Das Amateurfußballportal für Mittelfranken
Partner im
Amateurfußballnetzwerk
Partner im Amateurfußballnetzwerk

Zwischen Forchheim und Bruck herrscht reger Austausch

19 Spieler sind in den vergangenen acht Jahren gewechselt

In den vergangenen acht Jahren sind 19 Spieler direkt zwischen Jahn Forchheim und FSV Erlangen-Bruck gewechselt. Im Moment begegnen sich beide Teams auf Augenhöhe, was den Derbys zusätzliche Brisanz verleiht.

Ex-Jahn gegen Noch-Jahn im Derby: Hayri Özdemir (links, FSV Bruck) gegen Adem Selmani

 / © Edgar Pfrogner

Keiner kennt die innigen Beziehungen zwischen den Nachbarn wohl besser als Besnik Avdiji. Der 51 Jahre alte gebürtige Mazedonier hat in seinem Wohnort Forchheim den Wiederaufbau der SpVgg Jahn seit dem Bayernliga-Rückzug im Jahr 2000 tatkräftig begleitet, führte die erste Mannschaft 2010 zurück in die Landesliga, marschierte mit der Reserve von der A-Klasse in die Kreisliga (2011/12) und fungierte als Abteilungsleiter. Seit dem Jahreswechsel 2015 gehört er beim FSV Bruck zum Stab unter Normann Wagner, stieg zum Co-Trainer auf, erlebte aber auch eine bange Phase der finanziellen Unsicherheit. Avdiji zieht nicht nur Parallelen zwischen den infrastrukturellen Defiziten seines alten und neuen Vereins, er fädelte selbst die herausstechenden Verstrickungen im personellen Bereich ein.

Als der vom Bezirksoberligisten zum ambitionierten Bayernligisten aufgerüstete FSV Bruck noch nichts von seinen Schwierigkeiten ahnte, hatte ausgerechnet der damalige Forchheimer Abteilungsleiter ein Ohr an den unzufriedenen Jungspunden in der zweiten Reihe der Erlanger unter Reserve-Coach Normann Wagner. "Deren Jugendarbeit hatte einen guten Ruf und wir wollten unseren Kader mit technisch versierten Spielern aus möglichst nächster Umgebung verjüngen. Das passte perfekt", beschreibt Avdiji den Anfang eines Wechselstroms, der bis heute anhält. Die Verpflichtungen von Techniker Ferdinand List, Mittelfeldspieler Maximilian Bauernschmitt und Außenverteidiger Hendrik Hassa 2011 waren der Startschuss für mittlerweile 19 direkte Wechsel zwischen beiden Seiten seit 2010 (einsamer Vorreiter: Loic Chincilla).

Es steuerten zudem solche im FSV-Stall ausgebildete und über den Umweg beim SV Buckenhofen geschliffene Roh-Diamanten einen gehörigen Anteil bei, dass sich mit der Bayernliga-Vizemeisterschaft 2012 des Jahn eine sportliche Wachablösung im Verhältnis zwischen Erlangen und Forchheim vollzog. "Es war sicherlich über die Jahre ein großer Vorteil, dass sich viele der Jungs aus Erlangen kannten und bei uns eine Freundes-Clique gebildet haben", konstatiert Avidji.

Obwohl Forchheim danach - "ich kann die ganzen Namen gar nicht mehr aufzählen" (Avdiji) - weiteres Potenzial absaugte, den Bruckern nach dem Abstieg in die Landesliga 2015 zum Beispiel mit Sandro Gumbrecht, Tugay Akbakla und Tim Basener erneut ein Trio im Paket abluchste, entstand nie ein feindseliges Verhältnis. "Es wurde immer abgesprochen, wer wo mittrainiert", betont Avidji, der nach dem persönlichen Tapetenwechsel wiederum bereits mehrere Bekannte wie Torwarttrainer Dirk Schrott und direkte Heimkehrer begrüßen durfte. Auf die langjährigen Jahn-Leistungsträger Thomas Roas und Max Bauernschmitt (beide 2017) folgte in diesem Frühsommer überraschend kurzfristig der schon zuvor mehrfach heißt gehandelte Wunschspieler Adem Selmani. Tom Jäckel wurden hingegen keine Steine in den Weg gelegt, sich zum zweiten Mal dem Jahn anzuschließen. So sind auch die aktuellen Mannschaftskader mit mehr als einem halben Dutzend Doppelgänger, die schon das Trikot des anderen getragen haben, bestückt. Dies gebe aus Sicht von Avdiji dem Derby, das ohnehin jede Seite gewinnen will, noch seine spezielle Note.

Dazu begegnet man sich im zweiten Jahr nach dem Wiederaufstieg in die Bayernliga wieder nahezu auf Augenhöhe. "Natürlich ist die Konkurrenz im Vergleich mit den Vorjahren verschärft", bestätigt Avdiji, sieht den Jahn aber doch noch knapp voraus. Er rechnet der Mannschaft von Trainer Christian Springer den sechsten Tabellenplatz hoch an, bekennt sich unter anderem als Fan von Jens Wartenfelser und registriert den Reifeprozess des einstigen Bruckers Patrick Hagen zum Strategen. "Das ist überragend. Der Verein hat sich entwickelt und den eingeschlagenen Weg fortgesetzt."

Das Ziel der Brucker lautet, sich daran ein Beispiel zu nehmen und sich in der neuen Runde um ein bis zwei Ränge nach vorne zu verbessern. "Wir haben weiterhin den Vorteil einer starken Jugend, ziehen vier Talente nach oben und müssen so nicht auf große Einkaufstour gehen. Aber wir brauchen immer noch erfahrene Säulen im Gerüst, um uns zu etablieren und dann vielleicht in zwei Jahren die Ligaspitze anzugreifen", sagt Co-Trainer Avdiji und sieht dieses Potenzial ebenfalls in Forchheim schlummern, sollte dort zeitnah der lang ersehnte Umzug in den Stadtnorden die nötigen Ressourcen freisetzen. Wie sich welches Szenario auf künftige Transferbewegungen auswirken könnte? Avdiji gibt sich zurückhaltend, ja wohl weil gerade er um die dynamischen Kräfte zwischen den besonderen Nachbarklubs weiß.

Mehr zum Thema