Wucht des Favoriten setzt sich in Hamburg durch

Schluss im Pokal-Halbfinale: Der HCE findet in Magdeburg seinen Meister

Andreas Pöllinger
Andreas Pöllinger

Sport-Redaktion

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23.4.2022, 17:58 Uhr
Trotz aller Bemühungen: Gegen bockstarke Magdeburger konnte sich Antonio Metzners HC Erlangen in Hamburg nicht durchsetzen. 

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink Trotz aller Bemühungen: Gegen bockstarke Magdeburger konnte sich Antonio Metzners HC Erlangen in Hamburg nicht durchsetzen. 

"Wir wollen das einfach nur genießen", hatte Carsten Bissel, der Aufsichtsratschef des HC Erlangen zu Protokoll gegeben. Vor ein paar Wochen schon. Und seiner enormen Vorfreude auf das Final-Four-Turnier in Hamburg damit Ausdruck verliehen. Der HCE - im Gegensatz zu den anderen Titelanwärtern erstmals dabei bei der stimmungsvollen Pokalsieger-Kür in der Barclays Arena, in welcher letztmals vor dem Umzug der großartigen Veranstaltung nach Köln an diesem Wochenende der Cup-Gewinner ermittelt wird, wollte Spaß haben auf seiner Genussreise dorthin. Und nach Möglichkeit, sogar Historisches schaffen.

"Zeit, Geschichte zu schreiben", hatten sie sich am Sehnsuchtsort des deutschen Handballs als Slogan auf die Kabinentür schreiben lassen. Erlangens Vorzeigehandballer, die auf ihrem Weg in die Hansestadt die SG Flensburg-Handewitt, Wetzlar und Gummersbach aus dem Wettbewerb verabschiedet hatten, strebte genau das an.

In einer unfassbaren Atmosphäre - angetrieben von über 1000 singenden, hüpfenden und 700 Glitzerfahnen schwingenden HCE-Fans - begegnete der Außenseiter dem SC Magdeburg zu Beginn seiner Halbfinal-Begegnung dann auch wirklich auf Augenhöhe. Simon Jeppsson fand Steffen Fäth in halblinker Position, der die frühe SCM-Führung noch vor Minutenfrist beantwortete und am Kreis Sebastian Firnhaber, was Erlangens erneuten Ausgleich bedeutete. Eine famose Doppelparade von Klemen Ferlin, aber auch einen verwandelten Siebenmeter von Magdeburgs Gisli Thorgeir Kristjansson später war der kluge Vorlagengeber mit seinem Prachtwurf selbst zur Stelle, 3:3 (5.).

Beinahe vorne

Dass der HCE in der lauten Arena auch danach bei der Musik blieb, hatte er unter anderem Antonio Metzner zu verdanken, der mit seinem magnetischen Zug zum Tor wertvoll war für gegen den Favoriten widerstandsfähige Erlanger. Der Underdog wäre in der achten Minute beinahe sogar vorne gewesen, doch Johannes Sellin ließ die Chance zum 6:5 nach Christopher Bissels Seitenwechsel ungenutzt. Magdeburg erarbeitete sich mit seiner unerbittlichen Wucht im Fortlauf Vorteile. Doch der HCE? Ließ sich nicht abschütteln. Tim Zechel wurde am Kreis wichtig, Sellin traf nun nach Bissel-Zuspiel. Ein starkes Magdeburg, der Bundesliga-Dominator weist im Liga-Betrieb lediglich vier Minuspunkte auf, blieb allerdings gnadenlos.

In der zweiten Hälfte des ersten Durchgangs arbeitete sich der SCM zur Freude seiner dies mit frenetischem Jubel quittierenden Fans auf 13:9 davon. Als Metzner in der 21. Minute ein weiteres Mal traf, war der HCE dennoch auf zwei Tore dran. Trotz einer starken Willensleistung hieß es aufgrund auch einiger Schlampigkeiten im Offensivvortrag, Steinerts Alu-Pech und einer brutal starken Magdeburger Defensive aus Erlanger Sicht gleichwohl 13:17 zur Pause.

Der HC Erlangen war auch nach der Pause nicht schlecht. Magdeburg? War schlichtweg besser. Martin Ziemer, der für Ferlin zwischen den Pfosten übernommen hatte, parierte ein ums andere Mal grandios. Auf der Gegenseite wollte Schlussmann Jannick Green dem aber nicht nachstehen. "Hier regiert der SCM", skandierten die Fans des Bundesliga-Primus.

Beim Stand von 21:15 für Magdeburg nahm HCE-Coach Raul Alonso eine weitere Auszeit. Eine Wendung sollte diese wie auch Erlangens Rückkehr auf die Platte der Partie aber nicht mehr geben.

Aus dem Rückraum traf Erlangen zu unregelmäßig, Lukas Mertens traumhafter Heber auf der Gegenseite und Greens Siebenmeterparade gegen Jeppsson trieben die Lautstärke der Mageburg-Fans ins Unermessliche. Immer wenn sich der HCE anschickte, was er durchaus tat, etwas dagegenzusetzen, hatte der SCM eine Antwort. Selbst Härte, die Bissel gegen Kristjansson an den Pokal-Tag legte, vermochte die Magdeburger Maschine nicht zu stoppen. Als Steinert zum 20:26 traf, waren nur noch knapp elf Minuten zu spielen - als Büdel den Querbalken erschütterte, nur noch neun.

Unbeirrtes Trommeln

Souveräne Magdeburger ließen sich den verdienten Sieg nicht mehr nehmen. Auch wenn die Gesichter bei den HCE-Spielern länger wurden, Erlangens Fans trommelten unbeirrt weiter. Ein bisschen genießen hatte der HC Erlangen die Reise an den Sehnsuchtsort des deutschen Handballs dennoch dürfen.

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