Behrens und der Club: Beziehungsende in Nürnberg

Fadi Keblawi
Fadi Keblawi

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9.3.2021, 19:06 Uhr
Erinnerung an schöne Zeiten: Hanno Behrens verlässt Enrico Valentini und den Club

Erinnerung an schöne Zeiten: Hanno Behrens verlässt Enrico Valentini und den Club © Sportfoto Zink / WoZi, ARC

Eine allzu große Überraschung war es nicht mehr, was der 1. FC Nürnberg da am Dienstagnachmittag verkündet hat. Hanno Behrens wird den 1. FC Nürnberg im Sommer verlassen. Sechs gemeinsame Jahre werden dann zu Ende gehen und man darf das durchaus ein wenig traurig finden.

Man durfte es auch einigermaßen kurios finden, dass Behrens überhaupt beim 1. FC Nürnberg gelandet ist. Der sah im Sommer 2015 nämlich auch mal wieder gar nicht so attraktiv aus, wie er das gerne hätte. Und Behrens hatte in diesem Sommer 2015 die Zeit seines Lebens mit dem SV Darmstadt 98. Der stieg auch dank der Zuarbeit Behrens’ damals in die erste Liga auf – als das noch nicht mehr war als eine schöne Vorstellung, hatte Behrens schon in Nürnberg einen Vertrag unterschrieben.

Man muss, sagte Behrens, als er damals diesen Wechsel erklären sollte, auch an die Zukunft denken. Vor allem die finanziellen Perspektiven schienen ihm in Nürnberg besser: "Wir haben ja nur Zeit, bis wir 32 sind." In ein paar Tagen wird Behrens 31 und dann endet seine Zeit in Nürnberg, die dann tatsächlich auch eine sportlich schöne wurde.

Geschichten vom Kap Horn

Zunächst einmal aber gab es vor allem schöne Geschichten, die Behrens zu erzählen hatte. Die vom Zweitliga-Aufstieg mit Darmstadt in den atemberaubenden Relegations-spielen gegen Arminia Bielefeld zum Beispiel. "Der schönste Tag meines Lebens", sagte Behrens. Oder die Geschichte von seinem Urgroßvater. Jürgen Jürs war eine Seefahrts-Legende, 66 Mal hat der das Kap Horn umfahren und gilt als der letzte Kapitän der Geschichte, der ausschließlich Frachtsegler ohne Motorhilfe führte. In Nürnberg, der Stadt der Dutzendteich-Tretbootfahrer, machte so etwas schon Eindruck.

Und vielleicht war es zwangsläufig, dass der Kapitäns-Urenkel dann irgendwann selbst Kapitän wurde – wenn auch nur der Fußballmannschaft in der Tretbootfahrerstadt. Er war ein großartiger Kapitän, einer der den Club tatsächlich in die Bundesliga geführt hat. Eine Übung, die man sich unter den Eindrücken der Gegenwart ähnlich kompliziert vorstellt wie die Umsegelung von Kap Horn. Behrens schoss Tore, Behrens bereitete Tore vor. Vor allem aber wurde Hanno Behrens dem 1. FC Nürnberg und seinen Anhängern zu einem Kapitän der Herzen.

Ein empathischer Mensch

Ein Kapitän, der sich vor sehr genau einem Jahr mit einem Text in den Nürnberger Nachrichten zu Wort meldete. Die Pandemie begann damals erst und die Mannschaft des 1. FC Nürnberg befand sich in Quarantäne, weil sich Fabian Nürnberger infiziert hatte. "Empathie und Mitgefühl sind jetzt gefragt." So lautete die Überschrift zu dem Text, in dem Behrens um Verständnis warb für die vielen Beschränkungen im Leben der Menschen.

Empathie und Mitgefühl – das waren auch Dinge, die Behrens ausgezeichnet haben. "Vielleicht muss ich mehr auf mich schauen, aber ich habe eben ein Gespür für Menschen und versuche zu helfen, wo es getan werden muss", hat er in der abgelaufenen Saison gesagt. Er sagte das, als er sportlich nicht mehr unumstritten war. Als ihn der damalige Trainer Damir Canadi gegen Osnabrück zunächst auf die Bank setzte, wurde das ein Politikum.

Die Fans sangen nach dem Spiel für Behrens, wirklich wichtig wurde er aber auch in der Folge auf dem Platz nicht mehr beim Club. "Für Hanno Behrens ist immer Platz" hat der aktuelle Trainer noch im Oktober gesagt. Das gilt jetzt nur noch bis zum Sommer.

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