1:0 gegen Bielefeld

Happy End mit Köpfchen: Tempelmanns Last-Minute-Tor erlöst den Club

Uli Digmayer

Sportredaktion

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9.9.2022, 20:40 Uhr
Die Erlösung: Mittelfeldspieler Lino Tempelmann (links) köpft den Club gegen Bielefeld in der Schlussminute zum Sieg.

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink Die Erlösung: Mittelfeldspieler Lino Tempelmann (links) köpft den Club gegen Bielefeld in der Schlussminute zum Sieg.

Dass da am achten Zweitliga-Spieltag im Max-Morlock-Stadion so etwas wie ein Kellerduell zu sehen sein würde, hätte wohl kaum ein Experte vor der Saison zu prophezeien gewagt. Immerhin trafen sich an diesem Freitagabend mit dem 1. FC Nürnberg und Arminia Bielefeld ein selbsternannter Aufstiegsanwärter und ein ambitionierter Bundesliga-Absteiger. Ein Blick auf die Tabelle genügte aber, um die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu erkennen: Es spielte da der Vierzehnte gegen den Fünfzehnten.

An diese Tabellenregion werden sich wohl vor allem die Gäste trotz des jüngsten Aufwärtstrends unter dem neuen Trainer Daniel Scherning noch ein bisschen gewöhnen müssen. Ein später Kopfballtreffer von Lino Tempelmann (90.) bescherte einem bemühten, aber lange Zeit glücklosen Club einen erlösenden 1:0 (0:0)-Sieg.

Eine "große Bedeutung" hatte Robert Klauß dieser Partie nach zuletzt zwei Niederlagen attestiert, der Trainer wirkte dabei aber nicht sonderlich angespannt oder gar wie jemand, der um seinen Job bangen müsste. Seine Anfangsformation hatte Klauß nach der ernüchternden 2:4-Schlappe in Braunschweig allerdings doch auf vier Positionen modifiziert: In der Innenverteidigung kehrte wie angekündigt Christopher Schindler zurück, für den Kapitän musste Florian Hübner weichen. Zudem erhielt auf der rechten Seite wieder Enrico Valentini den Vorzug vor Jan Gyamerah.

Im defensiven Mittefeld verdrängte der 19-jährige Sadik Fofana den zuletzt überforderten Routinier Johannes Geis und bildete mit Lino Tempelmann eine Doppelsechs. Die größte Überraschung gab es aber in der Offensive, wo Felix Lohkemper den Vorzug vor Christoph Daferner bekam - für den Langzeitpatienten war es in der Liga die erste Startelf-Nominierung seit 21 Monaten.

Lohkemper in der Startelf

Auf ein vorsichtiges Abtasten verzichteten beide Mannschaften, vor 26.641 Zuschauern ging es gleich munter los. Nach vier Minuten steuerte der Ex-Nürnberger Robin Hack nach feinem Steckpass der Stuttgarter Leihgabe Mateo Klimowicz auf das Tor zu, Christian Mathenia konnte die Situation aber an der Strafraumkante bereinigen. Nach diesem ersten kleinen Schreckmoment übernahm aber immer mehr der Club die Kontrolle - und erspielte sich auch Chancen. Erik Wekesser bereitete Bielefelds Keeper Martin Fraisl mit einem Distanzschuss ein paar Probleme (8.), dann verfehlte Lohkemper mit einer Direktabnahme das Tor nur knapp (14.).

Vor allem aber Kwadwo Duah sorgte als einzige echte Spitze für Unruhe im Strafraum der Gäste: Erst scheiterte der Schweizer nach Zuspiel von Jens Castrop aus spitzem Winkel am stark reagierenden Fraisl (16.), dann setzte er einen Volleyschuss in aussichtsreicher Position über das Tor (25.) und köpfte den Ball schließlich zu unplatziert in Fraisls Arme (26.).

Es hätte also durchaus 1:0 heißen können für einen engagierten Club, der den Ostwestfalen nach einer halben Stunde zwar etwas mehr Freiräume gestattete, dabei aber kaum ernsthaft in Bedrängnis geriet und kurz vor der Pause sogar noch durch Castrops Kopfball an der Führung schnuppern durfte (44.).

Kurz nach dem Wechsel schienen die Bemühungen dann endlich belohnt zu werden: Nach einem Ballgewinn von Fofana gegen Guilherme Ramos setzte Mats Möller Daehli geistesgegenwärtig Lohkemper in Szene, dessen Querpass Duah nur noch einzunetzen brauchte (52.). Der Jubel war groß im Achteck, doch verweigerte Schiedsrichter Alexander Sather nach Überprüfung durch den Videoassistenten dem Treffer die Anerkennung: Lohkempers Schulter befand sich beim Abspiel knapp im Abseits - die kalibrierte Linie lässt grüßen.

Duah im Schusspech

Auch einen erneuten Blackout von Ramos wusste der Club nicht zu seinen Gunsten zu nutzen, nach einem Fehlpass des Portugiesen drosch Duah den Ball etwas überhastet über das Tor (68.). Zwei Minuten später hatte Lohkemper Dienstschluss, Daferner sollte der Offensive noch einmal neue Impulse geben. Zunächst aber hatte der Club Glück, dass Masaya Okugawa den Ball freistehend in Mathenias Arme köpfte (73.).

Viel schien Nürnberg nach vorne nicht mehr einzufallen, dann aber bescherte der starke Tempelmann seiner Elf in der Schlussminute mit einem platzierten Kopfball nach einem Freistoß von Möller Daehli noch den umjubelten Siegtreffer, der dem Club vor dem Auswärtsspiel am nächsten Samstag bei starken Darmstädtern etwas Luft verschafft. Auch wenn es immer noch ein weiter Weg zur erhofften Spitzenmannschaft ist.

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