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Europas NS-Gedenkstätten sollen kooperieren

Ziel ist eine gemeinsame europäische Erinnerungsarbeit - 02.02.2012 17:49 Uhr

Er teilt die Auffassung vieler Experten, dass sich die Gedenkstätten und zeithistorischen Museen national und international verständigen und zusammenschließen sollten. Zumindest die europäische Dimension der NS-Verbrechen seien damit in den letzten Jahren deutlicher wahrgenommen worden.

Ziel einer gemeinsamen europäischen Erinnerungsarbeit ist es, zu einem identischen Bild der Geschichte zu kommen und zu erklären, was warum passiert ist. Das internationale Zusammenwirken soll verhindern, dass Historie einseitig ausgelegt wird und sich so Fronten verhärten. Und es kann helfen, Versuche abzuwehren, die Häuser – Gedenkstätten und Museen – politisch zu instrumentalisieren.

Täubrich ist zu historischen Stätten der Erinnerung in Polen und Frankreich gereist und hat versucht zu analysieren, wie andernorts mit dem schweren historischen Erbe der NS-Diktatur umgegangen wird. „Wir bewegen uns dabei in einem Radius von gut 1100 Kilometern.“ So weit seien die meisten der angesprochenen Orte von hier entfernt – Majdanek, Belzec, Sobibor, Treblinka und Chelmno im Osten Europas, aber genauso Oradour-sur Glane und Caen im Westen.

Vielerorts in Polen und Frankreich geschah lange Zeit nichts, um die Schauplätze des Schreckens für die Nachwelt authentisch zu erhalten. Wer nach dem Warum frage, sei, so Täubrich, daran erinnert, dass es auch in Nürnberg lange gedauert habe, bis etwas passiert sei und die Bauten auf dem Reichsparteitagsgelände nicht mehr einfach nur kommerziell genutzt wurden.

Den Ist-Zustand weiter konservieren?

Die Bewahrung der Authentizität großer Areale wie beispielsweise Auschwitz und Auschwitz-Birkenau – Gleise, Bauten, Stacheldraht, Objekte wie Koffer, Zyklon-B-Dosen oder Berge von abgeschnittenen Haaren – stellten ein akutes Problem dar.

An bestimmten Stellen müsse darüber nachgedacht werden, sagte Täubrich, ob es sinnvoll ist, den Ist-Zustand möglichst zu konservieren oder sich für einen kontrollierten Verfall zu entscheiden. „Orte und Gedenken sind nie überflüssig.“ Deshalb sei er dem Verleger Bruno Schnell überaus dankbar für seine Unterstützung der Nürnberger Erinnerungsarbeit und des Dokumentationszentrums. 

Uschi Assfalg

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