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Dienstag, 19.03.2019

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Auf einen Espresso: Hoffnung auf neuen Schwung

Eliane Dehaut ist als Sprachdozentin seit Jahrzehnten auch Brückenbauerin - 18.01.2018 21:57 Uhr

Eliane Dehaut bei einem Abstecher in die Stadtbibliothek. © Foto: Wolfgang Heilig-Achneck


Wie gut verstehen sich Deutsche und Franzosen wirklich?

Eliane Dehaut: Schwer zu sagen – es gibt ja nicht "die" Deutschen und "die" Franzosen. Aber klar ist: Wer den anderen besser verstehen will, kommt an der Sprache nicht vorbei. Leider lernen in Frankreich weniger Menschen, gerade auch junge Leute, Deutsch als noch vor ein paar Jahren. In Deutschland entscheiden sich ebenfalls weniger Schüler für Französisch. In meinen Kursen geht es vielen aber um mehr als bloß banale Verständigung im Alltag oder bei Geschäftsverhandlungen.

Woran merken Sie das?

Dehaut: An der Offenheit und Neugier, die viele Teilnehmer zeigen. Zum Beispiel wenn es um den Einfluss und die Rolle der Gewerkschaften geht. Woran liegt es, dass es in Frankreich so viel häufiger zu massiven Demonstrationen kommt? Haben die Franzosen ein Gen für Rebellion und Revolution? Und wie funktioniert das genau mit dem Laizismus, also der strikten Trennung von Religion und Staat?

Gerade schlagen die Wellen hoch über Catherine Deneuve. Die Filmdiva hatte öffentlich vor "Übertreibungen" im Zusammenhang mit der Debatte um sexuelle Übergriffe gewarnt.

Dehaut: Sie hat sich bedauerlicherweise in etwas hineinziehen lassen, das hat sie schon bereut. Sie war so leichtsinnig, sich als Unterzeichnerin für eine Erklärung in der Zeitung Le Monde herzugeben – ohne genau hinzusehen. Sonst hätten ihr die zweifelhaften Namen etlicher Unterzeichnerinnen auffallen müssen, die eher zum horizontalen Gewerbe gehören. Inzwischen hat sie sich entschuldigt.

Trotzdem passte es irgendwie in das gerade in Deutschland traditionell verbreitete Bild davon, dass Französinnen und Franzosen das Verhältnis der Geschlechter lockerer sehen . . .

Dehaut: Das ist aber etwas ganz anderes. Hier geht es um klare Grenzziehungen. Was "Me Too" anprangert, finden Frauen in Frankreich, wie überall, vollkommen inakzeptabel, da gibt es eigentlich nichts zu diskutieren.

Zurück zum wechselseitigen Blick über den Rhein. Dass Deutschland immer noch keine neue Regierung hat, hätten uns die Franzosen bisher bestimmt nicht zugetraut.

Dehaut: Das stimmt allerdings. Zumal die Erwartung groß ist, dass gemeinsam mit Macron neuer Schwung in den europäischen Laden kommt. Sehr genau haben die Franzosen übrigens auch den Umgang mit Flüchtlingen verfolgt. Viele waren beschämt, dass ihr Land nicht so großzügig war. Inzwischen scheinen sich beide Länder anzunähern: Auf der einen Seite das Ja zum politischen Asyl, auf der anderen verstärkte Abschiebungen.

Ist der Lack des neuen Präsidenten schon angekratzt?

Dehaut: Insgesamt glaube ich nicht. Er gilt zwar als Präsident der Reichen. Aber er tut, was er angekündigt hat; und hoffentlich erreicht er jetzt etwas zum Abbau der Jugendarbeitslosigkeit. Und er geht auch auf Protestbewegungen zu: So wurde das Projekt für einen sehr umstrittenen neuen Flughafen bei Nantes zurückgezogen – offiziell aus Umweltgründen. Tausende von Menschen hatten dort ein Protestlager errichtet.

  

INTERVIEW: WOLFGANG HEILIG-ACHNECK

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