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Jahn Forchheim: Ein Dauer-Umbruch ohne Unterbau

Der Bayernligist will seine Jugendarbeit neu aufbauen

Viele Vereine setzen auf die eigene Jugend. Bayernligist SpVgg Jahn Forchheim tat dies lange nicht. Mit Konsequenzen. Der nun eingeleitete Kulturwandel braucht Zeit.

Die Jahn-Kicker durften sich über die Rückkehr in die Bayernliga freuen. Dass den Klub trotzdem einige Spieler wie Maximilian Göbhardt (re.) verließen, ist in Forchheim Normalität.

 / © Roland Huber

Mit zehn Neuzugängen und neun Abgängen drehte sich das Personalkarussell im Frühsommer fast schon in gewohntem Tempo für den Bayernliga-Rückkehrer. Beim Jahn tauschten sie in den zwei Jahren zuvor praktisch jeweils den kompletten Kader aus. Unfreiwillig nach kurzfristiger Fahnenflucht mehrerer Leistungsträger vor der Saison 2015/16, die im Abstieg endete. Kalkuliert, um die Mannschaft in der folgenden Runde für die schließlich erfolgreiche Aufstiegs-Mission in der Landesliga zu rüsten. „Durch den Umbruch sehe ich uns nicht im Nachteil. Ich bin froh über unsere gezielten Verstärkungen. Ob du fünf oder acht Neue einbaust, macht keinen Unterschied. An die Fluktuation haben wir uns gewöhnt und sehen sie als Chance, Spieler zu entwickeln“, erklärt Trainer Christian Springer, der im März das Ruder bei seinem Heimatverein übernommen hat und das Saisonziel erreichte.

Unter den höherklassigen Klubs, deren ambitionierteste Kräfte regelmäßig für Bewegung auf dem Transfermarkt sorgen, ergibt sich für die Forchheimer beim Spielermanagement jedoch eine arbeitsintensive Sonderstellung, denn sie können ihre Verluste nicht aus eigener Kraft ausgleichen. Während Konkurrenten und Nachbarn wie der FSV Bruck, der Baiersdorfer SV oder die SpVgg Ansbach bereits auf Landesebene erfahrenen Nachschub heranziehen, wurde der Jahn mangels Eigengewächsen zur Weiterbildungsstätte für externe Talente mit prägender Erlanger Fraktion. In der abgelaufenen Spielzeit stellte ein Trio gebürtiger Forchheimer das höchste der Gefühle dar, aktuell hält unter den etablierten Akteuren der Buckenhofener Tobias Eisgrub die Fahne hoch. Dominik Friedrich personifiziert nun eine erstmalig wieder gebotene Perspektive eigenen Frischfleisches. „Ich freue mich in erster Linie persönlich für den Spieler, aber auch für den Verein. Wir haben lange warten müssen“, konstatiert mit Springer die Person, die vor Jahren als Vorstandsmitglied zusammen mit Uwe Schüttinger an einem Kulturwandel mitwirkte.

Rückblick: Uwe Schüttinger erinnert sich an sein Karriereende 1994. Die SpVgg Jahn stellte drei Herrenmannschaften, der Unterbau bestand vornehmlich aus Forchheimer Jungs und trug das Kerngeschäft in Form von Identifikation und Mitgliedergewinnung. Die zweite Garde mit vielen Jungspunden klopfte in der damaligen A-Klasse, heute Kreisliga, zwischendurch sogar am Tor zur Bezirksliga. „Es hat sich aber schon angedeutet, dass sich der Fokus zu sehr auf die 1. Mannschaft als Aushängeschild verlagert“, erzählt Schüttinger. Die Folgen sind bekannt, sie kosteten die finanzielle Stabilität des Klubs und gipfelten im Jahr 2000 im Rückzug aus der Bayernliga. Im Eiltempo ging es zwar danach die Spielklassen-Leiter empor, aber die Jugend wuchs nicht mit. Eine 2002 gestartete Kooperation mit dem VfB ging 2010 zu Bruch. Gerade einmal 60 Jugendliche bis zur U15 waren übrig, als sich das neue Vorstandsmitglied Schüttinger im März 2011 der Jugendleitung annahm.

Abstieg und Auflösung

Ein Zwischenerfolg gelang 2012 dem Abteilungsleiter Besnik Avdiji, der die Zweite mit einer Truppe aus vielen Forchheimern zurück in die Kreisliga führte. Die fehlende Blutauffrischung mündete jedoch 2015 in Abstieg und Auflösung. „Das tat weh und zeigte, was passiert, wenn am falschen Ende gespart wird“, sagt Schüttinger. Es bedurfte noch einen etwas längeren Atem, um ein neues Fundament zu legen. Mit etwas unter 200 Jugendlichen, davon eine Mehrzahl mit Migrationshintergrund, sieht der 50-Jährige sein Projekt in der Zwischenzeit gut gediehen. Die Altersklassen waren in der Saison 2016/2017 wieder durchgehend besetzt. In der neuen Spielzeit gibt es allerdings einen Makel: Es reicht nicht für eine U17. Die Vorgängermannschaft, betreut von Schüttinger, ist dem Juniorenbereich mittlerweile entwachsen.

Abzüglich einer handvoll Abgänge sind es jene zehn Eigengewächse, die das Gerüst einer neuen zweiten Mannschaft unter dem Kommando von Ercan Öntürk bilden. „Der Weg sollte möglichst schnell zumindest in die Kreisklasse führen, um den nachrückenden Spielern immer einen Anreiz zum Verbleib bieten zu können“, formuliert Schüttinger seine Ziele. Freilich weiß er um den miesen Ruf des Jahn und die Skepsis der Beobachter, ob das denn diesmal ernst gemeint sei mit der Nachwuchsförderung. „Ich finde, mit der zusätzlichen Anmietung der VfB-Plätze haben wir ein Signal gesetzt.“

Den Weg zur Nachhaltigkeit will Schüttinger in nächster Zeit in der Qualifizierung von Trainern, besonders zwischen U15 und U17, fortschreiten. Geringere Priorität räumt der Mehrfach-Funktionär wiederum der Ligazugehörigkeit seiner Jugendteams ein. „Das wäre im höheren Bereich ein erheblicher Kostenfaktor. Für uns muss zumindest aber die Kreisliga der Anspruch sein.“ Dies steht im Einklang mit den Erwartungen des Jahn-Cheftrainers Christian Springer. Der 46-Jährige Inhaber der A-Lizenz sammelte auf seiner ersten Übungsleiterstation von 2014 bis 2016 Erfahrungen mit dem hochveranlagten Bundesliga-Nachwuchs der SpVgg Greuther Fürth. „Taktische Dinge, um auch auf Bayernliga-Niveau mitzuhalten, kannst du später noch vermitteln. Die gute technische Ausbildung ist zentral, hängt aber nicht von der Ligazugehörigkeit ab. Du hast heute ohnehin nicht mehr die Garantie, dass deine besten Talente am Ende in der 1. Mannschaft auflaufen.“

Die Konsequenz an der Spitze des Eisbergs: Für seine Bayernliga-Elf fahndet der Jahn in den kommenden Jahren weiter nach Talenten aus dem Umkreis.

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