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Handball-WM im Januar? HCE erneuert seine Kritik

"Die Liga soll laufen" - auch Trainer Haaß setzt Prioritäten - 18.11.2020 05:51 Uhr

Er weiß um den Stellenwert der Handball-Nationalmannschaft, aber auch um die Probleme einer WM im Januar: HCE-Coach Michael Haaß.

17.11.2020 © Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / OGo


Dass sie ihrem Beruf derzeit in nahezu menschenleeren Hallen nachgehen, daran haben sich die Handballer des HC Erlangen fast schon gewöhnt. Die Ansprüche während einer Pandemie, die große Teile der Gesellschaft lahmlegt, sind gesunken. "Wir hoffen, dass wir überhaupt weiter in die Hallen fahren können", sagte zum Beispiel Martin Ziemer vergangene Woche.

Skeptisches Zähneknirschen

Der HCE gehörte da ja zu den wenigen Klubs, die nicht von Absagen betroffen waren. Die jüngsten Dienstreisen der Nationalspieler haben den Bundesligaspielplan kräftig durcheinander gewirbelt. Dass sich bei den Länderspielen mehrere Handballer mit dem Coronavirus infizierten, war nicht nur für Ziemer, den Erlanger Torwart, keine große Überraschung. Auch bei seinem Arbeitgeber hatte man vor wenigen Wochen verhalten bis skeptisch auf die Abstellung der Nationalspieler reagiert. "Natürlich wollen wir, dass sich die Verbände auf die WM im Januar vorbereiten können", begründete Geschäftsführer René Selke im Interview mit den Nürnberger Nachrichten, warum man zähneknirschend zustimmen würde, und fügte hinzu: "Sofern sie denn stattfindet."

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Der Saisonstart steht kurz bevor: Am Sonntag um 13.30 Uhr beginnt für den HC Erlangen mit einem Kracher gegen Rekordmeister THW Kiel die neue Spielzeit in der Handball-Bundesliga. Die Kadervorstellung übernimmt in diesem Jahr Neu-Coach Michael Haaß selbst.


Nun, nachdem es mit Torwart Klemen Ferlin auch einen oder vielmehr den bis dahin auffälligsten Erlanger Spieler der Saison erwischt hat, wurde der Ton schärfer - und wird auch in Erlangen die Durchführung der Weltmeisterschaft im Januar in Ägypten in Frage gestellt. "Wenn man Hunderte von Spielern in ein solches Abenteuer schickt, wird ein Großteil infiziert zurückkommen", gab sich Carsten Bissel, der Vorsitzende des Aufsichtsrates, im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung wenig optimistisch. Den Zeitpunkt des Turniers mitten in der Hochphase der Pandemie nennt er "Irrsinn".

"... dann würde ich natürlich die WM nicht spielen"

So ähnlich äußern sich inzwischen auch immer mehr betroffene Spieler. Hendrik Pekeler vom THW Kiel hatte die jüngsten Länderspiele in der EM-Qualifikation bereits im Vorfeld als "kaum vertretbar" bezeichnet. Nachdem sich dabei dann mehrere Spieler angesteckt hatten, erneuerte er seine Kritik. Sein Mannschaftskollege Patrick Wiencek sagte gegenüber der ARD: "Wenn meine persönliche Meinung zählen würde, dann würde ich natürlich die WM nicht spielen.“

Die Spieler sorgen sich um ihre Gesundheit, die Vereine auch um den Spielbetrieb; diesen weitgehend ohne Zuschauer und zumindest bis vergangene Woche ohne größere Ausfälle und verlegte Spiele aufrecht zu erhalten, ist ja ohnehin schon eine enorme Kraftanstrengung.

"Beste Bedingungen", Brand und Einschaltquoten

Beim Weltverband will man natürlich unbedingt an der WM festhalten, es geht um viel Geld. IHF-Präsident Hassan Moustafa verspricht beste Bedingungen für das Turnier in seinem Heimatland und sogar jede Menge Zuschauer in den neu gebauten Arenen. Abenteuerlich wirkt das auf viele in der Bundesliga, wo sich die meisten Nationalspieler tummeln. Zumal zuletzt ja nicht einmal die ausgeklügelten Hygienekonzepte des Deutschen Handball-Bundes griffen. Der frühere Bundestrainer Heiner Brand warb am Dienstag für die Durchführung der WM und verwies auf die Einschaltquoten und die Bedeutung des Turniers für den Handball.

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Eine "Empfehlung" der Liga?

Michael Haaß, der unter Brand zum Weltmeister wurde, hat dafür Verständnis, verfolgt als junger Erlanger Bundesligatrainer inzwischen aber natürlich andere Interessen. "Klar, wir brauchen die Nationalmannschaft, wir brauchen eine WM, um die Strahlkraft zu erhöhen“, sagt er vor dem Heimspiel des HC Erlangen am Donnerstag gegen Balingen-Weilstetten (19 Uhr), "aber ich sehe es auch als sehr wichtig an, unsere Liga am Laufen zu halten." Selke sieht es genauso. Auch er steht der WM unter den aktuellen Bedingungen "sehr, sehr kritisch" gegenüber, plädiert aber dafür, dass die Liga mit einer Stimme sprechen sollte.

Bis Ende Dezember soll es eine gemeinsame Empfehlung geben, heißt es, Selke würde sich eine frühere Positionierung wünschen. "Wenn wir realistisch sind, wissen wir, dass sich die Situation nicht großartig verändern wird", sagt er vor dem nächsten Geisterspiel in der Nürnberger Arena. Immerhin: Sie spielen noch.

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