Ende eines vermeintlichen Skandals

Nach peinlichen Pfiffen bei FCN-Sieg: Gericht beendet Diskussionen um Jatta

Fadi Keblawi
Fadi Keblawi

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8.3.2022, 11:35 Uhr
Endlich wieder nur Fußball: Bakery Jatta (rechts gegen Nürnbergs Tim Handwerker) ist tatsächlich Bakery Jatta.

© Daniel Marr/Sportfoto Zink Endlich wieder nur Fußball: Bakery Jatta (rechts gegen Nürnbergs Tim Handwerker) ist tatsächlich Bakery Jatta.

Erst am Samstagabend wieder haben Menschen im Max-Morlock-Stadion bewiesen, dass sie zu jeder Zeit in der Lage sind, sich selbst bis auf die Knochen zu blamieren. Der 1. FC Nürnberg feierte da einen sehr stimmungsvollen 2:1-Heimsieg gegen den Hamburger SV und bewies einmal mehr, dass er in dieser Saison zu den besseren Mannschaften der zweiten Fußball-Bundesliga gehört.

Getrübt wurde die fröhliche Stimmung aber von Pfiffen, mit dem Teile des Nürnberger Anhangs den Hamburger Spieler Bakery Jatta bedachten. Das war unnötig, peinlich und hat eine Vorgeschichte. Der Gambier Jatta steht seit Jahren im Verdacht, nicht Bakery Jatta zu sein, sondern der zweieinhalb Jahre ältere Bakary Daffeh, der auf der Flucht nach Europa seine Identität geändert habe, um so einfacher als Flüchtender anerkannt zu werden.

In die Welt gesetzt hat das Gerücht die Sport-Bild, geführt hat das 2019 unter anderem dazu, dass der 1. FC Nürnberg - wie auch andere Zweitliga-Rivalen der Hamburger - und sein damaliger Sportvorstand Robert Palikuca Protest einlegten gegen die Wertung eines verloren gegangenen Spiels gegen den HSV, bei dem Jatta mitgewirkt hatte.

Der Fairplay-Gedanke ("Im Fußball zählt, was auf dem Platz passiert", hatte unter anderem Hannover 96 mitgeteilt und auf einen Prozess verzichtet) und erst recht die politische Brisanz der Kausa machten sie über den Fußball hinaus interessant – sie bediente üble Klischees; der in Hamburg beispielhaft integrierte Jatta sollte auf einmal jener böse, betrügerische Flüchtling sein, der Rassisten als Vorlage für ihre Demagogie dient.

Der Club zögert zu lange

"Peinlich und gefährlich" nannte deshalb die "Zeit" die Protestnoten der Hamburger Liga-Rivalen, der 1.FC Nürnberg bekam Beifall von der falschen, von der ultarechten Seite. Der Club verpasste damals den richtigen Zeitpunkt, um seinen Protest zurück zu ziehen, tat es dann aber doch. "Wir bedauern es sehr, dass die Diskussionen (...) besonders emotional geführt wurden", heißt es in jener Mitteilung, mit der der Club damals seinen Einspruch zurückzog: "Die Anfeindungen gegen ihn (Jatta, d. Red.) wie auch die populistische oder parteipolitische Instrumentalisierung verurteilen wir auf das Schärfste. Wir wünschen Bakery Jatta alles erdenklich Gute!"

Dieser Wunsch erfüllte sich nicht. Vor allem in den Boulevardmedien der Springerpresse wurden weiterhin Zweifel an Jattas Identität genährt. Und auch die Hamburger Staatsanwaltschaft hatte noch im Dezember 2021 Anklage gegen Jatta erhoben, weil es sich bei ihm um Daffeh handeln soll. Jatta waren Vergehen gegen das Aufenthaltsgesetz in vier Fällen sowie in einem weiteren Fall mittelbare Falschbeurkundung vorgeworfen worden.

"Ausermittelt"

Jetzt hat das Amtsgericht Hamburg-Altona die Eröffnung des Hauptverfahrens aber abgelehnt. "Es gibt keinerlei Tatverdacht und keinen Anlass für weitere Ermittlungen", sagte Jattas Anwalt Thomas Bliwier der "Deutschen Presseagentur", "das ist ausermittelt." Die Staatsanwaltschaft kann zwar noch Beschwerde gegen die Entscheidung einlegen, würde sich damit aber mindestens so blamieren, wie die Menschen, die am Samstag im Max-Morlock-Stadion meinten, Jatta auspfeifen zu müssen.

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