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Die Club-U21 soll wieder Zulieferer sein

Zwölf Abgänge, zehn Zugänge

Zwölf Abgänge, zehn Zugänge, die U21 des 1. FC Nürnberg geht runderneuert in die nächste Spielzeit. Aussehen wollen sie dann wieder mitreißend und offensiv — und mindestens eine Sache besser machen als in der gar nicht so schlechten Vorsaison.

"Wir sind auf dem Weg, wollen aber auch drauf bleiben“, sagt Club-Trainer Geyer vor dem Saisonstart.

 / © Zink / WoZi

Ein wenig enttäuscht war man am Valznerweiher am Ende der Saison 2017/18 an einer Stelle trotz des Aufstiegs: Waren 2016/17 mit Lippert, Löwen, Sabiri und Bauman noch vier Spieler aus der U21 zu den Profis aufgestiegen, hatte es 2017/18 kein einziger Feldspieler auch nur in das Spieltagsaufgebot der Profis geschafft. Auch deshalb verabschiedete man sich zur neuen Saison radikal von allen Feldspielern, die 21 Jahre oder älter waren und stellte eine Mannschaft zusammen, die – mit Ausnahme von Torwart Nikola Vasilj – nur aus Spielern der Jahrgänge 1998 und 1999 besteht.

So trennte man sich auch von Maximilian Krauß und Jonas Hofmann, die die gesamte Rückrunde mit den Profis trainiert und am Ende dort sogar eigene Rückennummern erhalten hatten. Beide haben nun Anstellung in der Dritten Liga gefunden: Krauß in Unterhaching, Hofmann in Lotte. Gleiches gilt auch für Philipp Hercher. Der Außenbahnspieler, der unter den Trainer René Weiler und Alois Schwartz zu drei Kurzeinsätzen in der ersten Mannschaft gekommen war, spielt nun bei der SG Sonnenhof Großaspach. Faktisch noch eine Liga höher wechselte Torwart Johannes Kreidl, der bei den Profis elfmal die Bank, aber nie das Tor hütete: Allerdings ging es für den österreichischen U21-Nationalspieler zurück in Heimat, zum SV Ried.

Besonderer Input

Die restlichen Abgänge blieben allesamt viertklassig: Vincent Boesen (Aachen), Julian Scheffler (Offenbach), Andreas Knipfer (Homburg) und Manuel Feil (Elversberg). Dass es für Letzteren, in der abgelaufenen Saison immerhin bester Torschütze des 1.FC Nürnberg II, nicht für höhere Weihen reichte, überraschte. An ihm hatten im Winter noch mehrere Drittligisten Interesse angemeldet. Ebenso erstaunlich ist es, dass der bisherige Kapitän Christoph Wallner keinen neuen Klub gefunden hat. Wie er sind auch Steffen Eder, Cihangir Özlokman und David Domej noch auf Vereinssuche.

Es sind somit lediglich zehn Spieler im Team verblieben, die auch in der Vorsaison Teil der U21 des 1. FC Nürnberg waren. Genauso hoch ist die Zahl der Neuzugänge. Sechs der Neuen sind Aufsteiger aus der U19: Die Innenverteidiger Aaron Manu und Jannik Mohr, Rechtsverteidiger Leon Heinze, Stürmer Tobias Stoßberger und die offensiven Mittelfeldspieler Lukas Schleimer und Alexander Freitag.

Letzterer erholt sich noch von den Folgen eines im vergangenen November erlittenen Kreuzbandrisses, erhält aber zu Hause besonderen Input: Alexander Freitag ist der Sohn von Petra Freitag, der Lebensgefährtin von Profitrainer Michael Köllner. Aaron Manu, der im Juli 2017 an den Valznerweiher kam, hingegen setzt die Tradition von beim 1. FC Saarbrücken ausgebildeten Innenverteidigern in Nürnberg fort. Nach Philipp Wollscheid, Florian Ballas und Eduard Löwen ist der 18-jährige Deutsch-Ghanaer der vierte Spieler, der den Weg an den Valznerweiher genommen hat. Er gehört – wie Lukas Schleimer – zu den unzähligen Talenten, die Scout Dieter Nüssing aus dem Südwesten der Republik zum 1. FCN gelotst hat.

Vier weitere Neuzugänge hat sich der „kleine Club“ von anderen Vereinen geholt: Außenbahnspieler Felix Schimmel (RB Leipzig U19), die Innenverteidiger Jakov Medic (NK Vinogradar) und Tobias Kraulich (RW Erfurt) sowie Angreifer Dominik Steczyk (VfL Bochum U19). Alle vier Neuzugänge bringen interessante Referenzen mit: Medic (zwei Erstligaeinsätze in Kroatien) und Kraulich (acht Drittligaeinsätze) haben bereits Erfahrungen im Seniorenbereich gesammelt, Steczyk ist polnischer U 19-Nationalspieler und Schimmel kam in der Uefa Youth League, der Champions League der A-Junioren, zum Einsatz.

Es erscheint wahrscheinlich, dass sich zu den vier Neuzugängen weitere gesellen, auch weil sich der geplante Transfer von Innenverteidiger Tim Stappmann (Leverkusen U19) wegen eines im Medizincheck festgestellten Herzfehlers zerschlagen hat.

Bei einer derartigen Flut von Veränderungen im Kader ist zu erwarten, dass es einige Zeit dauert, bis sich die Mannschaft findet und zum Spielstil zurückkehrt, der die Saison 2017/18 erfolgreich machte. Teilweise war die U21 sogar ärgster Verfolger des späteren Aufsteigers TSV 1860 München gewesen, denn zwischen September und Dezember 2017 gewann die U21 des FCN neunmal in elf Spielen und erzielte 30 Tore. Aus einem offensiven 3–4–3 heraus kombinierte sich der „kleine Club“ durch mitreißenden Offensivfußball flach über die Außenbahnen in die gegnerischen Strafräume und zu einer Vielzahl an Torgelegenheiten.

Diese Art des Fußballs schwebt Trainer Reiner Geyer auch für diese Saison wieder vor, die Systematik dagegen ist offen: „Das hängt vom Personal ab. Ein 3-4-3 ist möglich, ein 4-2-3-1 allerdings genauso.“ Beide Formationen testet der Trainer derzeit in der Vorbereitung, so zum Beispiel am vergangenen Freitag beim Landesligisten 1. SC Feucht (1:3) oder am Dienstag beim Bezirksligisten FC Hersbruck (3:0).

Die Frage nach dem Wie

Auch wenn er Zufriedenheit als Begriff für die Entwicklung einer Mannschaft ablehnt, betont Geyer in Bezug auf die Vorbereitung: „Mir gefällt bislang, wie sich die Jungs in den knapp vier Wochen peu á peu entwickelt haben, wie sie die Dinge umsetzen. Wir sind auf dem Weg, wollen aber auch drauf bleiben.“ Dennoch steht bei der Zweitvertretung des 1. FC Nürnberg nicht die Ergebnisorientierung im Vordergrund, erklärt der Coach: „Die Entwicklung ist unser wichtigstes Ziel. Bei unserem Saisonziel liegt der Fokus in der momentanen Phase daher auch auf dem ‚Wie‘. Wie spielen wir Fußball? Wie entwickeln wir uns spielerisch und körperlich? Wie werden wir ein Team? Aktuell geht es darum, dass wir uns bei diesen Werten weiterentwickeln.“ Werden all diese Fragen positiv beantwortet, dann dürften am Ende Entwicklungen und Ergebnisse passen, egal ob am Ende — wie 2017/18 — ein fünfter Platz herausspringt oder nicht. Wichtiger als die Platzierung ist für den Verein ja auch etwas anderes. Profitrainer Michael Köllner betonte am Dienstag einmal mehr, dass die U21 und U19 erste Optionen für die Suche nach Verstärkungen für die erste Mannschaft bleiben sollen.

Auch deshalb waren Mittelfeldmann Simon Rhein und Stürmer Erik Engelhardt aus der U21 beim Trainingsauftakt der Profis mit dabei. Es soll schließlich in dieser Saison zumindest einmal wieder eine Kadernominierung für einen Nachwuchsspieler herausspringen.

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