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Bruck und Eltersdorf: Stadt-Derby statt Fusion

Was ist aus den Plänen geworden?

Eltersdorf und Bruck spielen endlich wieder gegeneinander. Vielleicht wäre mehr als Bayernliga möglich, wenn beide ein gemeinsames Team formen. Pläne gab es. Und jetzt?

Dieses Spruchband präsentierten die Fans des SC Eltersdorf beim Bayernliga-Spiel 2011 gegen die Brucker. Nun trifft man sich wieder.

 / © Zink

Schon morgens beim Bäcker gibt es nur ein Thema. Ein ganzer Ortsteil wartet auf den Anpfiff. Die Fans drängen sich um den Sportplatz. Die Spieler sind motiviert wie lange nicht mehr. Kratzen, Beißen, Kämpfen. Grätschen, Sprints, Jubel, Frust. Die Anspannung am Siedepunkt, bald kocht alles über. Nichts ist elektrisierender als ein Derby. In Erlangen treffen die großen Rivalen wieder aufeinander, in der Bayernliga gibt es endlich wieder ein Stadt-Derby – das Hinspiel in Eltersdorf vor wenigen Wochen gewann der SCE vor über 1000 Zuschauern mit 3:2. Doch hätten sich die Dinge vor einigen Jahren anders entwickelt, wäre es vielleicht nie wieder dazu gekommen. Es war eine Zeit, in der es weder dem FSV Erlangen-Bruck noch dem SC Eltersdorf besonders gut ging. Auch Reinhard Heydenreich und Joachim Uhsemann saßen damals zusammen, es gab Gespräche, Ideen, Wünsche.

Könnte es möglich sein, in Erlangen eine überregional erfolgreiche Fußball-Mannschaft zu gründen, einen neuen Verein, ist eine Fusion der beiden klassenhöchsten Klubs denkbar? Vorbilder gibt es, auch in der Region, sogar innerhalb der Stadt. Die Spielvereinigung Fürth oder der HC Erlangen, Profi-Klubs, die es so vorher nicht gab, die sich entwickelten, nachdem sich kleinere Vereine zusammenschlossen. Auch für Bruck und Eltersdorf war das denkbar. „Vor zwei Jahren gab es lockere Gespräche“, sagt Joachim Uhsemann, der Sportliche Leiter Seniorenfußball beim SCE. „Wir haben abgewogen, ob diese Richtung stimmen könnte für Erlangen.“ Die Klubs hätten so Kosten sparen, ihre Kräfte bündeln können. „Mit dem Handball ist es aber nicht vergleichbar“, sagt Uhsemann. „Trotzdem haben wir überlegt, wo wir eine Win-Win-Situation schaffen können.“

Eltersdorf spielte mit seiner ersten Mannschaft in der Bayernliga, die Brucker hatten die besseren Jugend-Teams. „Wenn eine Fusion gekommen wäre, hätten wir die Fußball-Abteilungen aus dem Stammverein herauslösen müssen“, sagt FSV-Vorsitzender Reinhard Heydenreich. „Ein Verein muss sich überlegen, was er will. Es muss eine Mehrheit im Verein geben.“ Doch diese gab es in den Vereinen nicht. „Eltersdorf und Bruck haben eine lange, sympathische Geschichte“, sagt Heydenreich. Fusionieren zwei Vereine, geht auch ein Stück der ursprünglichen Identität verloren.

Zwei Vereine, zwei Philosophien

„Es gab dann keine festen Punkte, warum es nicht geklappt hat. Die ursprünglichen Strukturen sind historisch gewachsen und tief in den Vereinen verankert“, sagt Heydenreich. „Jeder Verein hat seine eigene Philosophie. Beide Seiten sind vielleicht noch nicht reif dafür“, vermutet Joachim Uhsemann. Er selbst hatte das Vorhaben unterstützt. „Ich hatte gute Chancen dafür gesehen.“ Auch der Vorsitzende des FSV Bruck befürwortet „langfristig aus sportlicher Sicht eine Fusion“. Nur so könne Erlangen eine konkurrenzfähige Fußball-Mannschaft aufstellen, die zum Beispiel mit Würzburg oder Regensburg mithält.

„Finanziell wäre schon die Regionalliga für uns kaum zu stemmen“, sagt Heydenreich. „Die Bayernliga ist aus meiner Sicht für Erlanger Fußballvereine maximal erreichbar. Mit Bruck können wir froh sein, wenn wir die Bayernliga halten. Die Regionalliga ist für uns nicht möglich.“ Dem Team sind also Grenzen gesetzt – unabhängig von der Leistung auf dem Sportplatz. SCE-Teammanager Joachim Uhsemann sieht das ähnlich, auch wenn er die Regionalliga nicht für unmöglich hält. „Nicht nur Eltersdorf könnte Regionalliga spielen. Das Problem aber ist das Zuschauer-Interesse.“ Selten wollen mehr als 150 Fans ein Spiel der Quecken live verfolgen.

Doch selbst bei einer Fusion wären dem Erlanger Fußball Grenzen gesetzt, das hat nicht zuletzt das Benefizspiel des FSV Bruck gegen den FC Bayern München gezeigt. Die Partie musste in Herzogenaurach stattfinden, auch weil es in Erlangen kein Fußballstadion gibt für mehr als 2500 Zuschauer. „Hier fehlt es einfach an der nötigen Infrastruktur“, sagt Heydenreich. Allein deshalb sei eine Fusion „vom Tisch“, glaubt Uhsemann. „Das Potential ist da, vielleicht sogar für die dritte Liga. Aber die Stadt Erlangen ist nicht so weit. Die Politik müsste mit im Boot sein.“ Ist das nicht der Fall, könnte Ähnliches passieren wie im Handball. Weil es in der Stadt keine geeignete Halle gibt, spielt der HC Erlangen seit drei Jahren in der Nürnberger Arena. Und das möchten sich wohl weder Eltersdorfer noch Brucker vorstellen. Da ist es doch besser, als traditioneller Verein in der Fußball-Bayernliga anzutreten. Vor allem jetzt, da es endlich wieder Derbys gibt.

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