Anti-Corona-Protest: Oberasbacher Schulen als Zielscheibe

28.4.2021, 15:42 Uhr
Betroffen ist das Pestalozzi-Schulzentrum: Die Parolen richten sich auch gegen die Lehrerinnen und Lehrer.

Betroffen ist das Pestalozzi-Schulzentrum: Die Parolen richten sich auch gegen die Lehrerinnen und Lehrer. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Zwischen dem Jugendzentrum Oasis und dem Tor am Eingang zum Schulzentrum Kreutles hingen Plakate an den Bäumen, fanden sich mit Kreide aufgemalte Botschaften, die schnell klar machen, dass hier nicht besorgte Eltern am Werk sind: "Lehrer, die diesen Wahnsinn mitmachen! Schämt Euch! Wir vertrauen euch unsere Kinder an? Schande!" stand dort etwa zu lesen – oder: "Impfen ist Selbstmord". Zudem wird die Frage gestellt, wo denn die Pädagogen seien, die die Kinder schützten.


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"So etwas zieht einem einfach die Beine weg", sagt Elke Wilhelm, die Leiterin der Grundschule. Der Spuk begann nach den Osterferien. Die Rektorin hatte zwar Hinweise aus dem Schulamt auf mögliche Aktionen erhalten, war aber dann dennoch geschockt, als sie frühmorgens um sieben Uhr die Parolen las, die sich auch am Lehrerparkplatz fanden. Hinweise auf Internetseiten und Telegram-Kanäle, auf denen man sich "weiter informieren" könne, seien ebenfalls angegeben gewesen, berichtet Elke Wilhelm.

Anonymität erzeugt Angst

Dem Schul-Kollegium setzen die fortlaufenden Angriffe zu, die Anonymität erzeugt Angst. Jeder gebe sein Bestes, um die Kinder durch diese schwere Zeit zu begleiten, sagt auch Konrektorin Marion Reindl. Sie empfindet die Vorgänge "als Schlag in die Kniekehle".

Wichtig war es Elke Wilhelm zu reagieren: Bevor die Schülerinnen und Schüler – derzeit werden 60 Viertklässler im Wechsel unterrichtet, dazu kommen rund 50 Mädchen und Jungen in der Notbetreuung – morgens eintrafen, entfernte sie die Plakate.

Parolen werden schnell beseitigt

Die Kreideparolen beseitigten der Hausmeister und der städtische Bauhof. Die Kinder seien ohnehin genug belastet und müssten solche Dinge nicht auch noch lesen, meint die Schulleiterin.

Ihr Kollege Rupert Fischer, Rektor der Mittelschule, weist noch auf ein ganz anderes Problem hin: Politische Aktionen, ob von Parteien oder Vereinen, seien am Schulgelände verboten. "Wenn ich da jemanden sehe, der etwa Handzettel verteilt, dann rufe ich die Polizei."

Schwierige Angelegenheit

Doch die Beamten haben es in diesem Fall nicht leicht. Prüfen könne man einiges, heißt es aus der Pressestelle des Polizeipräsidiums Mittelfranken. Am klarsten wäre ein Verstoß gegen das Infektionsschutzgesetz, also etwa gegen die Ausgangssperre oder das Abstandsgebot. Sachbeschädigung? Schwierig, weil die Schriftzüge nicht mit Farbe, sondern mittels leicht entfernbarer Kreide aufgebracht sind. Flyer oder Druckerzeugnisse könnten gegen das Bayerische Pressegesetz verstoßen – wenn sich kein Impressum darauf findet.

An Ostern waren bereits Rathäuser im Landkreis Fürth – neben Oberasbach auch in Zirndorf und in Roßtal – zur Zielscheibe einer bundesweiten Aktion gegen Corona-Maßnahmen geworden, die Verbindungen zur Querdenkerszene hatte. Zettel mit Botschaften lagen vor den Eingangstüren – außerdem standen dort Kinderschuhe. Die Stadt reagierte schnell und befüllte diese mit Süßigkeiten. Jetzt sind erneut Schmierereien aufgetaucht: "Die Pandemie endet, wenn keiner mehr mitmacht!", hieß es unter anderem.

"Ich lese das nicht"

Bürgermeisterin Birgit Huber selbst negiert das Gekritzel: "Ich lese das überhaupt nicht", sagt sie gegenüber den FN. Sie könne zwar verstehen, dass der Unmut ein Ventil brauche, "aber", so Oberasbachs Rathauschefin weiter, "das darf nicht persönlich werden. Die Lehrerinnen und Lehrer tun außerdem alles in ihrer Macht stehende, um die Gesundheit der Kinder zu schützen und das Beste aus der Situation zu machen."