Ärger über den Schiedsrichter

Zwischen Mut und Ohnmacht: Das Fürther Kleeblatt nach dem 1:4 in Leipzig

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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24.10.2021, 14:25 Uhr
Die Bilder gleichen sich: Der Gegner jubelt, das Kleeblatt um Branimir Hrgota ist enttäuscht. Wie immer zuletzt.
 

Die Bilder gleichen sich: Der Gegner jubelt, das Kleeblatt um Branimir Hrgota ist enttäuscht. Wie immer zuletzt.   © Sportfoto Zink / Melanie Zink, Sportfoto Zink / Melanie Zink

Rachid Azzouzi sagte nichts. Und doch so viel. Der Geschäftsführer der Spielvereinigung lief am Samstagabend in der Tiefgarage unter der Leipziger Arena mehrere Minuten lang vor seinem Auto auf und ab, immer wieder schaute er auf den Boden, doch eine Antwort auf die vielen Fragen in seinem Kopf fand er auf dem Beton nicht. Azzouzi wirkte enttäuscht und nachdenklich nach diesem 1:4 seiner Mannschaft bei RB Leipzig, der achten Niederlage im neunten Bundesligaspiel.

Als er sich bereits auf den knapp 300 Kilometer langen Heimweg nach Fürth gemacht hatte, nahm Stefan Leitl auf dem Podium im Pressekonferenzraum ein paar Meter weiter Platz. Auch er wirkte enttäuscht und nachdenklich, natürlich. Leitl war aber auch glücklich, ein bisschen zumindest. Der Trainer der Spielvereinigung sprach über eine gute erste Halbzeit seiner Mannschaft, die "sehr aggressiv" gewesen sei, über "gute Momente, gute Ballgewinne" - und sagte dann einen Satz, der alles aus Fürther Sicht ganz gut zusammenfasste. "Es wäre möglich gewesen, höher als nur 1:0 zu führen."

Wer die Fürther da am Samstagnachmittag beobachtete, sah keinen sieglosen Tabellenletzten, der in acht Spielen erst einen Punkt gesammelt hatte. Keine Mannschaft, die nachdrücklich verunsichert wirkte. Leitl hatte mit einer Systemumstellung auf die Sperre von Mittelfeldchef Paul Seguin reagiert, im 4-2-3-1 machten Startelf-Debütant Max Christiansen und Sebastian Griesbeck das Zentrum dicht, vor allem die rechte Seite mit Jamie Leweling und Marco Meyerhöfer stellte die Leipziger immer wieder vor kleinere und größere Probleme.

Dudziak vergibt zweimal

Bereits nach sechs Minuten hätten die Fürther führen müssen, doch Jeremy Dudziak köpfte eine Flanke von Jetro Willems aus vier Metern über das Leipziger Tor. Das Kleeblatt blieb auch danach die bessere Mannschaft, erspielte sich mehrere Chancen und führte nach 23 Minuten sogar. Der Schiedsrichter wollte aber ein Foul von Cedric Itten am Leipziger Torhüter gesehen haben und verweigerte dem Treffer die Anerkennung. Dudziak vergab frei vor dem Tor nochmal, dann aber traf Kapitän Branimir Hrgota per Elfmeter (45. Minute). Nordi Mukiele hatte den sehr starken Leweling zuvor im Strafraum ungeschickt zu Boden gedrückt.

So führte das Kleeblatt zur Pause 1:0. Genauer: nur 1:0. Es hätte locker auch 2:0 oder sogar 3:0 stehen können - stand es aber nicht. "Wir wussten, dass die Leistung meiner Mannschaft etwas bewirken wird bei den Leipzigern", sagte Leitl hinterher. "Das hat man in der zweiten Hälfte gesehen." Sein Gegenüber Jesse Marsch brachte zum Wiederanpfiff unter anderem Angreifer Yussuf Poulsen, der nur ein paar Sekunden nach Wiederanpfiff zum Ausgleich traf. Mit dem ersten Schuss aufs Fürther Tor. Wie so oft.

"Das müssen wir besser verteidigen", beklagte Leitl, den Fehler sah er "im Zentrum", wo erst eine große Lücke herrschte und dann niemand den Leipziger Stürmer beim Abschluss störte. Dass Marco Meyerhöfer den unplatzierten Schuss unhaltbar für Marius Funk abfälschte, passte zur momentanen Situation des Kleeblatts - das nach 53 Minuten sogar mit 1:2 hinten lag. Poulsen zog Meyerhöfer erst sekundenlang am Trikot, der Fürther Verteidiger arbeitete ebenfalls mit den Armen, was der Eingewechselte dankbar annahm. Den fälligen Elfmeter verwandelte Forsberg.

Schon im offiziellen Teil des Pressekonferenz war Leitl nach seiner Einschätzung dieser Situation gefragt worden, gab sich da aber noch zurückhaltend. Im Vier-Augen-Gespräch aber verlieh er seiner Hilflosigkeit Ausdruck. "Ich bin kein Trainer, der sich permanent über solche Dinge echauffiert", betonte Leitl.

Doch beim Auswärtsspiel in Köln war seiner Mannschaft zuletzt schon mal ein klarer Elfmeter verweigert worden, der womöglich das 2:0 bedeutet hätte, worüber sich vor allem Azzouzi auch Tage später noch ärgerte. Jetzt führte ein strittiger Pfiff zum Rückstand. Es sind Kleinigkeiten, die aber Großes bewirken, vor allem bei einer Mannschaft, die tief in der Krise steckt. "Wir", glaubt Leitl, "bekommen so einen Elfmeter nicht."

Dennoch wollte der Trainer die erneute Niederlage nicht allein auf den Schiedsrichter schieben. Nach dem 1:2 habe seine Mannschaft "nichts mehr entgegenzusetzen" gehabt. Mit Dominik Szoboszlai und Hugo Novoa machten zwei weitere Leipziger Joker aus dem 2:1 bis zum Schlusspfiff ein 4:1. So endete auch das neunte Bundesligaspiel für alle Fürther ernüchternd, nicht nur wegen des Ergebnisses.

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