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Canadi-Schelte beim FCN: Mühl hat endlich einen Plan

Mutig, trotzig, hoffnungsfroh: Der Club-Verteidiger lobt den neuen Coach - 28.11.2019 10:19 Uhr

Noten hin oder her! Lukas Mühl freut sich darüber, unter Jens Keller verteidigen zu dürfen. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink


4,0 - 4,5 - 4,5 - 4,0 - 5,5 - 6,0: Wer sich über die Saison des Innenverteidigers Lukas Mühl nur über die Spielberichte im Fachmagazin kicker unterrichtet, dürfte sich einigermaßen erschrecken. Beim kicker verteilen sie nach jeder Partie Schulnoten für die Spieler und bei Lukas Mühl las sich das bis zum Derby bei der SpVgg Greuther Fürth so, Durchschnittsnote 4,9. 

"Lukas Mühl ist scheiße" 

Man muss sich aber dem Innenverteidiger Lukas Mühl nicht unbedingt nur über die Spielberichte im kicker nähern, sagt Lukas Mühl. Er meint damit nicht, dass man zusätzlich noch diverse Kommentare in den sozialen Medien lesen soll. Dort werden zwar keine Noten vergeben, das Urteil aber klingt ähnlich niederschlagend: “Lukas Mühl ist scheiße“, sagt Lukas Mühl. Es ist nicht unbedingt die Saison des 22 Jahre jungen Mühls, so viel kann man vielleicht schon festhalten, wie unerbittlich die Kritik sich an ihm festmacht, ist allerdings schon erstaunlich. Beeindruckend muss sie auch sein für einen, der sich noch nicht so lange in der Welt des Profifußballs bewegt, zumal wenn er im eigenen Stadion als Hauptschuldiger ausgemacht wird. 

Gegen Arminia Bielefeld verlor der Club vor zwei Wochen 1:5, die gesamte Mannschaft war desolat - und viele Menschen im Max-Morlock-Stadion pfiffen und schimpften nur auf Mühl. Zwei Wochen später sagt Mühl, dass er sich auf jedes Heimspiel freut, weil er sich das immer gewünscht hat, als er beim Club noch ein Nachwuchsspieler war. Und die Pfiffe? "Die nehme ich nicht persönlich", sagt Mühl. Die Beleidigungen im Internet? “Die wenigsten Menschen würden sich im wahren Leben trauen, so etwas zu sagen. Die wenigsten spielen Fußball - von daher sollte man darüber lachen“, sagt Mühl. Er sagt das nach seinem besten Saisonspiel, im kicker gaben sie ihm nach dem 0:0 in Fürth die Note 3,5, eine kleine Sensation. 

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Über das Derby sagt Mühl, dass es “ein kleiner Schritt nach vorne“ war. Nicht nur für ihn, er sieht das gesamtheitlich: “Alle elf Spieler haben gut gegen den Ball gearbeitet.“ Das soll auch heißen, dass bis zum Derby nicht immer alle elf Spieler gut gegen den Ball gearbeitet haben. Überraschend kommt das nicht, der 1. FC Nürnberg des Jahrgangs 2019/20 versammelt viele für Zweitliga-Verhältnisse überdurchschnittlich begabte Offensivspieler in seinem Aufgebot, Defensivarbeit ist für die dann manchmal eine, die zu vernachlässigen ist. Was dabei herauskommt: 27 Gegentore in bis zum Derby 13 Spielen und ein Innenverteidiger, der im eigenen Stadion ausgepfiffen wird. 

"Da ist ein System dahinter, das tut uns gut" 

Dass es dem Trainer Damir Canadi nicht gelungen ist, diese Unwucht im Nürnberger Spiel abzustellen, hat letztlich auch zu seiner Entlassung geführt. Dass sich über diesen personellen Schritt und Schnitt der Innenverteidiger Lukas Mühl besonders gefreut hat, sagt der natürlich nicht so explizit. Stattdessen lobt er Canadis Nachfolger Jens Keller. “Wie uns der Trainer einstellt und was er coacht, das ist sehr gut“, sagt Mühl, “da ist ein System dahinter, das tut uns gut.“

 

Sehr viel deutlicher kann man seinen ehemaligen Trainer eigentlich nicht kritisieren, wenn man lobend hervorhebt, dass der Neue endlich mal systematisch vorgeht. Mühl macht das mehrmals in diesem Gespräch. Im Derby, zum Beispiel, "haben wir einen Plan gehabt gegen den Ball, das tut gut". Oder: "Jeder Spieler hat seine eigenen Prinzipien und Vorstellungen - ich brauche einen klaren Plan." Den hat er jetzt angeblich, wie er auf Dauer zu ihm und den anderen passt, wird man unter anderem an Schulnoten ablesen können. 

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Fadi Keblawi

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