FCN: Palikuca nennt Plakat-Täter "verwirrten Vollidioten"

7.3.2020, 14:57 Uhr
Verurteilt die Drohungen gegen Club-Profis aufs Schärfste: Sportvorstand Robert Palikuca.

Verurteilt die Drohungen gegen Club-Profis aufs Schärfste: Sportvorstand Robert Palikuca. © Sportfoto Zink / WoZi

Die wenigen Reservisten beim Spielersatztraining, darunter Dinos Mavropanos, sahen ebenfalls mitgenommen aus. "Los, baut etwas Stimmung auf", sagte Techniktrainer Nate Weiss, nachdem er den Fußballern eine Passübung erklärt hatte. Gute Laune hatte aber auch danach niemand beim 1. FC Nürnberg.

Das 0:3 gegen Hannover 96 vom Vorabend steckte noch in den Köpfen, vor allem aber die Morddrohungen gegen Hanno Behrens und Lukas Mühl. Auf etwa 50 Zetteln und Aufklebern in DIN A4-Format in Nähe des Stadions und des Vereinszentrums wies ein offenbar geistig Verwirrter - Bezug nehmend auf die beiden Club-Profis - auf den 1994 ermordeten Kolumbianer Andres Escobar hin, sollte man sich nicht von besagten Nürnberger Fußballern trennen.

Am Tag danach stellte sich nur Robert Palikuca den Fragen der Medienvertreter; die Vorfälle vom Freitag werden jetzt von Vereinsseite auch bis zum Abschluss der Ermittlungen unkommentiert bleiben. Der Sportvorstand ließ wenig Zweifel daran, dass der oder die Täter in geistiger Umnachtung gehandelt haben müssen. "Jemand, der so eine Aktion gemacht hat", sagte Palikuca, "das kann kein Fan sein, das kann einfach nur ein verwirrter Vollidiot sein."

Kein Zusammenhang mit der Leistung

Mithilfe diverser Fan-Gruppen habe man das Stadion noch rechtzeitig vor dem Anpfiff "neutralisieren" können, erklärte Palikuca; die Mannschaft sei nicht über die Morddrohungen informiert worden. Mühl, ohnehin mit einer strukturellen Oberschenkelverletzung dienstunfähig, und Behrens schon. Der Kapitän habe gemeint, dass ihn das nicht beeinträchtigen werde und stellte sich im Heimspiel gegen Hannover zur Verfügung, so Palikuca.

Mittags sei Behrens unter anderem von einem Sicherheitsbeauftragen in Kenntnis gesetzt worden über den Zwischenfall, auch der Trainer und der Sportvorstand sprachen mit ihm. "Er hatte etwas Zeit, sich Gedanken zu machen", sagt Palikuca, fühlte sich aber dazu in der Lage, "ganz normal Fußball zu spielen."

Ganz normal war am Freitagabend aber nicht mehr viel. Wenngleich die Sportliche Leitung einen Zusammenhang zwischen den Morddrohungen und dem schwachen Auftritt verneinte. "Das ist jetzt kein Grund, warum wir verloren haben", so Palikuca, zumal ja angeblich auch nur Behrens und Mühl davon wussten. Auch am Samstag unterhielt sich Palikuca sehr ausführlich mit seinem Personal, vor allem über das 0:3: "Der Fokus lag heute schon sehr auf dem Fußball."

Der Trainer tat sich noch schwer damit, den Hebel einfach wieder umzulegen. "Wenn man sich im Vorfeld mehr mit solchen Dingen beschäftigen muss, das ist bedenklich, jetzt aber auch keine Entschuldigung für die Leistung über 70 Minuten", sagte Jens Keller noch am Freitagabend, "wenn ich mich in die Spieler hineinversetze und sowas lese, weiß ich nicht, wie ich mich verhalten würde." Auch ihm fiel es am Samstag noch schwer, wieder etwas Stimmung aufzbauen.

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