Zahl der Vierbeiner steigt

Hunde ohne Leine: In Nürnberg häufen sich die Beschwerden

RESSORT: Lokales / Sonstiges..DATUM: 04.04.18..FOTO: Horst Linke ..MOTIV: Mitarbeiterporträt:Timo Schickler..ANZAHL: 1 von 1..Veröffentlichung nur nach vorheriger Vereinbarung
Timo Schickler

Lokalredaktion Nürnberg

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30.9.2021, 06:06 Uhr
Auch in Nürnberg lassen immer mehr Hundehalter ihren Vierbeiner von der Leine.

Auch in Nürnberg lassen immer mehr Hundehalter ihren Vierbeiner von der Leine. © imago stock&people, NN

Ein Kind fährt mit seinem Fahrrad auf dem Radweg durch einen Park in Nürnberg. Plötzlich taucht ein Hund vor ihm auf, bellt und zwingt das Kind zum Bremsen. Der Halter kann den Hund nicht sofort zurückhalten. Denn er ist ohne Leine unterwegs.

Problem in Grünanlagen

"Das soll es nicht geben, dafür muss der Hundehalter sorgen", sagt Christian Vogel. Der Bürgermeister ist Erster Werkleiter von Sör. Der Servicebetrieb öffentlicher Raum ist auch für die Grünanlagen in der Stadt zuständig. Und gerade dort kommen solche Szenen jetzt häufiger vor.

Leinenpflicht gilt zum Beispiel in Parks für alle Hunde.

Leinenpflicht gilt zum Beispiel in Parks für alle Hunde. © imago images/Fotostand, NN

Immer öfter landen Hilferufe bei Christian Vogel, "weil sich leider zu oft Frauchen und Herrchen nicht an die Leinenpflicht halten". Vor allem in Grünanlagen. Dabei sei klar geregelt, dass Hunde gerade dort nicht frei laufen dürfen. "Das gilt nicht nur, wenn der Kommunale Außendienst den Weg kreuzt, sondern generell", sagt der Bürgermeister.

Das gelte genauso in Naturschutzgebieten, zum Beispiel dem Pegnitztal-Ost oder dem Hainberg, und auf Wochen- und Jahrmärkten. "Hier sind alle Hunde an die Leine zu nehmen", macht Vogel noch einmal deutlich. Für größere Hunde ab einer Schulterhöhe von 50 Zentimetern gilt die Leinenpflicht auch in Fußgängerzonen, verkehrsberuhigten Bereichen, auf dem Tiergärtnertor-Platz und in der Königstorpassage.

"Viele haben Angst vor Hunden"

"Fairness und die gegenseitige Rücksichtnahme sind für das Miteinander entscheidend", appelliert Vogel an die Halter. Zwar mögen viele Menschen Hunde, schätzen sie als "treuer Begleiter auf vier Pfoten", sagt er. "Auf der anderen Seite gibt es auch viele Bürger, die Angst vor Hunden haben."

Für sie wirbt die Stadt um Rücksicht. Zumal die Hunde in der Stadt immer mehr werden. Zwischen 2014 und 2020 ist die Zahl der Vierbeiner in Nürnberg um 17,8 Prozent angewachsen, allein um vier Prozent im Corona-Jahr 2020. Und das nur durch die Tiere, die bei der Stadt auch angemeldet sind.

Und es geht so weiter. "Zum 31. August sind in Nürnberg 16.458 Hunde angemeldet", weiß Christian Vogel. In den ersten acht Monaten dieses Jahres sind also noch einmal 737 dazu gekommen. Seit 2014 sind das 5000 zusätzliche Hunde in der Stadt. "Das ist schon eine Hausnummer", sagt der Bürgermeister.


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Die macht sich bemerkbar, das fällt nicht nur in der Stadtverwaltung auf, sondern auch im Tierheim. "Wir sehen, dass derzeit viele neue Hundebesitzer unterwegs sind, oft auch mit Hunden, die nicht angeleint und nicht abrufbar sind", sagt die Leiterin Tanja Schnabel.

Immerhin: Die befürchtete große Welle an Hunden, die im Tierheim abgegeben werden, weil eine Familie sich eher überstürzt und durch die Pandemie für sie entschieden hat, ist bislang ausgeblieben. Im Tierheim seien nur Einzelfälle aufgeschlagen. Zum Glück für die Mitarbeiter, denn die haben mit Tieren aus illegalen Transporten und Fundtieren schon jetzt genug zu tun. "Wir haben gerade Aufnahmestopp für Abgabetiere", sagt Schnabel.

Alle Hände voll zu tun hat auch Norbert Reppert. Er betreibt die Hundeschule "Dogs Training" in Röthenbach. Ihm fallen ebenfalls die Hunde auf, die statt an einer lockeren Leine frei laufen, "sobald sie von den Hauptverkehrswegen weg sind, damit ihre Halter sie nicht mehr so ziehen müssen". Oder nicht mehr gezogen werden.

Wartelisten bei Hundeschulen

Durch Corona hat sich die Situation verschärft. In der Pandemie hatten die Menschen plötzlich mehr Zeit, dafür weniger soziale Kontakte. Die Lücke hat oft ein neues Haustier gefüllt. Nur: Reppert konnte den vielen neuen Hundehaltern wegen den Lockdown-Maßnahmen monatelang nicht helfen. Noch immer müssen Betroffene bei Hundeschulen mit Wartezeiten rechnen.

"Dabei ist die professionelle Begleitung durch Hundetrainer vor allem in der Sozialisierungsphase bei Welpen wichtig", sagt Reppert. Aber auch bei der Übernahme erwachsener Hunde seien ein paar praktische Hilfestellungen oft nötig. "Manchen, die noch nie einen Hund hatten, fehlt die Erfahrung und der Feinsinn, dass sich nicht jeder über einen freilaufenden Wirbelwind gerade in der engen Stadt freut."

Auch im Naturschutzgebiet müssen Hunde an die Leine genommen werden.

Auch im Naturschutzgebiet müssen Hunde an die Leine genommen werden. © imago images/Stefan Zeitz, NN

Norbert Reppert arbeitet in seiner Hundeschule gezielt mit Problemhunden - und auch mit Menschen, die Angst vor Hunden haben. Er hilft ihnen, damit umzugehen. Reppert weiß: "In beiden Fällen sind häufig ungehorsame freilaufende Hunde ursächlich für diese Probleme."

Probleme, die auch die Landwirte in der Stadt zu spüren bekommen. Die Wege entlang und durch die Felder der Bauern sind beliebte Gassistrecken. Jochen Loy kann den Gassi-Tourismus sogar an Zahlen festmachen. "In Almoshof haben wir einen Kotbeutel-Spender installiert", sagt der Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes in Nürnberg. "Pro Monat werden da bis zu 1000 Beutel rausgezogen."

Hundekot macht Bauern Ärger

Aufgesammelt wird, wenn überhaupt, am Wegrand, aber nicht in den Feldern, wo die Hunde ohne Leine unterwegs sind. "Für die Landwirte ist das ein riesiges Problem, das sich durch Corona verschlimmert hat." Sorgen bereiten Loy dabei nicht nur die Äcker, sondern auch die Wiesen, in denen die Vierbeiner besonders oft frei herumtollen, zum Beispiel in Katzwang. Das Gras dort ist Futter für das Mastvieh. "Durch den Hundekot kann es ab bestimmten Mengen sogar dazu kommen, dass die Wiederkäuer sterben", sagt Loy.

Er kennt die Wartezeiten bei Hundeschulen, denn seine Frau betreibt selbst eine. Jochen Loy sorgt sich genauso wie Tierheim-Chefin Schnabel, dass durch das falsche Verhalten einiger Halte die Akzeptanz für Hunde allgemein sinkt. Das will Christian Vogel mit einem Appell verhindern. Die Stadt prüft derzeit, ob sie noch mehr Schilder aufstellen muss, die auf die Regeln in Parks wie Leinenpflicht hinweisen. Außerdem erinnert er an die Hundefreilaufzonen in der Stadt, die insgesamt 200.000 Quadratmeter messen.

"Straßen, Plätze und Grünanlagen sind für alle Bürger da, sie sollen sie friedlich und zufrieden nutzen können", sagt Vogel. Das Miteinander sei wichtig. Und dabei stehe die Rücksichtnahme von Frauchen und Herrchen im Mittelpunkt. "Das gilt beim Hundekot genauso wie beim Thema Anleinen."

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