Elfte Niederlage in Folge

Trotz drei eigener Tore: Kleeblatt verliert auch gegen die TSG Hoffenheim

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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27.11.2021, 17:55 Uhr
Es ist zum Verzweifeln: Das Kleeblatt schießt gegen Hoffenheim drei Tore - und verliert trotzdem. Mit 3:6.

Es ist zum Verzweifeln: Das Kleeblatt schießt gegen Hoffenheim drei Tore - und verliert trotzdem. Mit 3:6. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

Um kurz vor halb Vier gab der Ronhof ein trauriges Bild ab. Auf jeder der vier Tribünen klafften große Lücken, auf einen Stadionbesuch unter 2G-Plus hatten offensichtlich nicht einmal die erlaubten 4625 Menschen Lust. Als die Mannschaften kurz darauf einliefen, fing es im düsteren Fürth bei knapp drei Grad Außentemperatur auch noch leicht zu regnen an. Ein Fußballfest hatte beim Spiel des 18. gegen den Zehnten niemand erwartet, doch das Gesamtbild war noch ein bisschen trauriger als erwartet.

Knapp zwei Stunden später gab der Ronhof ein noch viel traurigeres Bild ab. Vor 3385 Zuschauern ging das Kleeblatt zwar in Führung, glich einen Rückstand aus, verlor nach 90 Minuten Fußball aber mit 3:6 (1:2) gegen Hoffenheim. Es war die elfte Niederlage in Folge, mit der die Spielvereinigung den nächsten Negativrekord in der langen Geschichte der Fußball-Bundesliga aufstellte.

Beim Blick auf die Aufstellung war die Vorgehensweise des Kleeblatts gut zu erkennen. Mit Havard Nielsen, Branimir Hrgota, Dickson Abiama und Jamie Leweling schickte Trainer Stefan Leitl gleich vier gelernte Angreifer auf den Platz. Nielsen spielte dabei im 4-3-3 zusammen mit Timothy Tillman im Mittelfeld vor Max Christiansen, davor stand eine weitere Dreierreihe mit Abiama im Zentrum.

Die erste Chance des Spiels hatten die Gäste

Die erste Chance des Spiels aber hatten die Gäste. Munas Dabbur prüfte Marius Funk, der auch weiter im Fürther Tor stehen darf, nach drei Minuten erstmals. Danach kam das Kleeblatt besser ins Spiel, mit jeder gelungenen Aktion wurde der zaghafte Applaus im Ronhof ein bisschen lauter. Einen Freistoß in aussichtsreicher Position spielten Hrgota und Tillman schlecht aus (5.), zwei Minuten später schoss Tillman erstmals aufs Tor, kurz darauf auch Hrgota.

Die Spielvereinigung stand wieder sehr hoch und versuchte, das Spiel weit vom eigenen Tor wegzuhalten. Nach einer Viertelstunde hielt Funk wieder stark gegen Dabbur, sieben Minuten später rettete er seinen Mannschaft nach einem Getümmel im eigenen Strafraum abermals vor dem Rückstand. Und dann durften alle Fürther jubeln: Tillman gewann den Ball in der gegnerischen Hälfte, legte nach links auf Hrgota, dessen perfekt getimte Hereingabe genau vor die Füße von Leweling kam. Mit all seinem Selbstbewusstsein knallte das Eigengewächs den Ball zum 1:0 ins Tor (22.).

Die Führung hielt aber nur knapp zehn Minuten. Nach schönem Pass von Abiama traf Tillman in der 31. Minute nur den Außenpfosten, 31 Sekunden und einen perfekten Konter später lag der Ball zum 1:1 im Fürther Tor. Ihlas Bebou hatte den Pass von Georginio Rutter über die Linie gedrückt. Mit dem Gegentor kehrte die Unsicherheit zurück ins Fürther Spiel, vor allem Simon Asta als Rechtsverteidiger und Funk im Tor hatten große Probleme. Funk drosch den Ball bis zur Pause sechsmal ins Seitenaus - es war allerdings nicht die schlechteste Nachricht kurz vor der Halbzeit.

Bei einer Hoffenheimer Ecke ging alles wieder einmal zu schnell für die Fürther

Bei einer Hoffenheimer Ecke ging alles wieder einmal zu schnell für die Fürther. Nach einigen Pässen konnte sich der ehemalige Fürther David Raum den Ball in aller Ruhe zurecht legen, seine Flanke drückte Rutter im Fünfmeterraum zum 1:2 über die Linie (40.). Das Kleeblatt hatte die Führung nicht nur aus der Hand gegeben, sondern ging sogar wieder mit einem Rückstand in die Kabine.

Die Partie war ein Spiegelbild der Saison. Die Fürther waren die bessere Mannschaft, hätten höher führen können, waren aber zweimal nicht aufmerksam genug und wurden dafür bestraft. "Das", sagte Geschäftsführer Holger Schwiewagner in der Pause am Fernsehmikrofon bei Sky, "ist eben der Unterschied von der ersten zur zweiten Liga."

Doch mit dem Rückstand wollte sich das Kleeblatt nicht lange herumplagen. Nach Wiederanpfiff gingen sie sofort drauf, der sehr starke Tillman eroberte den Ball und legte nach links auf Hrgota. Der Kapitän hätte schießen können, spielte aber zurück auf Tillman, der bereits nach 20 Sekunden sehenswert zum Ausgleich traf. Die Fürther waren um 16.34 Uhr zurück im Spiel. Leweling schoss nach schöner Vorarbeit von Tillman nur knapp vorbei (53.), Sekunden später arbeitete sich Hrgota in den Strafraum. Sein erster Schuss wurde noch geblockt, den zweiten konnte Pentke gerade noch zur Ecke klären.

Das Kleeblatt war nun wieder sichtlich geschockt

Vier Minuten später aber war es mit der guten Stimmung wieder vorbei. Hoffenheims Rutter hatte nach einem schnellen Angriff zu viel Platz, wurde von Asta nicht wirklich gestört und schlenzte den Ball aus 16 Metern in den Winkel (57.). Das Kleeblatt war nun wieder sichtlich geschockt - und hatte das Spiel in der 61. Minute verloren. Dabbur schickte seinen Sturmpartner Bebou mit einem perfekten Pass in die Tiefe, Meyerhöfer war zu langsam, sodass der Hoffenheimer Angreifer alleine auf Funk zulief. Den ersten Ball hielt der Fürther Torhüter noch, im Nachschuss aber traf Bebou zum 2:4.

Im Ronhof war es nun gespenstisch still, auf den Tribünen wurde es mit jeder Minute ein bisschen leerer. Nur vier Minuten nach dem 2:4 stand es 2:5. Der schwache Meyerhöfer lenkte eine Hoffenheimer Ecke mit dem Oberschenkel ins eigene Tor - es war das vierte Fürther Eigentor in dieser Saison. Der nächste Rekord. Doch das Kleeblatt gab sich nicht auf. Nur zwei Minuten nach dem fünften Gegentor drosch Hrgota den Ball mithilfe der Latte zum 3:5 aus Fürther Sicht ins Tor (68.).

In der Nachspielzeit schoss Leweling nochmal aufs Hoffenheimer Tor

Hätte Meyerhöfer zuvor nicht zum 2:5 ins eigene Tor getroffen, es hätte nochmal spannend werden können im Ronhof. So aber spielten beide Mannschaften noch ein bisschen vor sich hin, Leitl brachte Cedric Itten und Abdourahmane Barry - und sah in der 80. Minute das sechste Hoffenheimer Tor. Nach dem Konter schickte der eingewechselte Kramaric Bebou abermals in die Tiefe, der Angreifer blieb frei vor cool entspannt und hob den Ball zum 3:6 ins Tor.

In der Nachspielzeit schoss Leweling nochmal aufs Hoffenheimer Tor, mehr passierte nicht in den letzten zehn Minuten. Als der Schiedsrichter zum letzten Mal pfiff, wurde der Schneeregen über dem Ronhof immer stärker. Die traurigen Fürther im Regen - es war das passende Bild nach diesem Spiel.

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