Zu viele falsche Entscheidungen

"Es nervt": Kleeblatt verarbeitet die nächste Bundesliga-Niederlage

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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3.10.2021, 14:45 Uhr
Siebtes Spiel, sechste Niederlage: Entsprechend schlecht war die Laune bei Fürths Trainer Stefan Leitl (Mitte) und seinem Boss Rachid Azzouzi (rechts).

Siebtes Spiel, sechste Niederlage: Entsprechend schlecht war die Laune bei Fürths Trainer Stefan Leitl (Mitte) und seinem Boss Rachid Azzouzi (rechts). © Sportfoto Zink / Melanie Zink, Sportfoto Zink / Melanie Zink

Steffen Baumgart wird Kanzler? Nein. Während sein Kölner Kollege versuchte, die Euphorie zumindest ein bisschen zu bremsen, starrte Stefan Leitl sekundenlang mit leerem Blick ins Nichts. Der Fürther Trainer wirkte nachdenklich, ja fast schon apathisch, als er in der Nacht zum Samstag im großen Pressekonferenzraum auf dem Podium saß. Die Gedanken schienen nur so durch seinen Kopf zu rattern, seine Aussagen im offiziellen Teil hielt er deshalb auch sehr kurz.

An einem hölzernen Stehtisch gab Leitl anschließend einen tieferen Einblick in seine Gedankenwelt, es hörten ja nicht mehr 20 Journalisten und mehrere Kameras zu. "Direkt nach dem Spiel ist man natürlich aufgewühlt und die ein oder andere Situation geht einem durch den Kopf", sagte Leitl. "Es nervt auch, dass Du immer das Lob für eine engagierte Leistung bekommst, aber am Ende mit leeren Händen da stehst."

Denn die Worte des gegnerischen Trainers gleichen sich in den vergangenen Wochen. Wolfsburgs Mark van Bommel prophezeite, in Fürth würden nicht mehr viele Mannschaften gewinnen, Münchens Julian Nagelsmann sprach ebenfalls auffällig positiv von der Spielvereinigung. Und am Freitagabend war es Steffen Baumgart, den die Fans sogar als möglichen Kanzler besangen, der eine kleine Lobeshymne auf die Spielvereinigung anstimmte. Die habe "es sehr, sehr gut gemacht und uns immer wieder überspielt", seine Mannschaft habe in der ersten Hälfte auch "ein Quäntchen Glück" gehabt.

Zumindest in dieser Analyse konnte Leitl seinem Kollegen zustimmen. Zum wiederholten Male begannen die Fürther sehr mutig und forsch, eine schöne Kombination über Branimir Hrgota und Startelf-Debütant Timothy Tillman vollendete Marco Meyerhöfer mit dem frühen 0:1 nach sieben Minuten. Auch danach hatte das Kleeblatt mehrere gute Chancen, unter anderem traf Jeremy Dudziak innerhalb weniger Sekunden zweimal den Pfosten.

Deshalb ging die Spielvereinigung nur mit einem 1:0 in die Pause. In der Kabine war danach die Euphorie groß, es war schließlich die erste Halbzeitführung dieser Saison. "Wir haben uns viel vorgenommen, damit wir es in der zweiten Halbzeit genauso gut verteidigen wie in der ersten", sagte Torhüter Marius Funk später, der überraschend den etablierten Sascha Burchert ersetzte. "Dann haben wir es verpasst, das 2:0 zu machen und nicht mehr dagegenhalten können - obwohl wir wussten, dass sie marschieren werden und Gas geben wollen."


Funk für Burchert: Fürths Trainer erklärt den Torwartwechsel in Köln


Die Phase direkt nach der Halbzeit war es auch, die Stefan Leitl so sehr beschäftigte. "In den ersten zehn Minuten haben wir in drei Situationen gute Umschaltmomente nach Ballgewinnen", begann er seine lange Ausführung. "Wenn wir da den vorletzten Pass bringen, spielen wir entweder im Drei gegen Zwei, Vier gegen Drei oder Fünf gegen Drei. Und das auswärts. Beim Stand von 1:0 für uns." Doch einmal traf Branimir Hrgota die falsche Entscheidung, kurz darauf war es Havard Nielsen. "Wir gehen in kurze Dribblings und verlieren den Ball anstatt es sauber zu Ende zu spielen", so Leitl. "Normalerweise erlegst du den Gegner in solchen Situationen, das ist uns nicht gelungen."

Stattdessen kamen die Kölner auf, die "mit sehr viel Druck und Power nach vorne" spielten, wie Baumgart sagte. Ein Tor hätten die Fürther trotzdem nicht kassieren müssen. Vor dem Ausgleichstor durch Anderson "hatten wir eine 4:3-Überzahl am Flügel, das müssen wir besser verteidigen und dürfen die Männer nicht im Rücken laufen lassen", so Leitl - es war eine Kritik an Paul Seguin, der genau das getan hatte. Beim 2:1 wenig später, einem Eckball, "lassen wir unsere Gegenspieler laufen", so Leitl. "Das darf einfach nicht passieren." Zuerst verlor Meyerhöfer das Kopfballduell mit Jonas Hector, am zweiten Pfosten kamen Seguin und Jetro Willems zu spät.

"Wenn man sich die Situationen im Detail anschaut, ist es Wahnsinn, das zu sehen", sagte Leitl. Woran das liegt? "Das sind Stressmomente im Spiel, wenn man in Sekundenbruchteilen eine Entscheidung treffen muss", sagte der Trainer. "Wir treffen momentan leider zu viele falsche Entscheidungen."

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