Hecking und der FCN: Eine Einigung, die nicht alle Seiten bestätigen

Stefan Jablonka
Stefan Jablonka

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25.7.2020, 06:04 Uhr
Dieter Hecking wüde nach seiner Trainerkarriere beim Club gerne in die Position eines Sportvorstandes aufsteigen.

Dieter Hecking wüde nach seiner Trainerkarriere beim Club gerne in die Position eines Sportvorstandes aufsteigen.

Es wäre die wohl perfekte Inszenierung gewesen und noch dazu ein schönes Bild: Dieter Hecking verlässt den eben auf dem Nürnberger Albrecht-Dürer-Airport gelandeten und im FCN-Design gehaltenen Flieger des Werbepartners Corendon Airlines und grüßt in die jubelnde Menge. Doch Dieter Hecking war am Freitag nicht an Bord. Im übertragenen Sinn gehen darüber jedoch die Meinungen auseinander.

Doch zur Chronologie der Ereignisse: Neben dem früheren Club-Trainer galt bis Freitag auch Benjamin Schmedes als ernsthafter Anwärter auf den frei werdenden Posten des Sportvorstandes beim 1. FC Nürnberg. Noch bevor der beim VfL Osnabrück als Sportdirektor in Diensten stehende Schmedes sein Konzept dem neunköpfigen Aufsichtsrat vortragen sollte, sagte der aufstrebende 35-Jährige seine für Freitag avisierte Reise nach Nürnberg aber auch schon wieder ab.

Ob das abrupte Ende einer möglichen Liäson dem Fakt geschuldet ist, dass Osnabrück Schmedes keine Freigabe für Verhandlungen erteilen wollte, er die Probleme des Nürnberger Traditionsvereins doch nicht mehr als ganz so reizvoll empfand oder seine in Aussicht gestellte Beförderung beim VfL vom Sportdirektor zum zweiten Geschäftsführer ein überzeugendes Argument für seinen Verbleib war, ist ungeklärt.

Schmedes muss von der Liste gestrichen werden

In der am Freitag vom niedersächsischen Zweitligisten veröffentlichten Pressemitteilung wurde Schmedes wie folgt zitiert: "Aus meiner Sicht ist es legitim, sich mit einer konkreten Anfrage eines ehemaligen Erstligisten mit entsprechenden Rahmenbedingungen und Zielen auseinanderzusetzen und inhaltlich zu prüfen. Letztlich müssen allerdings sowohl der Zeitpunkt als auch die Vorstellungen aller beteiligten Parteien zusammenpassen. Ich habe die handelnden Personen beim 1. FC Nürnberg informiert, dass ich unter den aktuellen Umständen zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zur Verfügung stehe."

Schmedes Worte lassen sich nicht eindeutig und ausschließlich als ein Bekenntnis zum VfL interpretieren. Aus Osnabrücker Kreisen ist zu hören, dass sich der Verein einen Weggang seines äußerst erfolgreichen sportlichen Leiters nur sehr schwer hätte vorstellen können. Nürnberg hätte sich wiederum sehr schwer getan, eine auf Grund einer noch einjährigen Laufzeit fällige und frei zu verhandelnde Ablöseentschädigung in zufriedenstellender Höhe aufzurufen.

Schmedes Namen musste der Aufsichtsrat deshalb wieder von seiner Kandidatenliste streichen. Die Schlussfolgerung, dass die Wahl dadurch automatisch auf Hecking fallen würde, ist so jedoch nicht richtig.

Voreilige Vollzugsmeldungen

Bereits am Donnerstag hatte 55-Jährige zwar sein Konzept und seine Ideen für eine bessere Zukunft des Clubs auf seiner Urlaubsrückreise beim Aufsichtsrat hinterlegt. Man verabschiedete sich anschließend jedoch wieder ohne konkretes Ergebnis. Zu diesem Zeitpunkt soll weder ein Vertrag ausverhandelt gewesen sein, noch wurde eine definitive Übereinkunft über eine Zusammenarbeit geschlossen. Über Nacht änderte sich daran nichts. Dennoch vermeldete die Bild-Zeitung am Freitag, dass sich die Parteien "geeinigt haben" und Hecking einen Vertrag mit einer Laufzeit von drei Jahren unterschreiben wird. Das Fachmagazin kicker zog Minuten später nach.

Als Thomas Grethlein die Schlagzeilen las, rieb er sich verwundert die Augen: "Ich kann das nicht bestätigen. Es ist nichts unterschrieben", kommentierte er auf Nachfrage gegenüber der Nürnberger Zeitung. Zum Wasserstand der Verhandlungen wollte sich der Aufsichtsratsvorsitzende nicht äußern.

Aufhalten ließ sich die mediale Welle in den sozialen Netzwerken nicht mehr. Sie hatte sich verselbstständigt. Plötzlich wurde in den Kommentarleisten nicht mehr darüber diskutiert, ob Hecking der richtige Mann wäre, sondern warum er es ist oder er es eben auch sicher nicht ist.

Das Kuriose an dieser voreiligen Vollzugsmeldung und ihrer kruden Geschichte: In ein paar Tagen wird sie womöglich nicht mehr als eine Randnotiz sein. Geschickt – aus Heckings Umfeld ? – platziert könnte dann aus ihr eine selbsterfüllende Prophezeiung geworden sein. Denn dass der frühere erfolgreiche Trainer des 1. FC Nürnberger den Posten des entlassenden Sportvorstandes Robert Palikuca übernehmen könnte, ist nach der Absage von Schmedes durchaus wahrscheinlicher geworden. Ein Entscheidung darüber soll aber erst am Wochenende fallen.

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