Rot für Schäffler

2:2 beim Jahn! Auch der Tabellenführer kann den Club nicht schlagen

12.9.2021, 15:46 Uhr
Der Ausgleich im Jahn-Stadion: Dovedan staubt zum umjubelten 2:2-Endstand ab.

Der Ausgleich im Jahn-Stadion: Dovedan staubt zum umjubelten 2:2-Endstand ab. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

Der Sportvorstand wollte seinen Geburtstag natürlich auch im Jahn-Stadion ein bisschen feiern. 57 ist Dieter Hecking am Sonntag geworden, herzlichen Glückwunsch, ein zumindest kleines Erfolgserlebnis hätte es deshalb schon sein können für seinen 1. FC Nürnberg. Um seine gute Stimmung nicht unnötig einzutrüben am Ehrentag.

Geworden ist es beim 2:2 (1:1) immerhin ein Punkt, obwohl Tempelmann seine Elf sogar in Führung gebracht und Duman kurz vor Schluss das 3:2 auf dem Fuß hatte. Besuschkow (38.) und Wekesser (53.) mit einem direkt verwandelten Freistoß (53.) drehten die Partie zugunsten des alten und neuen Tabellenführers, Dovedan glich in der 79. Minute erneut aus. Schäffler sah in der Nachspielzeit nach einer Grätsche von der Seite gegen Faber noch die Rote Karte.

"Ich glaube, wir können selbstbewusst auftreten", sagte Geburtstagskind Hecking vorab bei Sky, "ärgern" wollten sie den Tabellenführer vor über 10000 Zuschauern – das ist ihnen gelungen, wenngleich sogar noch etwas mehr drin gewesen wäre. Hätte der überragende Mathenia in der 88. Minute allerdings nicht aus fünf Metern gegen Albers gerettet, hätten sie wohl die erste Saisonniederlage hinnehmen müssen.

Edel-Fan Söder auf der Tribüne

Die zarte Euphorie ringsum nach saisonübergreifend nur einer Niederlage in 16 Pflichtspielen hatte der Trainer sowieso nicht ganz nachvollziehen können. "Der nächste Schritt kann halt nicht sein, vom Europapokal zu träumen", sagte er in den Tagen zuvor. Und machte deshalb auch bei seiner Aufstellung keine verrückten Sachen.

Die Startformation ließ er im Vergleich zum 2:1 gegen den KSC vor 16 Tagen unverändert. Dovedan durfte deshalb trotz diesmal auch sichtbar dicker Lippe erneut den zweiten Stürmer neben Shuranov geben, Söder nahm auf der Tribüne Platz – der Bayerische Ministerpräsident und bekennende Club-Fan sah eine ausgeglichene erste Halbzeit, in der beide Mannschaft wie erwartet zunächst das Risiko mieden.

Wegen eines taktischen Fouls nach eigenem Ballverlust sah Geis bereits nach 55 Sekunden die Gelbe Karte, kurz darauf lag Valentini infolge eines Zweikampfs mit Breitkreuz länger am Boden. Der erste erfreuliche Höhepunkt aus Nürnberger Sicht brachte gleich die Führung: Nach flüssiger Kombination flankte Möller-Daehli auf Tempelmann, der überlegt gegen die Laufrichtung des Torhüters einköpfte (19.).

Shuranov geblockt

Vier Minuten zuvor hatte Mathenia mit einer glänzenden Parade nach einem Beste-Schlenzer noch den Rückstand verhindert; die Partie nahm langsam Fahrt auf, allerdings nur zwischen den Strafräumen. Im Strafraum fehlte auch den Gästen bei zwei, drei vielversprechenden Angriffen die letzte Entschlossenheit. Anstatt einfach mal abzuziehen, wollten Möller-Daehli oder Dovedan lieber den vermutlich besser postierten Nebenmann einsetzen. Pech hatte Shuranov mit seinem in höchster Not geblockten Abschluss (32.).

Wie es geht, demonstrierte Besuschkow sieben Minuten vor der Pause. Weil Krauß‘ nur halbherzig störte, hatte der defensive Mittelfeldspieler plötzlich freie Schussbahn und traf aus knapp 20 Metern zum Ausgleich. Der Jahn wollte umgehend nachlegen, lief sich im aufmerksamen Defensivverbund der Nürnberger aber wiederholt fest.

Zum zweiten Durchgang trat der Club leicht angeschlagen an; Tempelmann kehrte nach einem Zusammenprall mit Boukhalfa mit einem Kofverband zurück, Valentini gar nicht mehr, der ebenfalls über Kopfschmerzen geklagt haben soll. Fischer ersetzte den Kapitän rechts hinten und hatte gleich ordentlich zu tun, weil der Jahn Druck machte. Gimber prüfte Mathenia mit seinem satten Linksschuss, auch bei Singhs gefährlicher Hereingabe war auf Nürnbergs Nummer eins Verlass.

Wekessers Traumtor

Auf der anderen Seite setzte Shuranov die Kugel nach schöner Vorarbeit von Tempelmann knapp neben den Pfosten (49.), vier Minuten später lag der Club aber zurück: Weil Schindler den davoneilenden Albers nur auf Kosten eines Fouls hatte stoppen können, durfte sich Wekesser den Ball zurechtlegen. Den fälligen Freistoß zirkelte er aus halbrechter Position mit links gekonnt über die Mauer und in den Winkel, Mathenia hatte in der 53. Minute keine Chance.

In der 58. konnte der Schlussmann immerhin das 1:3 durch Beste verhindern; Regensburg drehte jetzt richtig auf, der Club schwamm phasenweise bedenklich. Trainer Klauß reagierte und wechselte Nürnberger und Duman für Tempelmann und Geis ein, der als Taktgeber nicht wirklich funktionierte. Nach etwa 65 Minuten wirkten die Gäste wieder etwas stabiler und konnten sich hin und wieder befreien, ohne dabei torgefährlich zu werden.

Erst in der Schlussviertelstunde trauten sich die Nürnberger wieder etwas mehr; nach energischer Vorarbeit von Schäffler staubte der nicht nur wegen seines Tores auffällige Dovedan zum 2:2, ehe sich in den letzten Minuten die Ereignisse überschlugen. Der Sportvorstand wird trotzdem nicht unzufrieden sein mit dem Geschenk der Mannschaft.

Regensburg: A. Meyer – Faber, Breitkreuz, Nachreiner, Wekesser – Gimber, Besuschkow – Beste (87. Zwarts), Boukhalfa (46. Saller), Singh (76. Makridis) – Albers
Nürnberg: Mathenia – Valentini (46. Fischer), C. Schindler, Sörensen, Handwerker – Geis (60. Duman) – Krauß, Tempelmann (60. Nürnberger) – Möller Daehli – Schuranow (69. Schäffler), Dovedan (90.+1 Borkowski).
Schiedsrichter: Schlager (Rastatt) – Zuschauer: 10 105. - Tore: 0:1 Tempelmann (19.), 1:1 Besuschkow (38.), 2:1 Wekesser (53.), 2:2 Dovedan (79.). - Rote Karte: – / Schäffler (89./grobes Foulspiel). - Gelbe Karten: Besuschkow (1), Beste (1), Breitkreuz (2), Nachreiner (1) / Geis (2), Tempelmann (2), Schindler (2)


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