Neuzugang gewann Silber

Olympia, Bundesliga, Fürth: Max Christiansen hat mit 24 schon viel erlebt

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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22.7.2021, 06:00 Uhr
Kicken vor imposanter Bergkulisse: Max Christiansen beim improvisierten Technik-Parcours im Fürther Trainingslager.

Kicken vor imposanter Bergkulisse: Max Christiansen beim improvisierten Technik-Parcours im Fürther Trainingslager. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

Max Christiansen hat etwas, das nicht viele Sportler in Deutschland haben. Zum illustren Kreis gehören auch Boris Becker, Laura Dahlmeier, Severin Freund, Steffi Graf, Fabian Hambüchen oder Dirk Nowitzki. Spitzensportler, die jeder aus dem Fernsehen kennt, die mit ihren Leistungen Millionen Menschen verzücken. Max Christiansen dagegen hat in Ingolstadt, Bielefeld und Mannheim Fußball gespielt, seit ein paar Wochen steht er bei der Spielvereinigung Greuther Fürth unter Vertrag.

Es sind nicht die großen Bühnen des Sports, auf denen er bislang unterwegs war. Vor fünf Jahren hat Bundespräsident Joachim Gauck ihm trotzdem das silberne Lorbeerblatt überreicht, die höchste staatliche Auszeichnung für sportliche Leistungen. 2016 war Christiansen mit der deutschen Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Er debütierte beim 10:0 gegen Fidschi und gewann nach einer Final-Niederlage gegen Brasilien olympisches Silber.

Wenn die deutschen Fußballer am Donnerstag um 13.30 Uhr (ARD) wieder gegen den amtierenden Olympiasieger spielen, wird in Anton Stach ein Mitspieler Christiansens dabei sein. "Ich habe ihm gesagt, dass er es extrem genießen soll, denn als Fußballer hat man eigentlich nur einmal im Leben die Chance, zu Olympia zu fliegen", sagt Christiansen. "Es war eine super Erfahrung, das alles mal zu sehen, vor allem in einem Land wie Brasilien, in das man nicht einfach mal in den Urlaub fährt."

Viele Minuten stand er damals mit 19 Jahren zwar nicht auf dem Platz, dafür war die Konkurrenz mit Serge Gnabry oder Leon Goretzka zu groß, "ich bin trotzdem stolz", sagt Christiansen fünf Jahre später. Da sitzt er mit einer Birne in der Hand vor einer imposanten Bergkulisse und erzählt ein bisschen von sich, seinem Leben und seinen Zielen.

Ein Rückschritt, um Anlauf zu nehmen

Die Verpflichtung des 24-Jährigen war ein typischer Kleeblatt-Transfer. Mit dem FC Ingolstadt stieg er 2015 in die Bundesliga auf, mit 30 Erstligaspielen gehört er bereits zu den Erfahreneren bei der Spielvereinigung. Doch es ging nicht so erfolgreich weiter. Aus Bielefeld wechselte er in die dritte Liga nach Mannheim. "Sportlich war das natürlich ein Rückschritt", sagt Christiansen, "ich habe das aber nur gemacht, um wieder nach oben zu kommen."

Beim Waldhof wollte er wieder Vertrauen in sich und seine Fähigkeiten bekommen, Spaß am Fußball haben und erfolgreich sein. "Ich wollte Verantwortung übernehmen und anderen auch schon in jungem Alter helfen", sagt er, "die zwei Jahre dort haben mich menschlich und sportlich weitergebracht."

Im Sommer ist er zwei Ligen aufgestiegen, doch hinten anstellen will er sich in Fürth nicht. Mit 24 gehört er bereits zu den älteren Spielern, Christiansen war selbst überrascht, als er zuletzt beim Trainingsspiel in der Gruppe der Alten kickte. Als Problem sieht er das junge Durchschnittsalter aber nicht - im Gegenteil. "Für mich ist das positiv", sagt er, "denn wir haben eine Mannschaft mit extremem Entwicklungspotenzial."

In der spielte er zuletzt zweimal auf der Sechs, auch weiter vorne im Mittelfeld fühlt sich Christiansen wohl. Beim jüngsten Test in Ingolstadt suchte er auffällig oft den Abschluss und sorgte mit einem Distanzschuss für den Ausgleich. "Es geht auch darum, ein Zeichen an den Gegner senden, dass wir uns Chance erarbeiten", sagt Christiansen. "Wenn man es nicht versucht, kann der Ball auch nicht reingehen."

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