Neuzugänge schwärmen

Charakter zählt: Der besondere Teamspirit beim Kleeblatt

23.7.2021, 06:00 Uhr

"Die Mannschaft ist menschlich extrem gut": Die Fürther Fußballer wollen mit ihrem Zusammenhalt auch in der Bundesliga bestehen.  © Sportfoto Zink / Melanie Zink, Sportfoto Zink / Melanie Zink

Wenn Profisportler über ihren neuen Arbeitgeber sprechen, klingt das oftmals ähnlich. Sie sind dann „froh, hier zu sein“ und schwärmen ein bisschen von der Stadt, in der sie seit ein paar Wochen leben. Es sind meist austauschbare Worte, sie sollen freundlich klingen und einen guten Eindruck machen. Man will ja beliebt sein. Wer im Trainingslager der Spielvereinigung mit den Neuen spricht, hört ebenfalls oft ähnliche Worte - die aber mehr sind als nette Sätze, man könnte sie auch Schwärmereien nennen.

"Die Mannschaft ist menschlich extrem gut", sagte Max Christiansen beispielsweise, "ich habe es selten erlebt, dass es einen so guten und fairen Umgang miteinander gibt." Als ein paar Tage später Adrian Fein auf der Terrasse des Mannschaftshotels von seinen ersten Tagen beim Kleeblatt erzählte, klang das ähnlich. "Es ist anders als bei bisherigen Stationen", sagte Fein, "ich habe mich total schnell eingelebt, die Jungs haben mir den Einstand richtig leicht gemacht. In der Mannschaft ist jeder willkommen, wir haben einen richtig guten Teamspirit."

Der Zusammenhalt war schon in der zweiten Liga groß. In der Schlussphase der Saison kämpfte die Spielvereinigung immer wieder gegen Widerstände an, drehte Spiele und stieg am Ende in die Bundesliga auf. In diesen Momenten durfte sich auch Rachid Azzouzi bestätigt sehen. Der Sport-Geschäftsführer hat es bei der Suche nach neuen Spielern ohnehin nicht leicht, weil er mit einem schmalen Geldbeutel auf Talentsuche ist. Die besten Spieler bekommt er nicht, auch nicht in der ersten Liga, weil sie andernorts viel mehr verdienen können.

Gespräche mit ehemaligen Wegbegleitern

Deshalb muss es in der Mannschaft stimmen, muss jeder für den anderen einstehen und die Gemeinschaft stark sein. "Wir achten darauf, die richtigen Charaktere zu uns zu holen", sagt Azzouzi. "Es geht nicht nur um das reine Talent und um die sportliche Leistung." Die kann man scouten und mit vielen Daten analysieren. Der Charakter eines Menschen passt aber nicht in Statistiken, man sieht ihn nicht beim perfekten Pass in die Tiefe.

Um diesen zu ergründen, hört sich Azzouzi neben den Gesprächen mit den Spielern auch viel in dessen Umfeld um, redet mit ehemaligen Trainern, Mitspielern, auch mal mit einem Zeugwart oder anderen Wegbegleitern. "Es geht mir darum, wie der Spieler mit anderen umgeht, ob er vielleicht nur zu den Vorgesetzten freundlich ist", sagt der Fürther Boss. "Man muss ein gutes Gefühl haben, dass er ins Team passt." In der Vergangenheit hat er deshalb schon vermeintliche Wunschspieler nicht verpflichtet, weil es menschlich einfach nicht passte.

Werte verkörpern

Es geht ihm dabei um Werte, die jeder einzelne Angestellte verkörpert, auf und neben dem Platz. "Sie sollen sich nicht zu wichtig nehmen, freundlich und demütig, aber gleichzeitig auch selbstbewusst sein", sagt Azzouzi. "Es ist auch wichtig, dass die Spieler über den Tellerrand hinausschauen und nicht nur die eigene Situation sehen, sondern auch wie es anderen Menschen geht." Diese Werte will "vorleben und vorgeben" - genauso wie Trainer Stefan Leitl.

Gemeinsam haben sie sich in den vergangenen Jahren eine Mannschaft gebaut, die für einander einsteht und mit diesem Zusammenhalt auch in der Bundesliga ihre Grenzen immer weiter verschieben will. „Es ist wirklich außergewöhnlich“, sagt Adrian Fein, „hier ist jeder mit jedem befreundet, das ist einfach geil.“

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