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Exklusives Trainer-Interview: Klauß analysiert das Club-Tief

"Beschissene" Punktlosigkeit: Coach will innerhalb des Teams "Dinge verändern" - 04.02.2021 05:48 Uhr

Als Robert Klauß im Sommer als Trainer des 1. FC Nürnberg vorgestellt wurde, war das durchaus eine Überraschung. Der 36-Jährige ist im Fußball-Imperium von Red Bull groß geworden und hat kaum Erfahrungen im Profi-Bereich. Jetzt muss Klauß dem Club durch die nächste Krise seiner krisenreichen Geschichte helfen.

03.02.2021 © Sportfoto Zink/DaMa


Herr Klauß, überfordert Sie der 1. FC Nürnberg?

Das ist ja eine geschlossene Frage, die kann ich nur geschlossen beantworten: nein. Aber vielleicht kann ich es etwas ausführen. Ganz oft und in vielen Teilen überfordert mich der Club nicht. Es gibt aber schon manchmal Dinge, von denen ich denke: Okay, die sind außerhalb meiner bisherigen Erfahrung. Da würde ich nicht von Überforderung sprechen, aber dass es neu ist.

Es war das tatsächlich eine Einstiegsfrage, die ich in unschöner Regelmäßigkeit verschiedenen Verantwortlichen des 1. FC Nürnberg stelle. Diese Regelmäßigkeit zeigt, dass der Club seit längerer Zeit im Krisenmodus ist. Wie haben Sie diesen Verein bislang kennengelernt?

Ich habe noch kein abschließendes Bild. Zwei Sachen fehlen mir: Erstens gibt es viele Menschen, die ich durch Corona noch nicht wirklich kennengelernt habe. Zweitens bin ich noch zu kurz hier. Ich würde gerne länger da sein, bevor ich mein Urteil über den Verein fälle.

Im Moment gibt es viele, die eher Ihren schnellen Abschied fordern. Wundern Sie sich manchmal über diesen Verein und das Empörungspotenzial im Umfeld? Sie haben gerade einen Fernseh-Auftritt hinter sich, der nicht so gut ankam.

Da haben sich Leute drüber empört?

Warum?

Fahrad, Lego, Dovedan

Die Szene war zu schlecht ausgeleuchtet, im Hintergrund stand ein Fahrrad, das viele an einen Keller erinnert hat.

Folge 81: Augen zu und durch

Das Fahrrad steht in der Wohnung, weil es sonst geklaut wird. Und: Wenn man genau hingeschaut hat, sah man im Hintergrund das Max-Morlock-Stadion und den Club-Bus, den ich über Weihnachten mit meinen Kindern aus Lego gebaut habe. Außerdem musste ich das Interview vor meinem Laptop sitzend in meiner Wohnung führen, weil es zu Corona-Zeiten zu dem Zeitpunkt nicht anders möglich war.

Die Empörung, die rund um den Club herrscht: Können Sie die ausblenden? Die Leute regen sich gefühlt über alles auf. Über Ihre späten Auswechslungen oder darüber, dass Nikola Dovedan immer wieder eine Chance bekommt.

Ich lese grundsätzlich keine Kommentare in sozialen Netzwerken. Ich habe aber extremes Verständnis für die Menschen hier im Umfeld, dass sie Angst haben und verunsichert sind. Die haben einfach viel Schlechtes in den letzten Jahren erlebt. Ich kann aber mein Handeln nicht danach ausrichten. Wir im Verein müssen unseren Weg festlegen und diesen Weg dann gehen. Den müssen wir erklären und immer wieder korrigieren, aber wir müssen ihn gehen und uns nicht permanent von kurzfristigen Emotionen leiten lassen, sonst werden wir keinen Erfolg haben.

Zu den konkreten Punkten: Dovedan benötigt Vertrauen, dann muss er das über einen längeren Zeitpunkt bekommen. Aber natürlich erwarten wir uns mehr von ihm. Und zu den Auswechslungen: Wir hatten zuletzt das Gefühl, dass uns die positiven Impulse fehlten, wenn wir gewechselt haben.

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Und so mussten Sie den angesprochenen Weg häufiger korrigieren als geplant?

Es sind Korrekturen. Ich gebe mal ein Beispiel. Am Anfang der Saison hatten wir den Plan, in der Grundordnung flexibel zu sein, oft zwischen Dreier- und Viererkette zu variieren. Im Herbst habe ich gemerkt, dass das der Mannschaft nicht gut tut. Also habe ich mich auf die Viererkette festgelegt. Da haben wir aber unseren Weg nicht verlassen, sondern nur korrigiert.

".... das ist beschissen"

Sie haben die Angst angesprochen: Wie nehmen Sie denn den Menschen diese Angst um ihren Fußballverein?

Das kann ich nicht. Das können wir nur gemeinsam mit Erfolgen. Ich kann nur meinen Job machen und den Menschen immer wieder sagen, dass wir um die Probleme wissen und dass wir daran hart arbeiten. Dass wir zu lange nicht gepunktet haben, das ist beschissen.

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Das große Thema: Stabilität

Sie haben im Sommer gesagt, die Leute würden überrascht sein, welches Potenzial in Ihren Spielern noch schlummert. Sind Sie in dieser Hinsicht zufrieden?

Es gibt zwei Sachen, die bedingen sich gegenseitig. Zum einen: Wie stabil ist die Mannschaft? Ist sie es, dann haben auch die Spieler, über die wir sprechen, gute Leistungen gezeigt. Über Lukas Mühl haben wir in dieser Saison schon gelesen, dass er in der Form seines Lebens ist. Das lag nicht nur daran, dass Lukas und Asger Sörensen gut gespielt haben, sondern daran, dass wir als Mannschaft stabil verteidigt haben.

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Jetzt fehlt die Stabilität bei allen?

Wir haben viele junge Spieler, die regelmäßig spielen. Die unterliegen in ihren Leistungen Schwankungen. Und auf der anderen Seite haben wir Spieler, die Stabilität benötigen, um ihre Leistungsfähigkeit abzurufen. Deshalb ist es wichtig, dass wir als Mannschaft immer sehr stabil sind. Aber das bedingt sich natürlich auch gegenseitig. Wenn die Spieler in einer besseren Verfassung sind, sind wir auch als Mannschaft stabiler, und dann profitieren alle davon.

Corona cancelte die Zugang-Pläne

Also zu viel Kategorie zwei?

Würde ich nicht sagen. Natürlich wünschen wir uns ein, zwei Spieler mehr, die unbelastet sind. Wir wussten aber vor der Saison, dass wir noch ein, zwei Transferperioden länger brauchen. Es war im Sommer wenig möglich und im Winter auch, weil uns Corona arg limitiert.

Dass dann im Winter mit Mats Möller Daehli ein Offensivspieler kommt, statt dass man die Verteidigung stärkt: Ist das ein bewusst gewähltes Risiko?

Der Transfer von Mats war länger geplant, weil wir auf den Ausfall von Pascal Köpke reagieren mussten. Der war als Schlüsselspieler eingeplant. Die Defensiv-Spieler, die zur Verfügung waren, hätten uns nicht geholfen. Die, die geholfen hätten, konnten wir nicht bezahlen.

"Die Mannschaft muss das dann umsetzen"

Noch so ein Thema, das gerade sehr heftig diskutiert wird. Man hat den Eindruck, der Club gibt sich unter Ihrer Anleitung vor allem reaktiv. Erst einmal schauen, was der Gegner so macht. Richtig?

Das würde ich komplett von uns weisen. Viele Leute denken, dass alles, was auf dem Platz passiert, genau so vorab erdacht worden ist. Das ist aber mitnichten der Fall. Man hat immer eine Vorstellung, wie so ein Spiel laufen kann, das tritt aber selten ein. Es geht darum, der Mannschaft in der Vorbereitung Dinge an die Hand zu geben, die sie nutzen kann. Die Mannschaft muss das dann umsetzen. Das gelingt mal mehr, mal weniger. Das hört sich einfach an, ist aber kompliziert.

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Die sorgenfreie Saison und kein Abstieg

In vielen Diskussionen ist inzwischen Konsens: Allen das Vertrauen schenken, die Saison überstehen und dann bei den Spielern den großen Schnitt machen.

Ich möchte es anders formulieren. Nicht so drastisch, emotional und negativ. Wir haben gesagt, dass wir eine sorgenfreie Saison spielen, dass wir Spielern eine Chance geben wollen. Wir haben aber auch gesagt, dass wir in den nächsten Transferfenstern innerhalb der Mannschaft Dinge verändern müssen.

Bis dahin noch ein Klassiker aus dem Club-Fragenkatalog: Steigt der FCN ab?

Nein.

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