Donnerstag, 26.04.2018

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Digitalisierung stachelt Fantasie der jungen Unternehmer an

Nürnberger Start-up Demo Night stand ganz im Zeichen der Bits und Bytes — Apps helfen bei der Parkplatzsuche — Kapital oft ein Engpass - 21.10.2016 19:50 Uhr

Das Gründerteam Parking Pilot will die nervige Parkplatzsuche erleichtern. © F.: Roland Fengler


Sie sind zu fünft, stammen aus Nürnberg und Erlangen und haben sich als „Parking Pilot“ eines nervigen Problems angenommen: der Parkplatzsuche in den Städten. „Wir haben einen Sensor entwickelt, der den Belegungszustand eines Parkplatzes anzeigt.“ Die Information werde dann via App an jeden Interessierten weitergereicht, sagt der 22-jährige Stefan Eckart, Mechatronik-Student und Mitgründer. „Der Autofahrer soll gezielt auf einen freien Parkplatz geleitet werden.“

Die Idee und der Prototyp stehen: Der Sensor befindet sich innerhalb des Parkplatzes direkt auf dem Asphalt. Fährt ein Auto weg, wird diese Info zu einem Server geschickt – und eine App auf dem Smartphone zeigt an, dass der Parkplatz jetzt wieder frei ist.

Die Erfindung ist nicht nur beim Shopping komfortabel. So kann zum Beispiel die Feuerwehr bei einem Einsatz schon aus der Ferne feststellen, ob ein Autofahrer eine lebensrettende Feuerwehrzufahrt blockiert. Auch für Supermärkte, deren Parkplätze gerne von Dauerparkern genutzt werden, sei das System geeignet. „Wir wollen es mit Vollgas vorantreiben“, sagt Eckart. Ziel ist, den Sensor noch flacher zu gestalten und wetterfest zu bekommen.

Vollgas geben – das ist die Parole, mit der 33 junge Unternehmen angereist sind, um bei der vierten Start-up Demo Night ihre Innovationen einem breiteren Publikum vorzustellen und gut gelaunt und selbstbewusst ihren Gründergeist unter Beweis zu stellen. Wie zum Beispiel die „MBC Mobile Business GmbH“ aus Naila. Die oberfränkischen Informatiker haben ein spezielles Softwarewerkzeug entwickelt, mit dem Unternehmen sich ihre individuelle App kostengünstig bauen lassen können, sie wird nur gemietet statt gekauft.

„Wir haben immer noch eine starke Digitalszene“, sagt Carsten Rudolph, Geschäftsführer des Veranstalters BayStartUP. „Die Digitalisierung zieht sich wie ein roter Faden durch, mindestens 80 Prozent der Start-ups haben einen digitalen Ansatz.“

Laut einer aktuellen Umfrage des Branchenverbandes Bitkom stellt Kapital das größte Problem für IT-Start-ups dar. So geben 55 Prozent der Gründer an, „dass die schwierigen Finanzierungsbedingungen ihr Start-up am stärksten einschränken“.

Neben Bits und Bytes gibt es auf der Demo-Nacht aber auch anfassbare Produkte. Konstantin Preinl, Maschinenbaustudent, und Fabian Raum, Student der Wirtschaftswissenschaften, haben zum Beispiel einen Koffein-Riegel namens „Wingman“ im Gepäck. Der Wachhalteriegel besteht zu 100 Prozent aus natürlichen Zutaten wie Datteln, Cashewkernen oder Grüntee-Extrakt und kommt ohne Industriezucker aus. Die beiden haben ihre Firma in Neumarkt angemeldet. „Bis Februar wollen wir 100 000 Riegel verkauft haben“, sagt Preinl.

Ein paar Schritte weiter informiert die Biologin Petra Kinzl vom Bamberger Start-up „test4“ einen Vorsorgeteststreifen, mit denen Hundebesitzer die Gesundheit ihrer Vierbeiner kontrollieren können. Anders die von Michael und Julian Konrad gegründete „iFeel Tactile System GmbH“ aus Erlangen. Vater und Sohn nutzen eine selbst entwickelte und patentierte Technologie, um Töne und Musik fühlbar zu machen – im Sitzen oder Liegen lassen sich zum Beispiel die Bässe eines Songs oder das Dröhnen einer Harley Davidson körperlich spüren, wenn es durch Bauch, Rücken oder Beine geht. Gewisse Zonen könne man sogar gezielt und unterschiedlich intensiv „vibrieren“ lassen.

Überraschend konkret

Knapp 300 Besucher sind in dieser Nacht dabei, darunter Investoren und solche, die selbst einmal ein Unternehmen gründen wollen. „Ich schaue mich um, wie es andere geschafft haben und welche Möglichkeiten es gibt, etwas vorzustellen“, meint zum Beispiel ein Nürnberger Jungingenieur. Der Angestellte ist zum ersten Mal auf einer Start-up-Nacht, freut sich, dass „die Leute offen sind und mit einem reden“.

Und wie ist die Bilanz der Aussteller? Stefan Eckart von „Parking Pilot! ist mit der Gründernacht zufrieden. Er sammelt wichtige Visitenkarten ein. „Es ist überraschend konkret, was rüberkommt. Das war für Parking Pilot der bislang wertvollste Abend.“ Mehr Bilder auf www.nordbayern.de 

ILONA HÖRATH

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