Oechler und mehr! Ex-Profis streben in den FCN-Aufsichtsrat

3.10.2020, 14:06 Uhr
Er weiß, wie das mit den Reden auf der JHV funktioniert: Marc Oechler, ehemaliger und vielleicht auch zukünftiger Aufsichtsrat des FCN.

Er weiß, wie das mit den Reden auf der JHV funktioniert: Marc Oechler, ehemaliger und vielleicht auch zukünftiger Aufsichtsrat des FCN. © Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / DaMa

Drei Sitze im neunköpfigen Gremium werden von den stimmberechtigten Mitgliedern am 20. Oktober neu vergeben. Während Günther Koch und Stefan Müller sich einer turnusmäßig anstehenden Wiederwahl aus privaten beziehungsweise beruflichen Gründen nicht stellen, tritt Thomas Grethlein, der amtierende Aufsichtsratsboss, erneut an. Wie eben auch Marc Oechler. Der Mann, den Freunde, Fans und Weggefährten gerne "Ö" nennen.

"Ich weiß, dass wir da Riesenprobleme haben"

Empathie, Kompetenz und daraus resultierendes Beurteilungsvermögen für die wesentlichen Dinge, die es als Aufsichtsrat zu bewerten und kontrollieren - eben zu beaufsichtigen - gelte, bringe er mit, sagt Oechler im Telefongespräch mit nordbayern.de. Und meint mit Kompetenz vor allem Kompetenz mit Blick auf das Sportliche. Fachkompetenz also hinsichtlich des primären Geschäftsfeldes eines Profi-Klubs. "Ich weiß, dass wir da Riesenprobleme haben - oft danebenlagen. Ich war jahrelang im Bundesliga-Zirkus, weiß, wie der Profi-Sport, wie Vereine und Unternehmen funktionieren", erklärt der 52-Jährige.

Dass die Verbindung von Marc Oechler, der bereits von 2007 bis 2011 im Kontrollgremium von Nürnbergs Lieblingsclub wirkte, und Nürnbergs Vorzeigeverein eine besondere ist, muss eigentlich fast nicht hervorgehoben werden.

Aus der Herzkammer des FCN

Der kleine Marc wuchs in Zabo auf, in der Herzkammer des FCN - dort, wo die rot-schwarze Pumpe besonders laut bumbert. Bevor es 1999 für ein Jahr nach Griechenland ging - dorthin, wo es - wie man in der elterlichen Metzgerei damals erfuhr - weder regelmäßig gute Wurst noch regelmäßig Gehalt gab, spielte der "Ö" für den Club. Durchgängig, immer, von der F-Jugend an.

“Ich bin verwurzelt im Verein, kenne ihn seit 46 Jahren“, sagt Oechler, der als Sechsjähriger für diesen erstmals gegen den Ball trat. “Ohne Ö fehlt dir was“. Den Slogan kennt und nutzt Oechler freilich auch. Er und der FCN sind verwachsen. Da fehlt etwas? “Ich bin immer da - in der Traditionsmannschaft, der Ü40 beim Tennis“, erklärt der Mann, der - auch wenn er wollte, aufgrund dieser Verwurzelung gar nicht könnte ohne den Club. Der sich aber einbringen will beim FCN. Wie damals auf dem Platz. Zwischen 1989 und 1999 war der in der Versicherungs- und Kapitalbranche aktive Lokalmatador mit den Profis auf dem Platz. Mal gut, mal schlecht - ganz Club eben. 240 Ligaspiele, 14 Tore im bezahlten Fußball. Oechler für Deutschland, Klinsmann raus!

Noch ein Nürnberger? Noch ein Ex-Profi?

Für ein weiteres Mandat in Nürnbergs Aufsichtsrat hat sich der schon aufsichtsratserfahre Ex-Profi in der jüngeren Vergangenheit (2011, 2012 und 2019) erfolglos beworben. Dass es für ihn nun einen Platz im Gremium gibt, hofft der 52-Jährige ebenso wie Martin Driller, mit dem Oechler beim Club in den ausgehenden 90ern zusammenspielte. Oder wie Chhunly Pagenburg, wie Oechler gebürtiger Nürnberger und ehemaliger Berufsfußballer, über deren Kandidaturen im Gegensatz zu der von Driller die Bild zuerst berichtete.

+++ Nummer fünf beim FCN: Auch Erhardt kandidiert +++

Im April 2007, vor dreizehneinhalb Jahren also, hatte eben jener Pagenburg, der seine ersten fußballerischen Gehversuche bei Phoenix Nürnberg unternommen hatte, in der Bundesliga debütiert. Gegner im Achteck war Aachen - und Siegtorschütze? Pagenburg! Der Premieren-Nürnberger bedankte sich für das Vertrauen von Hans Meyer, indem er - frei vor Alemannen-Keeper Kristian Nicht - ein Engelhardt-Zuspiel zum 1:0 verwertete. Als "Riesenerlebnis" hat "der Kleine", wie Meyer seinen immerhin fast 1,80-Meter-großen Schützling süffisant mitunter nannte, den größten Club-Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte im Kopf - den Pokalsieg 2007. Bei der stimmungsvollen Ouvertüre, dem 4:0-Heimtriumph im Halbfinale gegen die Frankfurter Eintracht, hatte Chhun, der ideale Konterspieler, den Schlussakkord gesetzt. Wenige Tage nach dem Heimsieg gegen Aachen.

Wolf lobt Pagenburg

Ein Empfehlungsschreiben für Pagenburg, der als selbstständiger Immobilieninvestor in und um Nürnberg herum im größeren Stil tätig ist und mit nordbayern.de Anfang des Vorjahres auch schon einmal ausführlich über den Club und seine Karriere im Podcast sprach, diktierte der Bild just ein ehemaliger Teamkamerad ins Blatt.

“Chhunly hat sportliche Kompetenz und ist in der Fußball-Branche sehr gut vernetzt. Zudem hat er schon ein eigenes Unternehmen aufgebaut“, kommentiert Andi Wolf, der wie Oechler, Driller oder eben Pagenburg die sportliche Entwicklung des FCN in der jüngeren Vergangenheit in Expertenrunden kritisch begleitete. Driller, Oechler, Pagenburg – drei Ehemalige für drei Sitze? Die Ex-Profis wollen sich in der Jetzt-Zeit engagieren.

Nur einer?

Er würde es begrüßen, wenn mehr als ein Aufsichtsrat einen entsprechenden Background habe, findet Oechler. Daran habe es, sagt er, auch während seiner Zeit im Kontrollgremium gemangelt. “Es ist schwierig, da dann alleine etwas zu bewirken.“ Wenn es um zentrale Aufsichtsthemen wie die vom Sportvorstand vorgenommenen Transfers, eine entsprechende Mannschaftszusammenstellung gehe, wenn Entscheidungen im sportlichen Kernbereich getroffen werden, sei eine entsprechende Fachkompetenz elementar – oder, wenn nicht vorhanden: “ein Riesennachteil“. Marc Oechler will in den Aufsichtsrat. Ob er erneut einer wird, entscheiden die Club-Mitglieder am 20. Oktober.

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