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Kommentar zum Bundesliga-Stopp: Späte Einsicht bei der DFL

Die Deutsche Fußball-Liga schadet sich mit der Entscheidung nicht nur selbst - 13.03.2020 16:25 Uhr

Die Fußball-Bundesliga soll wegen der Coronavirus-Pandemie ab kommendem Dienstag bis zum 2. April unterbrochen werden. © Jan Woitas, dpa


Immerhin: Eine Überraschung war den Verantwortlichen der Deutschen Fußball-Bundesliga (DFL) am Freitagmorgen gelungen. Mit ihrer Entscheidung, die Spiele des 26. Spieltages in der ersten und zweiten Liga durchzuführen, hatte niemand gerechnet in einem Land, das sich gerade dem Coronavirus beugt. Es war eine überraschende Entscheidung, das allerdings nur in zweiter Linie. In erster Linie war sie absolut falsch.

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Immerhin: Am Nachmittag vermeldete die DFL dann, was alle von ihr erwartet hatten: Der Spieltag findet nicht statt, auch die beiden Fußball-Bundesligen lassen den Betrieb vorerst ruhen. Eine Rolle spielte dabei sicher auch, dass sich am Vormittag die Mannschaft des 1. FC Nürnberg in Quarantäne hatte begeben müssen, nachdem der Spieler Fabian Nürnberger positiv auf das Corona-Virus getestet worden war.


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Der Image-Schaden für die DFL und einzelne Verantwortliche wie Karl-Heinz Rummenigge war da aber schon in der Welt. In normalen Zeiten sprechen die DFL-Verantwortlichen gerne von der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung des Fußballs. Jüngst erst haben sie sich dafür gefeiert, dass die Spieler der TSG Hoffenheim und des FC Bayern München sich nach Schmähungen gegen Dietmar Hopp den Ball nur noch gegenseitig zuspielten am Ende der Partie.

DFL hat nicht begriffen, um was es geht

Wie viel sie grundsätzlich von gesamtgesellschaftlicher Verantwortung halten, haben sie nun mit ihrem Beschluss vom Freitag bewiesen: nichts. In einer Zeit, in der Kindergärten und Schulen geschlossen werden, in der weltweit Sport- und Kulturveranstaltungen abgesagt werden, wirkt die DFL wie der einzige Akteur, der nicht begriffen hat, um was es geht, der seine Vorbildfunktion einfach ignoriert. Rummenigge lieferte immerhin den ehrlichen Grund: Es ging nur ums Geld. Für die Spieler, die ab Freitagabend noch einmal hätten arbeiten sollen, wäre es der angemessene Zeitpunkt gewesen, sich den Ball nur noch gegenseitig zuzuspielen, auf jedem der 18 Bundesliga-Plätze. Das bleibt ihnen nun erspart.

Der DFL ging es mit der ersten Entscheidung vom Vormittag darum, die Bedürfnisse der TV-Anstalten zu bedienen. Wenigstens ein letztes Mal sollte das passieren, ehe sich dann auch der deutsche Fußball ab Dienstag in eine Pause verabschiedet. Die kommt jetzt früher und ist die einzig richtige Entscheidung. Bis zum 2. April soll der Spielbetrieb ruhen. Dass sie diese Pause bei der DFL dann dazu nutzen, ihre Positionen und Werte zu überprüfen, wäre trotz der späten Einsicht vom Freitagnachmittag keine Überraschung, es wäre eine Sensation.


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