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Gesucht: Das nächste kleine Ermreuther Fußballwunder

Ein Kreisligist mit erfolgreicher Vergangenheit

Anfang der 80er Jahre schrieb der SV Ermreuth Dorf-Verein-Geschichte. Nun geht es um den Aufstieg in die Bezirksliga.

Der SV Ermreuth (gelb, hier im Duell mit Neunkirchen) hat eine erfolgreiche Vergangenheit.

 / © Horst Linke

Es gab Abende, da hatten Heinz Hammerand und seine Teamkollegen 15 Bierkästen in der Kabine stehen, alle gespendet von den Fans. „Damals gab es noch kein Geld fürs Fußballspielen. Die Fans haben einfach einen Kasten gezahlt — und wir mussten das dann auch alles trinken.“ Heinz Hammerand muss lachen, während er das erzählt. Die Zeiten, in denen sich gute Fußballer mit Bierkästen-Bezahlung zufrieden gaben, sind lange vorbei.

Für den SV Ermreuth aber war es eine wunderbare Zeit, die erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte. Im Sommer 1983 stieg der kleine Dorf-Verein in die Landesliga auf, in die damals vierthöchste Liga. Das Relegationsspiel gegen Bad Windsheim wollten 5000 Zuschauer sehen. „Es war berauschend“, sagt Heinz Hammerand. Der heute 61-Jährige stand als Fußballer auf dem Platz. „Für einen Amateurspieler war das der Wahnsinn. Gänsehaut pur. Und natürlich hatten wir vorab weiche Knie.“

Doch die Mehrheit der Fans unterstützte die Ermreuther. „Wir als kleiner Verein hatten die Menge hinter uns.“ Überraschend ging der SVE in Führung. „Das beflügelte uns, jeder machte einen Schritt mehr.“ Am Ende gewann Ermreuth mit 3:2 und stieg in die Landesliga auf. Die Zeitung titelte„Ermreuth machte ,Millionen-Elf‘ lächerlich“und die Bierkästen stapelten sich in der Kabine. Tatsächlich trat der Erfolg völlig unerwartet ein, der Verein hatte sich aus der B-Klasse hochgearbeitet. „Wir waren als Mannschaft zusammengewachsen, ein Team aus 16 bis 18 Spielern und den Trainern“, sagt Heinz Hammerand.

Als 13-jähriger Junge fing er beim heimischen Sport-Verein an, bis zu seinem 50. Lebensjahr spielte er für Ermreuth. Heute ist Heinz Hammerand der Vorsitzende des Vereins, seine Söhne Leistungsträger der ersten Mannschaft. Heinz Hammerand selbst, aber auch seine Brüder Charly, Albrecht und Jürgen sind so etwas wie Fußball-Helden im Ort. 2000 Zuschauer kamen einst zum Derby gegen den TSV Neunkirchen. „Die Geschichten von damals“, sagt Sohn Mathias Hammerand, „hören wir auf jeder Familienfeier.“

800 Fans an einem Mittwochabend

Sogar in der Bezirksliga waren in den Achtzigern Hunderte Zuschauer am Sportplatz, „800 Fans an einem Mittwochabend“, sagt Heinz Hammerand. „Ein paar Jungs hatten Fahnen dabei. Lagen wir mal zurück, haben sie uns angefeuert.“ Davon können selbst Bayernligisten heute träumen, in der Kreisliga kommen selten mehr als 100 Zuschauer zu einem Spiel — selbst wenn es das Derby gegen Neunkirchen ist. Dort nämlich treffen sich mittlerweile die beiden Vereine: in der Kreisliga 2. Dass der SV Ermeuth nur noch auf Kreisebene spielt, stört den einstigen Aufstiegshelden nicht. „Für uns ist das ein Erfolg. Andere Vereine wären froh, dort zu spielen.“ In der Saison 2016/17 schnupperte die Mannschaft erstmals wieder an einem Aufstieg in die Bezirksliga. „Dort wären uns die Grenzen schon aufgezeigt worden. Doch so leicht wie heuer wird es nie wieder, auf Rang zwei zu kommen.“ Dann aber hat Ermreuth ein paar Spiele zu viel verloren — und wurde Dritter.

„Bei der Saisoneröffnung habe ich gesagt, dass wir Platz zwei anpeilen. Wenn es am Ende Rang fünf wird, dann ist es Rang fünf.“ Die Mannschaft spielt im Kern seit Jahren zusammen. „Sie ist gereift“, sagt Heinz Hammerand. Doch fallen Leistungsträger verletzt aus, „wird es eng“. Sollte es aber klappen mit dem Aufstieg in die Bezirksliga, wäre es ein kleines Fußball-Wunder. Aber damit kennt sich der Verein ja aus.

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