burnout-Syndrom, ist häufig beim Boreout-Syndrom eine Krankschreibung erforderlich. Dennoch handelt es sich bei dem Boreout um keine eigenständige Diagnose. Der Begriff findet sich im Jahr 2022 noch nicht in den gängigen Klassifikationssysteme wieder.

Wie entsteht ein Boreout?

Mögliche Ursachen der dauerhaften Unterforderung können zu wenige Aufgaben im Alltag und ein demotivierendes Betriebsklima sein. Deshalb sind häufig gar nicht das fehlende Engagement oder die Faulheit des Einzelnen ursächlich, sondern eher die vernachlässigende Unternehmenskultur. Wenn die eigene Arbeit für sinnlos gehalten wird und Vorgesetzte mit geringer Wertschätzung dem Arbeitnehmer gegenübertreten, kann ein Boreout entstehen. Weiterhin sind monotone Aufgaben bei der Arbeit gefährlich, da diese schnell einwandfrei beherrscht werden und kaum mehr für Anstrengung sorgen.

Mehr Abwechslung in den Tätigkeitsfeldern ist daher häufig ein Schritt in die richtige Richtung, um dem Boreout entgegenzutreten. Weitere Gründe für die Entstehung des Boreout-Syndroms können aber auch Mobbing oder Cybermobbing sein. Probleme können auch aus der Präsenzpflicht resultieren. Arbeitnehmer müssen täglich auf der Arbeit erscheinen und auch wenn dort nichts zu tun ist, sodass die Betroffenen dann die Arbeitszeit "absitzen" müssen.

Die Entstehung eines Boreouts hängt aber nicht nur vom subjektiven Erleben ab, sondern hängt auch mit der Funktionsweise des Gehirns zusammen. Wer im Job herausgefordert wird, fühlt sich wertgeschätzt und das Gehirn schüttet verschiedene Hormone aus (das Glückshormon Serotonin, Cortisol als Stresshormon und das Bindungshormon Oxytocin). Diese körpereigenen Stoffe verbessern die Stimmung und wirken zusätzlich als Entzündungshemmer. Gleichzeitig erhöhen sie die Leistungsfähigkeit kurzfristig und verbessern das subjektive Wohlbefinden der Menschen.

Wenn diese jedoch chronisch unterfordert sind, bleibt auch die Ausschüttung der Botenstoffe aus. Daraus kann schlussfolgernd ein Boreout entstehen. Bei den Betroffenen wird das Boreout meist selbst zum zusätzlichen Stressfaktor. Wenn Stress über lange Zeit gespürt wird und entsprechende Stresshormone ausgeschüttet werden, vermindern sich das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit erheblich.

Boreout vs. Langeweile – Wie unterscheidet man Langeweile von Boreout?

Sollten sich Arbeitnehmer eine Zeit lang gelangweilt oder unterfordert bei der Arbeit fühlen, muss dies noch lange kein Anzeichen für ein Vorliegen des Boreout-Syndroms sein. Gefährlich wird es erst, wenn es neben den fehlenden Aufgaben auch an Anerkennung, Wertschätzung sowie Sinnhaftigkeit mangelt. Ein gelegentlicher Leerlauf im Arbeitsleben führt noch nicht zu den verheerenden Auswirkungen. Bei Menschen, die unter dem Boreout-Syndrom leiden, ist häufig auch das Selbstwertgefühl angegriffen. Betroffene fühlen sich dann wertlos und austauschbar.

Menschen, die unter einem Boreout leiden, kompensieren ihre Langweile meist mit unterschiedlichen Strategien. Beispielsweise ziehen sie ihre Arbeit extrem in die Länge oder ignorieren Aufgaben. Sie strecken Tätigkeiten über mehrere Tage oder machen sogar Überstunden. All diese Strategien verfolgen das Ziel, möglichst keine weiteren Aufgaben zu bekommen, beschäftigt zu wirken und dennoch im Job nicht gekündigt zu werden. Das Vorgehen der Boreout-Leidenden ist somit äußerst paradox.

Langeweile im Arbeitsleben – Was kann man tun?

Eine große Bedeutung zur Prävention von Boreout spielt die körperliche und geistige Gesundheit im Job. Bei den meisten Fällen handelt es sich um eine psychosomatische Erkrankung. Daher kann sich die Situation für Betroffene durch Wertschätzung sowie Anerkennung deutlich verbessern, beides kann zur Behandlung der Symptome eines Boreouts beitragen. Arbeitnehmer benötigen sowohl Verantwortung als auch realistische Ziele und konstruktives Feedback für ein erfülltes Berufsleben. Unternehmen können mit Hilfe eines betrieblichen Gesundheitsmanagements ihre Arbeitnehmer zusätzlich unterstützen.

Mut zur Veränderung

Arbeitnehmer benötigen Mut zur Veränderung, wenn die ersten Boreout-Symptome auftreten. Damit ist nicht zwangsläufig ein Jobwechsel gemeint. Betroffene sollten die Initiative für ein Mitarbeitergespräch ergreifen und ihre eigene Perspektive, ihre Ideen und Aufgaben einbringen. Mit zusätzlichen Projekten können Betroffene wieder ganz ausgelastet und die Leidenschaft für den ergriffenen Beruf neu geweckt werden.

Tagebuch

Das Schreiben eines Tagebuchs hilft zunächst einmal, sich die eigene Verantwortung bewusst zu machen. Der Betroffene wird seine geleistete Arbeit mehr wertschätzen und sich täglich selbst reflektieren.

Hobbys

Wer ein erfüllendes Hobby findet, welches bestenfalls Sinnhaftigkeit stiftet und das Selbstwertgefühl steigert, kann dem Boreout-Syndrom effektiv entgegenwirken.

Körperliche Bewegung

Bewegung hilft, den eigenen Körper besser zu spüren und zusätzlich Stresshormone abzubauen. Deshalb sollte sportliche Betätigung für alle Menschen zum Alltag gehören.

Soft Skills

Gewisse Charaktereigenschaften machen einen Arbeitnehmer anfälliger oder resistenter gegenüber dem Boreout-Syndrom. Deshalb sollte man versuchen, Soft Skills wie die Resilienz zu stärken, um präventiv die psychische Anfälligkeit zu verringern.

Therapeutische Hilfe

Sollten Betroffene nicht aus eigener Kraft aus der Boreout-Spirale herauskommen und der Leidensdruck hoch sein, ist eine medizinische oder therapeutische Hilfe empfehlenswert.

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