Dienstag, 11.12.2018

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Bilder aus einem Folterstaat

Zeichnungen und Berichte einer iranischen Künstlerin in der Stadtbibliothek - 18.12.2017 18:26 Uhr

Die Ausstellung „Stimmen der Folter“ zeigt das Schicksal von Kindern und Jugendlichen, die im Jahrzehnt nach der iranischen Revolution in Gefängnissen leiden mussten. © Foto: Schreiter


Mit den darin gezeigten Zeichnungen und Berichten einer iranischen Künstlerin will die Erlanger Gruppe von Amnesty International an die schweren Menschenrechtsverletzungen im Iran in den 1980er-Jahren erinnern.

Es sei sicher keine einfache Ausstellung, konstatierte Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, die sich im Namen der Stadt bei Amnesty International dafür bedankte, dass sie die Ausstellung nach Erlangen geholt hat. Preuß meinte zudem, es gebe sicher nicht nur Befürworter, doch würde die Ausstellung das Demokratiebewusstsein stärken. Sie empfahl darum auch Lehrern und Schülern den Besuch.

Prof. Heiner Bielefeldt, Inhaber des Lehrstuhls für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik an der Friedrich-Alexander-Universität, hielt den Eröffnungsvortrag. Er arbeitete die Menschenrechtsverletzungen im Iran umfassend auf. Die Ausstellung befasse sich nicht nur mit einem schwierigen, sondern mit einem unmöglichen Thema, weil es diese Stimmen eigentlich gar nicht gebe, sagte er. Denn das Ziel des Irans sei es gewesen, die Menschen stumm zu machen. Er nannte viele Beispiele und konstatierte zudem: "Iran ist ein Folterstaat". Die massive Hinrichtungswelle in den achtziger Jahren sei bis heute nicht aufgearbeitet. In den letzten Jahren sei die Zahl der Hinrichtungen wieder gestiegen.

Amnesty-Mitglieder lasen drei bedrückende und wahrlich schwer zu ertragende Geschichten, wie sie in der Ausstellung auch unter den Zeichnungen einer iranischen Künstlerin ausgehängt sind. Die Bilder zeigen das Schicksal von Kindern und Jugendlichen, die im Jahrzehnt nach der iranischen Revolution in Gefängnissen leiden mussten. Viele von ihnen seien Zeuge von Misshandlungen oder selbst Opfer von Folter und Hinrichtungen geworden, nicht wenige hätte das Regime auch zu Tätern gemacht, heißt es von Amnesty. Die iranische Künstlerin, die zum Schutz ihrer Person anonym bleiben muss, dokumentierte diese Erlebnisse und brachte sie in Bildern aus der Perspektive von Kindern und Jugendlichen zum Ausdruck.

Die Ausstellung ist bis zum 16. Januar in der Stadtbibliothek zu sehen. Der Eintritt ist frei.  

kds

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