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Donnerstag, 21.03.2019

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Begeistert von Beethoven

Lehrergesangverein - 01.01.2019 19:13 Uhr

Bevor der Freude schöner Götterfunken in der Meistersingerhalle zündete, kam aber eine andere Lyrikvertonung zu Gehör: So wie Beethoven einst seinen Lieblingsdichter Schiller, nahm sich Brahms anno 1871 den Romantiker Hölderlin vor – und das "Schicksalslied" aus dessen Roman "Hyperion" wörtlich.

So entstand ein kongenialer Chorsatz, der den im Gedicht beklagten Zwiespalt zwischen göttlichem Ideal und menschlicher Realität musikalisch nachformt: Während "droben im Licht" die "seligen Genien" wandeln, stürzen die Menschen, Katarakten gleich, "jahrlang ins Ungewisse hinab".

Nach dieser gemeisterten Klippenfahrt pausierte der Chor bis zur Ode an die Freude und gab die Bühne frei für Kahchun Wong, der mit seinen Nürnberger Symphonikern für drei überraschungsfreie Beethoven-Sätze sorgte. Dazwischen konnten einige wenig konzerterfahrene Gäste ihre Begeisterung trotzdem nicht zurückhalten – sogar noch in die nur circa dreisekündige Pause vor dem Finalsatz wurde hineingeklatscht.

Bariton mit Schnupfen

Im für Chorsänger und Solisten gleichermaßen ungeheuer heiklen Finalsatz erwies der von Tarmo Vaask einstudierte Konzertchor jedoch Qualitäten, die über das gewöhnliche Niveau eines Laienensembles hinausgingen. Sehr engagiert, dynamisch differenziert und mit erstaunlich präziser Intonation wurde die oft kolportierte Behauptung Lügen gestraft, ein solches Werk könne nur mit einem professionellen Chor befriedigend aufgeführt werden.

Nicht ganz befriedigte allerdings das Solistenquartett – am wenigsten der verschnupfte Bariton Thomas Jesatko und der überforderte Tenor Philip Carmichael (Nürnberger Opernchor-Ensemble), am ehesten Susanne Bernhards schlanker Sopran und Rebecca Martins edler Alt.

Einen irritierenden Schlusspunkt setzte dann Kahchun Wong mit seiner spontanen Publikumsansprache: Anscheinend hatte er vergessen, dass er gerade kein Abonnement-Konzert, sondern einen Auftritt des Lehrergesangvereins geleitet hat – er bedankte sich für die Treue des Publikums, die ihm in diesem Jahr entgegengebracht worden sei und die auch im neuen Jahr erprobt werden könne. Allerdings wird er da gar kein LGV-Konzert mehr dirigieren . . . 

Stefan Candid Depenheuer

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