0:0 im Frankenderby! Club lässt späte Siegchance in Fürth aus

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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24.11.2019, 15:20 Uhr
Wenig Bewegungsfreiheit: Kleeblatt und Club beharkten sich im 265. Nachbarschaftsduell arg.

Wenig Bewegungsfreiheit: Kleeblatt und Club beharkten sich im 265. Nachbarschaftsduell arg. © Sportfoto Zink / DaMa

Es gibt Fußballspiele, die bewegen mehrere Wochen lang eine ganze Region. Auch vor diesem 265. Frankenderby zwischen der Spielvereinigung Greuther Fürth und dem 1. FC Nürnberg überlagerte der Fußball vieles, die Menschen redeten nur noch über diesen Sonntagnachmittag, der da kommen würde, über Sieg, Niederlage und die vielen Geschichten, die dieses Derby schon geschrieben hat. Und als dieser Sonntagnachmittag kam, da war er gar nicht mehr so berauschend, wie sich das viele Fußballfans ausgemalt hatten. Beide Mannschaften hatten im Fürther Ronhof zwar ihre Chancen, Tore aber gelangen beim 0:0 weder dem Kleeblatt noch dem Club.

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Valentini eröffnet den Lokalvergleich - Keita-Ruel rutscht vorbei 

Dabei schien dieses Derby zunächst ein sehr gutes zu werden. Es dauerte nicht einmal zwei Minuten, bis der Club zum ersten Mal gefährlich wurde. Fürths rechter Verteidiger Marco Meyerhöfer ging gegen Robin Hack etwas zu sorglos in den Zweikampf, der Ball landete vor Enrico Valentinis Füßen, dessen Schuss Fürths Sascha Burchert allerdings zur Ecke abwehren konnte.

Nach vier Minuten hatte der FCN bereits drei Ecken, doch dann übernahm die Spielvereinigung mehr und mehr die Kontrolle. Havard Nielsen steckte im Strafraum durch auf Meyerhöfer, dessen Hereingabe Daniel Keita-Ruel am Fünfmeterraum nur um wenige Zentimeter verpasste. Mit jeder gelungenen Kombination, mit jedem gewonnen Zweikampf, mit jeder leichten Annäherung ans Nürnberger Tor wurde das Kleeblatt sicherer und gewann an Selbstvertrauen.

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Paul Seguin probierte es aus der Distanz, er wusste ja auch, dass da beim Gegenüber in Felix Dornebusch ein Mann im Tor stand, dem es an Spielpraxis fehlte. Den nicht allzu platzierten Schuss ließ Dornebusch nach vorne abprallen, hatte ihn dann aber im Nachfassen sicher. Es sollte tatsächlich der einzige Schuss aufs Nürnberger Tor sein, denn so sehr das Kleeblatt danach dominierte, gefährlich wurde es für Felix Dornebusch nicht. Der sehr umtriebige Branimir Hrgota tanzte nach knapp einer Viertelstunde mehrere Nürnberger aus, wartete dann aber zu lange mit dem Abschluss, bei einer Hereingabe von Hrgota verstolperte Sebastian Ernst kurz darauf den Ball am Sechzehnmeterraum.

Geis' Standardkunst verpufft 

Anschließend verflachte das Spiel mehr und mehr, gefährlich wurde es erst wieder, als der ehemalige Fürther Johannis Geis vor der Fürther Nordtribüne zum Freistoß anlief. Sein Versuch aber landete in der Mauer, der Nachschuss von Robin Hack zehn Meter neben dem Tor. Der hämische Applaus der Fürther Fans für Geis‘ Schuss war ein kurzes Zeichen der gegenseitigen Verachtung, ansonsten wirkte die Atmosphäre beinahe seltsam entspannt, beide Fanlager sangen ihre Lieder, Derbyatmosphäre aber kam kaum auf. Als Schiedsrichter Manuel Gräfe zur Halbzeit pfiff, mussten sich die Fürther ärgern – schließlich hatten sie es trotz überwiegender Dominanz verpasst.

Die zweite Hälfte begann dann wie die erste: mit einer Chance für den Club. Nikola Dovedan fand nach einem Konter in der Mitte Michael Frey, der den Ball aber nicht im Tor unterbrachte. Und nur Sekunden später setzte sich Frey wieder durch, sein Schuss aber landete ein paar Meter neben dem Tor. Der Club wurde nun immer gefährlicher, oft war Frey beteiligt.

Nach 56 Minuten forderten alle Nürnberger, auf und neben dem Rasen, einen Elfmeter, Maximilian Wittek aber hatte den Schuss von Sebastian Kerk für Gräfes Empfinden mit der Schulter ins Toraus gelenkt. Das Spiel wurde nun wilder, die Fürther befreiten sich aus dem Nürnberger Pressing – und wurden selbst gefährlich. Marco Meyerhöfer stand plötzlich im Strafraum frei, seinen Schuss aus spitzem Winkel lenkte Dornebusch über die Latte, Mergim Mavrajs Distanzschuss flog knapp über die Latte.

Danach erhöhte der FCN den Druck wieder, eine wirkliche Gefahr aber strahlten auch die Nürnberger Versuche nicht aus. Beide Trainer reagierten dann, Jens Keller brachte Iuri Medeiros für Sebastian Kerk (63.), Stefan Leitl tauschte auf der linken Außenbahn: Stefaniak kam für Mohr (70,), sechs Minuten später kam Leweling für Hrgota. Am gefährlichsten wurde es aber erst wieder, als der Mann am Ball war, der die Trikots beider Vereine kennt: Einen Freistoß von Johannes Geis lenkte Sascha Burchert gerade noch am Pfosten vorbei (81.). Das Spiel wurde nun noch einmal hitziger, im Fürther Fanblock leuchtete Pyrotechnik auf, es gab Gelbe Karten – aber keine Tore. 

 

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Spannend wurde es aber noch zweimal: Lewelings Versuch rettete Frey kurz vor der Linie, im Gegenzug legte Schleusener quer auf den mitgelaufenen Medeiros – der alleine auf das Fürther Tor zulief, aber einen Meter an diesem vorbei schoss. Es war der letzte Aufreger in diesem 265. Frankenderby, das um 15.21 Uhr mit einem torlosen Unentschieden zu Ende ging.

SpVgg Greuther Fürth: Burchert - Meyerhöfer, Caligiuri, Mavraj , Wittek - Seguin, Mohr (70. Stefaniak), Ernst, Nielsen - Hrgota (76. Leweling), Keita-Ruel

1. FC Nürnberg: Dornebusch - Sorg, Sörensen, Mühl, Valentini - Behrens, Geis, Hack, Dovedan (78. Schleusener), Kerk (63. Medeiros) - Frey

Tore: - | Gelbe Karten: Mavraj - Frey, Behrens, Sorg | Schiedsrichter: Gräfe (Berlin) | Zuschauer: 16.626 (ausverkauft). 

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