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Weihnachtsfrieden? Club hat wenig Geduld mit Palikuca

FCN will wegweisende Winterpause nutzen und die Unwucht im Kader beseitigen - 23.12.2019 05:57 Uhr

Die Geduld mit Club-Sportvorstand Robert Palikuca ist beim FCN nur begrenzt. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink


Als alles eigentlich schon vorbei war am Freitagabend, da zeigte Georg Margreitter noch einmal seine Qualitäten als Zweikämpfer. Margreitter hatte gerade sein Comeback gegeben in der 2. Fußball-Bundesliga und der 1. FC Nürnberg auch deshalb mal wieder ein Spiel gewonnen, weil ganz hinten der Innenverteidiger Margreitter dafür gesorgt hatte, dass kaum etwas passiert. 2:0 hieß es am Ende für den Club gegen Dynamo Dresden. Es war allerdings erst der fünfte Punktspielsieg für den Club im Jahr 2019, weshalb Margreitter, der das Jahr vom Anfang bis zum Ende hat miterleben müssen, dazu doch bitte auch noch einmal etwas hätte sagen sollen.

Geht leider nicht, sagte Margreitter freundlich lächelnd den Fragesteller abprallen lassend wie zuvor die Dresdner Angreifer, Fazit ziehen sei eine Disziplin, die bei ihm immer erst am letzten Tag des Jahres auf dem Programm stünde. Bis dahin solle man sich doch bitte daran erfreuen, dass man mal wieder positiv über ein Fußballspiel mit Nürnberger Beteiligung sprechen könne.

Kellers erster Club-Sieg

Das versuchten dann auch alle Beteiligten in den Katakomben des Max-Morlock-Stadions, aber so sehr sie auch mühten, es wollte nicht so recht funktionieren. Natürlich war das schön gewesen, Nürnbergs Fußballspieler nach dem Abpfiff und zur Abwechslung mal wieder vor einer freudetrunken singenden Nordkurve stehen zu sehen. Natürlich waren da die beiden Tore Robin Hacks (33., 53.) zu bestaunen gewesen, der einzigen Entdeckung der Club-Vorrunde in der 2. Liga.

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Aber da waren eben auch die 37 Minuten nach Hacks zweitem Treffer, in denen der Club wieder nicht souverän ausgesehen hatte, in denen man sich wieder mit der Frage beschäftigen konnte, was noch alles schiefgehen könnte und was schon alles schiefgegangen war in diesem Jahr. Jens Keller, dem seit fünf Spielen verantwortlichen Trainer, der nun erstmals einen Erfolg hatte erleben dürfen, ging es ganz ähnlich. "Ab der 70. Minute hat die Mannschaft wieder angefangen zu denken, hat Respekt gehabt", sagte Keller.

Jahresende auf Rang 16

Am Freitagabend ging aber trotz aller Denkerei nichts mehr schief, was vor allem daran lag, dass Dynamo tatsächlich aussah wie ein Tabellenletzter und ein wenig auch an Georg Margreitter. Trotzdem beendete der Club das Jahr als Sechzehnter der 2. Liga und als eine Mannschaft, der man für 2020 nicht allzu viel zutrauen muss.

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Wie seit Wochen muss das Spiel gegen Dynamo Dresden als ein Endspiel für den Club bezeichnet werden – diesmal ist es auch noch die letzte Partie vor Weihnachten. Es geht also um alles – und vor allem darum, nicht auf einem direkten Abstiegsplatz überwintern zu müssen. Der Druck ist groß, doch diesmal halten die Nürnberger ihm stand. Durch den Doppelpack von Robin Hack schlägt der FCN den Tabellenletzten aus Dresden und legt sich wenige Tage vor Heilig Abend einen Dreier auf den Gabentisch.


Also knickte auch Margreitter noch einmal ein und rückte ab von seinem Fazit-Zeitplan. "Miserabel", sagte er über die Bilanz mit den nur fünf Siegen im Kalenderjahr. Und auch Gründe für die Misere nannte Margreitter: "Bis jetzt hat sich jeder gefreut, gegen Nürnberg zu spielen, weil wir eine gut zu bespielende Mannschaft waren, schlecht in der Zweikampfführung und gelaufen sind wir auch zu wenig."

Zeit zum Lernen

Bald soll das alles besser werden, so wie das eben in Ansätzen schon gegen Dresden besser geworden war. Wie das noch besser wird, durfte wieder Jens Keller ausführen. Der will die kurze Winterpause nutzen, um seine Idee vom Fußball seiner Mannschaft zu vermitteln. Bislang, so sagt das Keller, war dafür nicht wirklich Zeit. "Jeder Trainer hat seine Gedanken und seine Philosophie", sagte Keller am Freitagabend, "aber wenn du in eine Situation kommst, in der es brennt, dann ist dafür keine Zeit."

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Jetzt haben sie zumindest ein bisschen Zeit, dass sie den Brand alleine durch Kellers Gedankenspiele löschen können, glauben sie am Valznerweiher aber selbst nicht. Sie wollen die Unterbrechung des Spielbetriebs auch dazu nutzen, die Unwucht in der von Sportvorstand Robert Palikuca zusammengestellten Mannschaft zu beseitigen.

Begrenzte Geduld

Versuchen darf das erneut Palikuca, der ein Anfänger ist als Sportvorstand und der spätestens jetzt merkt, dass dieser Beruf nicht immer ein Traumberuf sein muss. Es dürfte seine letzten Chance sein, sich in Nürnberg zu profilieren. Aus dem Verein hat man zuletzt schon gehört, dass Palikuca mal ein guter Sportvorstand werden könnte. Kein besonders nettes Lob, dass er schon einer ist, hört man nicht.

 

Allzu groß ist die Geduld nicht mehr, die die Sportvorstands-Werdung Palikucas begleitet. Immerhin: Jens Keller ist bereit zu helfen. Seinen Wunschzettel, was die Verpflichtung von Verstärkungen betrifft, hat er Palikuca schon unter den Weihnachtsbaum gelegt, sagte Keller am Freitagabend.

Nicht schön, aber erfolgreich

Immerhin droht durch das Spiel vom Freitag nicht der Blick auf das Wesentliche verschleiert zu werden. Durchdacht und überzeugend wirkte der Club nur selten, auch wenn alle Beteiligten hinterher irgendetwas fanden, was es zu loben gab. Keller sprach von einer "sehr guten ersten Halbzeit", Margreitter war stolz darauf, wie sie in der zweiten Halbzeit "ungemütlich" waren, das "Spiel verschleppt" hatten und so den Widerstandsgeist der Gäste gebrochen hatten.

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All das, sagte Margreitter, habe zuletzt gefehlt, diesmal war es da. Dass da noch viel mehr fehlt, weiß der Österreicher auch. Aber, das sagte er auch noch über dieses 2:0 gegen Dynamo: "Was Besseres gibt es in unserer Situation gerade nicht."

Fadi Keblawi

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