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"Amateurfußball ist pure Leidenschaft"

Interview mit Tucher-Geschäftsführer Fred Höfler

Der Unternehmer Fred Höfler (61) über seine Lieblingsbeschäftigung und persönliches Mäzenatentum.

Zum Interview auf der Tribüne des TSV Burgfarrnbach kam Fred Höfler direkt aus dem Büro und behielt den Anzug gleich an. Zu Heimspielen des Kreisligisten trägt er lieber „verranzte kurze Hose“, wie er sagt.

 / © Benesch

Herr Höfler, als Geschäftsführer der Tucher Brauerei sind Sie auch in den Logen der Bundesligisten Zuhause. Wie oft sieht man Sie noch an einem ganz normalen Fußballplatz?

Fred Höfler: Regelmäßig. Also regelmäßiger, als ich in den Logen der Bundesligisten bin. Das hat nichts damit zu tun, dass wir momentan leider keinen fränkischen Bundesligisten haben, sondern damit, dass ich Amateurfußball gerne sehe. Sobald es die familiären Umstände zulassen, flüchte ich samstags auf den Fußballplatz.

Sind Sie dann rein privat dort?

Ich kann das gut mit dem Beruf verbinden, weil unsere Vertrag- beziehungsweise Verhandlungspartner in der Regel auch bei den Mannschaften zuschauen, die sie unterstützen. Über vertragliche Dinge wird während des Fußballspiels dann aber kaum gesprochen, dafür ist man auch als Zuschauer viel zu angespannt.

Also sind Sie auch als Repräsentant dort...

Ich wohne in Burgfarrnbach und wenn ich mir hier Spiele anschaue, dann habe ich meistens eine verranzte kurze Hose an und die Fahrradpumpe noch im Arm. So sieht ein Repräsentant nicht aus.

Was macht den Amateurfußball für Sie aus?

Leidenschaft. Wenn man sieht, wie die Jungs ihre Knochen hinhalten, obwohl sie am Montag wieder in die Arbeit müssen, ist das Leidenschaft pur. Wenn man in der Woche bis zu 380 000 Euro verdient, dann ist wohl auch Leidenschaft dabei, aber für den Spieler liegt die Hauptmotivation dann im monetären Bereich.

Das hört sich fast so an, als ob Sie lieber Amateurfußball als Profifußball schauen.

Wenn es um den sportlichen Wert geht, ist mir persönlich der Amateurfußball lieber. Außerdem gibt es Berührungspunkte, weil mein Sohn einige Jahre in Burgfarrnbach gespielt hat und wir viele aktive oder ehemalige Amateurfußballer in der Firma haben.

Wenn einer Ihrer Arbeitnehmer sich beim Fußball verletzt und im Betrieb deshalb ausfällt, darf er dann wieder anfangen mit Fußball?

So lange ich Chef im Unternehmen bin, ohne Einschränkung: ja!

Wie viele Vereine unterstützt ihr Unternehmen?

Wenigstens 100, das reicht von Bandenwerbung bis Trikot-Sponsoring. Besonders begehrt sind bei den Spielern die Ausgehanzüge. Ein Veitsbronner kam mal zu mir und sagte: Meister, was müssen wir machen, damit wir solche Anzüge bekommen wie die Burgfarrnbacher und Cadolzburger. Da sagte ich: das Bier wechseln.

Und, wurde es gewechselt?

Die Spieler haben diese Idee beim Vorstand ernsthaft verfolgt, aber der war wohl ganz zufrieden mit der liefernden Brauerei. Nur wegen den Ausgehanzügen wechseln – das kam nicht in Frage.

Lohnt es sich für Tucher, den Amateurfußball zu unterstützen?

Das ist nicht messbar. Wir wissen ja auch nicht, wie es laufen würde, wenn es dieses Engagement nicht gibt.

Helfen Sie auch finanziell bei Spielerverpflichtungen?

Das machen wir nie. Es wäre sonst persönliches Mäzenatentum, ich würde meine persönliche Leidenschaft auf Geschäftskosten ausleben und in den Spielbetrieb eingreifen – das geht nicht.

Allerdings machen genügend andere Unternehmer doch genau das.

Das sind meist Eigentümer beziehungsweise Selbstständige, die können mit Ihrem Vermögen machen, was sie wollen. Ich hingegen verwaltet das mir anvertraute Unternehmen nur. Es gibt genug negative Beispiele. Wenn der Gönner keine Lust oder Mittel mehr hat, zieht er sein Engagement über Nacht zurück. Ich denke an den SV Gutenstetten, den Verein gab es dann plötzlich nicht mehr. Oder an den SV 1873 Süd, wo man Jugendmannschaften abgemeldet und lieber in die erste Mannschaft investiert hat, weil man von höheren Ligen träumte.

„Ich halte die Professionalisierung nicht für gut“

Wir beobachten, dass der ganze Amateurfußball immer kommerzieller wird. Vereine müssen mitziehen, beispielsweise mit Liveticker für den Bayerischen Fußballverband.

Vor einigen Jahren ist auch noch von staatlicher Seite die Unterstützung für die Übungsleiter weggefallen. Der Bayerische Fußballverband bürdet den Vereinen unglaublich viel auf. Gerade kleine Vereine haben Probleme, da mitzuziehen. Ich habe schon Verständnis für diese Professionalisierung, aber ich halte sie nicht für gut, weil die Lasten auf die Vereine abgewälzt werden.

Haben Sie einen persönlichen Wunsch für diese Saison?

Ja, aber da habe ich keinen Einfluss: Die Einteilung der Ligen könnte besser sein, Kornburg aus dem Nürnberger Raum muss in der Bayernliga Süd antreten. In der Landesliga gibt es immer wieder geografische Verwerfungen, die keiner verstehen kann. Ich würde mir die Bezirksoberliga zurückwünschen. Da kamen viele Zuschauer, es gab viele Derbys. Vielen Landesligisten geht es ähnlich, die hätten auch gerne die BOL zurück. Aber ich denke nicht, dass dieser Wunsch eine Chance auf Realisierung hat.

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