Donnerstag, 24.10.2019

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100 Prozent bei 96: Dem Club ist die Statistik wurscht

Wie, was, 4:0? Das Canadi-Team beeindruckt in Hannover mit Effizienz und mehr - 01.10.2019 13:57 Uhr

Turbodribbling: Robin Hack und seine Nürnberger drehten Hannover am Montag durch den Wolf. © Sportfoto Zink / DaMa


Grau kommt der Club im fälschlicherweise oft grundsätzlich als grau beschriebenen Niedersachsen an einem leuchtend hellen Montagabend nur in einer Kategorie daher. In der HDI-Arena führt der Altmeister erstmals im noch jungen Liga-Betrieb seine maus-stein-oder-zementgrauen Ausweichtrikots vor. Und hat in ihnen, egal was Mode- und Statistikexperten zu den Jerseys sagen, in einem aus rot-schwarzer Sicht beeindruckenden Ballerspiel mächtig Erfolg. Mit einem krachenden 4:0 beim Co-Absteiger knallt der FCN die mühselige Interpretation, ob er vor seiner Fahrt an den Maschsee drei Mal in Folge nicht gewonnen oder vier Mal in Serie nicht verloren hat, in die Schublade.

Ein Befreiungsschlag ist der Sieg in Hannover für den Club in vielfältiger Hinsicht. Tabellarisch, psychologisch, allgemein und überhaupt. Auch angesichts dessen, dass Damir Canadi die Schonfrist für seine Spieler, welche den Anforderungen des enorme Aktivität verlangenden Trainers bislang zu selten entsprochen hatten, jüngst für beendet erklärt hatte. Und sein Team? Das liefert in Hannover, ist von Beginn an hellwach, konzentriert sowie zupackend in der Defensive und entschlossen in der Chancenverwertung. Komfortabel in Führung, präsentiert sich ein mit gnadenloser Effizienz aufwartender Club schließlich auch noch griffig in der Vorwärtsbewegung. "Heute haben wir vieles gut und richtig gemacht", wird ein nicht mehr mäkelnder Damir Canadi nach Abpfiff einen aus Nürnberger Sicht optimalen Spielverlauf und ein fast schon optimales Spiel seiner Mannschaft konstatieren.

+++ Alles gut beim FCN? Nach der 96-Gala gibt's eine Fünf +++

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Blitzstart und Solo-Hack: Das war die Club-Gala in Hannover

Ein Blitz-Tor nach drei Minuten, Hanno Behrens erlöst sich selbst und Robin Hack finalisiert sein Super-Solo. Die erste Halbzeit des 1. FC Nürnberg bei Hannover 96 hätte besser nicht laufen können - und war mehr als die halbe Miete für den nahezu ungefährdeten und nicht minder wichtigen 4:0-Auswärtssieg an der Leine. Viel Club, viel Freude und viele Bilder!


Doch der Reihe nach - und damit zur Statistik: Während der Club im ersten Durchgang mit hundertprozentiger Chancenverwertung den 96ern einen Schock nach dem nächsten verpasst, bereits zur Pause souverän mit 3:0 führt, hat Hannover statistische Vorteile. Und das abseits der Tore sogar drastisch. Zur Pause - kurz vor ihr hat Hochgeschwindigkeitsfußballer Robin Hack nach einem herrlichen Solo-Lauf Nürnbergs dritten Treffer markiert - werden sechs Torschüsse für die Hausherren notiert. Und drei für die Franken. Die Slomka-Schützlinge haben mehr als dreimal so viele Pässe wie der FCN gespielt und bei einer Passquote von 83 Prozent diese auch mehr als ein Drittel häufiger als der Club zum Teamkollegen gebracht.

20 Prozent und ein 4:0! 

Der Ballbesitz der 96er? Zwischenzeitlich überschreitet er die 80-Prozent-Marke. Bei Spielende stehen 77 Prozent sowie ein Eckenverhältnis von 6:1. Und ein 4:0 für einen coolen Club, bei dem der aufgerückte Georg Margreitter als Blitzstarter und Schlusswortgeber in Erscheinung tritt. Darüber hinaus machen der Doppelpacker, ein enorm aufmerksamer Asger Sörensen und ein gewohnt nissiger Lukas Jäger das Abwehrzentrum dicht. Hannover hat Feldvorteile, es gegen einen ausbalancierten, ungemein disziplinierten Club aber enorm schwer. Der FCN überlässt den 96ern den Ball, wird dabei aber nicht wie zuletzt gegen Karlsruhe passiv. Er läuft gut an, ist giftig, gut sortiert und bleibt aktiv. Mit Johannes Geis, der mit einer Passquote von 71 Prozent Nürnbergs Bester in dieser Kategorie ist.

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Einzigartig ist nur Einer: Die Einzelkritik zum 4:0-Club in Bildern

Zu sorglos darf der Club in den kommenden Spielen freilich nicht auftreten. Der Ex-Hannoveraner Oliver Sorg etwa bekommt von NZ-Redakteur Stefan Jablonka nach dem 4:0-Auswärtssieg des Altmeisters nur eine 4 ins Arbeitszeugnis gesetzt. Ansonsten sind die Noten echt gut, bis auf eine Ausnahme. Auch darüber müssen wir reden!


Nach der Pause lässt der Hunderprozentig-Club einige Hochkaräter liegen, setzt in Person von Georg Margreitter aber trotzdem noch den Schlusspunkt - die Vorarbeit liefert Geis. “Das war das perfekte Auswärtsspiel. Wir lassen die Heimmannschaft spielen und machen mit der ersten Standard-Chance direkt das Tor. Das hat uns in die Karten gespielt. Nach vorne hat wirklich alles funktioniert. Wir haben aber auch geschlossen und organisiert nach hinten verteidigt, Chris (Mathenia, Anmerkung der Redaktion) hatte kaum etwas zu halten. Jeder hat sich reingehauen, die kämpferische Leistung heute war unser Faustpfand", wird Doppeltorschütze Margreitter nach Abpfiff analysieren. 4:0 in Hannover! Wen interessieren da schon maus-stein-oder-zementgrauen Ausweichtrikots? Oder eine dröge Statistik? 

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Geht doch, Club! Famose Noten nach einem famosen 4:0

Das hat richtig Spaß gemacht. Der FCN legt an der Leine furios los. Nach dem frühen 1:0 zeigt er sich in der Abwehr konzentriert und vor der Hannover-Kiste eiskalt. Nach der Pause wird's aus Club-Sicht sogar noch schöner. Ebenso schön sind zum Großteil auch die Zensuren, welche die Nürnberger nach dem fulminanten Sieg ins Arbeitszeugnis gedruckt bekommen. Keine Worte, nur Noten!


 

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Begeisterte Club-Fans: "So kann man für die Bundesliga planen"

"Wann hast du das letzte Mal einen so hohen Club-Sieg gesehen?" Diese Frage hörte man im Cantina im Nürnberger Norden tatsächlich mehr als einmal. Viele Fans waren überrascht über diesen deutlichen Sieg, doch die volle Euphorie blieb bei den meisten aus. Zu groß war die Enttäuschung über den mauen Saisonstart. Andere hingegen reden schon wieder von Bundesliga.


 

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