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Freitag, 20.07.2018

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Welpenhändler klagt gegen Tierheim

Nach Rettung von 92 Hundebabys - 24.04.2012 07:00 Uhr

Vor knapp zweieinhalb Monaten wurden aus diesem Transporter 92 Hundewelpen befreit. Nun verklagt der Hundehändler das Tierheim. © Tierheim Nürnberg


NZ: Quasi über Nacht ist das Tierheim Nürnberg eines der bekanntesten in ganz Deutschland geworden. Ist das ein Fluch oder ein Segen?

Heike Weber: Sowohl als auch würde ich sagen. Natürlich war es ein Segen, dass das Medieninteresse so groß war. Damit wurde die Problematik von

Billigwelpen aus dem Ausland einer breiten Öffentlichkeit vermittelt. Ein Fluch ist es deswegen, weil die

Diskussionen um unsere Entscheidungen bis heute nicht aufhören. Waren die Entscheidungen richtig, die wir getroffen haben? Hätten wir die Welpen nicht besser in Pflegefamilien unterbringen sollen? Es gab so unfassbar viele Diskussionen und Meinungen und so viel Hin und Her.

NZ: War es richtig, die Öffentlichkeit nicht darüber zu informieren, wie viele Welpen tatsächlich gestorben sind? In den Medien war lange Zeit von acht toten Welpen die Rede, obwohl letztendlich 24 den Transport nicht überlebten.

Weber: Das war so eine Diskussion, die auch intern geführt wurde. In diesem Moment war es meiner Meinung nach die richtige Entscheidung. Für uns war es insgesamt eine sehr schwierige Situation. Wir mussten sehr viele Entscheidungen innerhalb kürzester Zeit treffen. Oftmals konnten wir nur noch reagieren. Eine geregelte Planung der nächsten Schritte war nicht mehr möglich. Letztendlich mussten wir ohnehin feststellen: Es gibt kein Richtig oder Falsch. Ich stehe aber zu allen Entscheidungen, die ich getroffen habe.

NZ: Hat diese Zeit die Mitarbeiter zusammengeschweißt?

Weber: Ja, ich denke schon. Es war natürlich eine hoch emotionale Zeit für uns alle. Die Pfleger waren teilweise Tag und Nacht bei den Tieren. Wenn dann viele Welpen auf einmal gestorben sind, war das richtig schlimm. Die emotionale Belastung war für alle immens. Wenn man einmal zusammen geweint hat, dann schweißt das schon zusammen. So ganz aufgearbeitet haben wir die vergangenen Monate noch nicht. Wenn ich zum Beispiel die Bilder von den Golden Retrievern sehe, die als Erstes ins Welpenhaus gezogen sind, läuft es mir kalt den Rücken runter. Wir haben uns so gefreut, dass sie von Anfang an stabil waren. Drei von ihnen sind einige Tage später trotzdem gestorben.

NZ: Wollen Sie das Thema Welpenschmuggel noch weiterverfolgen oder legen Sie das Thema nun ad acta?

Weber: Wir bleiben auf jeden Fall an dem Thema dran. Wir haben in den vergangenen Wochen Kontakte zu Organisationen und Tierschützern in Ungarn, Belgien, der Slowakei und Holland geknüpft, damit wir uns austauschen und überregional gegen den Welpenhandel vorgehen können. Wir wollen versuchen, das Übel an der Wurzel zu packen. Das Thema soll auch vor Ort mehr in die Öffentlichkeit gebracht werden. Dafür ist viel Aufklärungsarbeit nötig. Begrüßenswert wäre natürlich eine Richtlinie, die europaweit gilt. Aber Tierschutz ist bisher noch Ländersache, da muss erst einmal ein Konsens gefunden werden. Bisher können wir nur schauen, dass wir den Welpenhändlern das Leben hier so schwer wie möglich machen. Für uns ist die jetzige Geschichte auch noch nicht ausgestanden. Es steht derzeit eine Klage gegen uns vonseiten des Händlers im Raum, dem wir die Welpen abgenommen haben.

NZ: Welche Vorwürfe erhebt der Händler denn gegen das Tierheim?

Weber: Die Bestellzahlen seien angeblich seit der Berichterstattung zurückgegangen, obwohl sein Name nie erwähnt wurde. Deswegen hat er Klage wegen Umsatzverlusten gegen uns eingereicht. Rechtlich dürften wir jedoch auf der sicheren Seite sein. Mehr kann ich dazu aber noch nicht sagen, weil es sich um ein laufendes Verfahren handelt. 

Fragen: Katrin Wiersch E-Mail

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