Standards als Problem

Null Treffer: Warum schießt das Kleeblatt keine Tore nach Ecken und Freistößen?

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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27.10.2021, 16:30 Uhr
Havard Nielsen (hier in Köln) ist einer der kopfballstärksten Spieler beim Kleeblatt, kann seiner Mannschaft derzeit aber nicht helfen bei Ecken und Freistößen.

Havard Nielsen (hier in Köln) ist einer der kopfballstärksten Spieler beim Kleeblatt, kann seiner Mannschaft derzeit aber nicht helfen bei Ecken und Freistößen. © Sportfoto Zink / Melanie Zink, Sportfoto Zink / Melanie Zink

Der 8. Mai 2021 war ein besonderer Tag für das Kleeblatt. Beim 2:2 gegen den Karlsruher SC kam die Spielvereinigung trotz zweimaligem Rückstand zurück und holte sich am Ende zumindest einen Punkt. Zwei Siege später stand der Aufstieg in die Bundesliga fest - in der es gerade nicht so recht laufen will. Unter anderem haben die Fürther noch kein Tor nach einer Ecke oder einem Freistoß geschossen, nach sogenannten Standardsituationen also.

Branimir Hrgota hat zwar dreimal vom Elfmeterpunkt getroffen und damit die Hälfte aller Tore erzielt, nach anderen ruhenden Bällen aber tut sich das Kleeblatt schwer. Das letzte Mal, dass die Fans nach einer Ecke jubeln durften, ist schon fast ein halbes Jahr her. Am 8. Mai 2021 packte Havard Nielsen all sein Selbstvertrauen und Können in einen Schuss und drosch einen Eckball von Paul Seguin direkt ins Karlsruher Tor.

Der 28-Jährige erinnert sich noch gut an sein zehntes von 11 Saisontoren im Aufstiegsjahr. Warum es eine Liga weiter oben aber auch nach Standards nicht klappen will, sei "nicht so einfach" zu erklären, sagt Nielsen. "Wir haben haben Jungs, die gute Schützen sind und die auch mal ein Standardtor schießen können." Im Training üben sie all diese Situationen immer wieder, offensiv, aber auch defensiv. Denn es hapert ja nicht nur vor des Gegners Tor, sondern auch beim Verteidigen des eigenen, sobald ein hoher Ball in den Strafraum segelt.

"Es ist nicht so, dass wir nicht genug Fokus darauf legen", sagt Nielsen, "wir üben das immer und schauen uns mit unseren Analysten auch alles an." Womöglich, sagt er, müssten die "Bälle etwas genauer kommen", ein Vorwurf an seine Kollegen soll das aber ausdrücklich nicht sein. "Ich sehe ja im Training, dass sie es können." In der Bundesliga hätten die Gegner zudem "sehr viele große und robuste Spieler", was alles noch ein bisschen komplexer macht. Das Kleeblatt hat zwar mit Maximilian Bauer, Sebastian Griesbeck oder Cedric Itten auch Spieler um die 1,90 Meter, insgesamt ist die Mannschaft aber eher klein.

Deshalb probieren sie sich immer wieder an neuen Varianten, um die Größennachteile zu umgehen. "Wenn es mal klappt, wird es auch öfter klappen", sagt Nielsen. Es ist wie mit dem sportlichen Erfolg generell. Trainer Stefan Leitl betonte zuletzt immer wieder, wie wichtig der erste Erfolg dieser Saison wäre, um die lange Sieglos-Serie endlich aus den Köpfen zu verbannen und den Glauben an die eigene Stärke zurückzubringen.

Am kommenden Samstag starten die Fürther den zehnten Anlauf, endlich mal ein Spiel zu gewinnen. Beim derzeitigen Tabellendritten SC Freiburg wird Havard Nielsen wieder nicht mitwirken können. Den 28-Jährigen plagt immer noch eine hartnäckige Verletzung am Sprunggelenk. Alles fing mit einem Schlag auf den Fuß im Sommer an, wegen dem Nielsen im Trainingslager fast nur individuell trainieren konnte.

Schon vor ein paar Wochen hat er wieder leichte Schmerzen am einst lädierten rechten Fuß verspürt, die mit jedem Training und Spiel schlimmer wurden. Deshalb setzt er derzeit aus, ist aber zuversichtlich, bald wieder mithelfen zu können. "Es dauert ein bisschen länger als erhofft", sagt er, "aber es geht in die richtige Richtung." Inzwischen trainiert er schon wieder mit dem Ball und will demnächst ins Mannschaftstraining zurückkehren. Es sollen schließlich noch ein paar besondere Tage dazukommen in diesem Jahr.

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