Samstag, 17.11.2018

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"Die Entwicklung hat uns alle überrascht"

Ein neuer Verein schafft Sportangebote für Rollstuhlfahrer und stößt auf regen Zuspruch - 19.12.2017 19:26 Uhr

Der Verein Rolli-Treff-Franken schafft Angebote für Rollstuhlfahrer. Bei den Rollikids machen die Kinder und Jugendlichen mit, aber es gibt auch Rollstuhlsportangebote für Menschen ab 21. Wer zudem als Fußgänger einmal die Perspektive des Rollstuhlfahrers nachempfinden will, kann dies im Verein ebenfalls tun. © Foto: Rolli-Treff-Franken


Was Rollstuhlsport für Kinder angehe, sei Nürnberg ein weißer Fleck auf der Landkarte, klagte Konrad Methfessel noch im Sommer im Gespräch mit der NZ. Er und seine Mitstreiter befinden sich nun auf dem besten Wege, das zu ändern. Gerade mal drei Kinder, die im Rollstuhl sitzen, und ihre Eltern bräuchte er, um einen Verein zu gründen, sagte Methfessel damals. Doch dem Aufruf zu einem ersten Treffen im Oktober folgten nicht drei, sondern 23 Kinder und Jugendliche. Am 7. Dezember erfolgte der Eintrag ins Register, seitdem gibt es den Verein Rolli-Treff-Franken. "Und wir haben schon über 105 Mitglieder. Es ist richtig explodiert, wir sind alle selbst überrascht", berichtet der 67-Jährige.

Jeden ersten Samstag im Monat bietet der junge Klub in der Bertha-von-Suttner-Halle in St. Leonhard zwischen 10 und 14 Uhr Rollstuhltraining an, wobei man den in der Planungsphase auf Kinder ausgerichteten Fokus inzwischen erweitert habe, wie Methfessel berichtet – demnach dürfen Rollstuhlfahrer und Interessierte aller Altersgruppen kommen.

So gibt es einerseits Rollstuhlsport für Menschen ab 21 Jahren aufwärts und andererseits einen Nürnberger Ableger des bundesweit bereits etablierten Projekts "Rollikids" – für Kinder und Jugendliche im Alter von zwei bis 21 Jahren bietet der Verein in Kooperation mit dem Deutschen Rollstuhl-Sportverband (DRS) ein Rollstuhl- und Mobilitätstraining an, das von professionellen Übungsleitern durchgeführt wird. Die Rollikids bilden einen Fachbereich im DRS, bundesweit kümmern sie sich Methfessel zufolge um 1600 Kinder in 100 Vereinen – doch in Nürnberg gab es noch keinen.

Methfessel, der selbst wegen einer nicht behandelbaren neuronalen Erkrankung im Rollstuhl sitzt, hatte in einem speziell auf Menschen mit Behinderung ausgerichteten Hotel auf Teneriffa Klaus Herzog vom DRS kennengelernt. Der begeisterte ihn für die Idee der "Rollikids". "Das war eine von zwei ganz entscheidenden Zufallsbegegnungen." Die zweite spielte sich ein halbes Jahr später ab, als Methfessel mit Thomas König, den Geschäftsführer der auf Rehabilitationsgeräte spezialisierten Reha & Care GmbH, ins Gespräch kam. Die Firma unterstützt nun den jungen Verein. Sie stellt zum Beispiel für jedes Training 15 bis 20 Rollstühle zur Verfügung, denn auch Fußgänger sollen Methfessel zufolge die Möglichkeit haben, beim Rollstuhltraining mitzumachen. Thomas Königs Sohn Friedrich amtiert zudem als Gründungsvorsitzender des Vereins Rolli-Treff-Franken.

"Wir reden nicht über Inklusion, wir machen sie", sagt Initiator Methfessel über die Philosophie des Vereins. Beim ersten Training habe sich herausgestellt, dass der Rollstuhl des 14-jährigen Benno für den Sport nicht geeignet ist. "Wir haben dann eine Spendenaktion gestartet, um für ihn einen neuen Rollstuhl kaufen zu können." Bei der Gestaltung der Samstage in der Halle – das nächste Training findet wegen der Ferien erst am 13. Januar statt – möchte man auf die Wünsche der Teilnehmer eingehen. "Das Programm richtet sich nach den Leuten, nicht umgekehrt", sagt Methfessel. Der Verein sucht fleißig nach Partnern – von der Nürnberger Lebenshilfe wird er bereits unterstützt, zudem möchte man laut Methfessel eine Kooperation mit dem am Dutzendteich beheimateten Yacht-Club Noris eingehen.

Über Spenden freuten sich die Vereinsaktivisten, weil damit jungen Menschen wie Benno geholfen werden könne, sagt Methfessel. "Aber wir brauchen auch noch ehrenamtliche Unterstützer." Denn die Trainingssamstage erforderten doch einiges an logistischem Aufwand. Zudem träumt Methfessel den kühnen Traum von einer eigenen Halle für den Rollstuhlsport. "Aber ich weiß, das klingt etwas größenwahnsinnig", sagt er selbstironisch. Einstweilen sei man freilich auch in der Bertha-von-Suttner-Halle glücklich.

Spendenkonto: IBAN DE12 7605 0101 0013 4358 70, Sparkasse Nürnberg. Wer im Verein mitarbeiten will, kann per E-Mail Kontakt aufnehmen: info@rolli-treff-franken.de Das nächste Training findet am 13. Januar ab 10 Uhr statt (Bertha-von-Suttner-Straße 29). 

Marco Puschner

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